Touristen sitzen auf Vulkan fest

30. Juli 2018 14:33; Akt: 30.07.2018 15:21 Print

«Sie haben Essen für zwei Tage dabei»

von Simon Beeli - Nach dem Erdbeben auf der indonesischen Insel Lombok sitzen hunderte Wanderer fest. Ein Schweizer Tourist, der das Beben erlebt und den Rinjani besucht hat, erzählt.

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Ein schweres Erdbeben hat Teile der indonesischen Insel Lombok verwüstet, mindestens 16 Menschen kamen dabei ums Leben. Darunter auch eine 30-jährige Touristin aus Malaysia, die auf einer Wanderung war. 560 Touristen sitzen am Vulkan Rinjani fest. Evakuierungsmassnahmen begannen im Laufe des Tages. Nach Einschätzung der Behörden werden sie voraussichtlich bis Dienstag dauern.

Wie das EDA bestätigt, sind auch Schweizer unter ihnen. Die Schweizer Botschaft in Jakarta steht in Kontakt mit den Betroffenen und prüft, ob diese weitere Unterstützung benötigen. Gemäss EDA gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass Schweizer Staatsangehörige beim Erdbeben zu Schaden gekommen sind.

20 Minuten steht mit einem Schweizer Touristen in Kontakt, der gerade erst auf dem Mount Rinjani war und der das Beben in Lombok miterlebt hat. Zurzeit weilt der 23-Jährige in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens.

Wie war die Situation auf Lombok, als die Erde zu beben begann?
Ich war noch im Bett, aber schon halb wach. Draussen war es sehr still, man hörte nur die Hühner. Als das Beben anfing, dauerte es einen Moment, bis ich begriff, was da los war. Ich sprang auf und rannte aus meinem Zimmer. Der Hotelpool bewegte sich krass und das Wasser war überall am Überschwappen. Dadurch kam mir sofort in den Sinn, dass es einen Tsunami geben könnte. Darum bin ich mit den Hotelangestellten aufs Dach geflüchtet. Aber zum Glück bestand keine Gefahr.

Wie würden Sie die Lage auf dem Vulkan momentan einschätzen?
Eine Woche zuvor war ich mit meiner Familie da. Ich kann nur sagen, dass ich erleichtert bin, dass nicht mehr Wanderer verletzt wurden auf dem Rinjani. Denn normalerweise ist man morgens zu dieser Zeit auf dem Gipfel. Es hätte weitaus schlimmer kommen können für alle Bergsteiger. Denn der Weg bis zum Gipfel ist sehr steinig und kann leicht ins Rutschen kommen.

Was macht die Faszination des Rinjani aus?
Das gibt es Einiges, was die Wanderung sehr besonders macht. Zum einen die atemberaubende Natur, aber auch, dass es eine herausfordernde Wanderung ist. Ohne Porter (Träger, die Red.) hätten wir sie wahrscheinlich nicht geschafft. In der Nacht sieht man vom Rand des Kraters aus so viele Sterne wie nirgendwo sonst. Die Milchstrasse ist problemlos zu erkennen – und sogar mit der Kompaktkamera kann man sie sehr einfach fotografieren. Nach dem nächtlichen Aufstieg geniesst man dann auf dem Gipfel den Sonnenaufgang und bestaunt den pyramidenförmigen Schatten, den der Rinjani wirft.

Hätten Sie Angst, wenn Sie jetzt dort festsitzen würden?
Ja, schon ein bisschen. Denn der Nachbar-Vulkan in Bali (Mount Agung, die Red.) spuckt im Moment aktiv Asche und es kann gut sein, dass auch der Rinjani aktiver wird, als er jetzt ist. Im Moment gibt er aber zum Glück nur ein bisschen Rauch ab.

Hat man auf einer solchen Exkursion eine Notfallausrüstung dabei?
Nicht, dass ich wüsste. Da auch die Tourenführer meistens Laien sind, denke ich eher nicht. Jedenfalls nicht von Seiten der Guides. Der Nationalpark hat aber ziemlich sicher einen Plan, wie eine Rettungsaktion durchgeführt werden sollte.

Wie werden die Touristen jetzt versorgt?
Eine Wasserquelle gibt es am Kraterrand, das weiss ich. Essen werden wohl die meisten für ungefähr zwei Tage dabeihaben. Auch eine medizinische Grundversorgung werden die Gruppen dabeihaben.

Wie lange kann man dort überleben?
Ich denke so zwei Tage, dann brauchen sie externe Hilfe. Aber Helikopter können auf dem Kraterrand landen, da gibt es genug Platz. Also denke ich, dass Verletzte abtransportiert werden können – und das Nötigste im Gegenzug auf den Berg hochgeflogen wird.

Wie könnte eine Rettungsaktion aussehen? Kommen die Wanderer allein wieder runter oder sind sie auf fremde Hilfe angewiesen?
Ich kann leider nicht genau sagen, was die Wanderer derzeit am Abstieg hindert. Wahrscheinlich sind die Wege verschüttet oder es herrscht Felssturzgefahr. Aber ich bin zuversichtlich, dass in den nächsten 24 Stunden ein sicherer Weg nach unten gefunden wird und die Wanderer diesen benutzen können. Sonst würde ich denken, dass sie per Helikopter geholt werden, vor allem die Verletzten. Aus eigener Kraft kommt man schon hinunter, aber viele sind wohl, auch was die Einschätzung der Risiken betrifft, auf fremde Hilfe angewiesen.

Haben Sie Kenntnis von Verletzten?
Ich weiss nur, dass es verschiedene Gruppen gibt, die an verschiedenen Orten festsitzen wegen verschütteter Wanderwege. Von Verletzten weiss ich nichts.

Würden Sie wieder auf den Vulkan gehen – auch nach dem Erdbeben vom Sonntag?
Ja, definitiv. Nicht in der nächsten Woche. Aber danach sicher wieder. Die Aussicht und die Natur sind das Risiko allemal wert.


Das Erdbeben auf Lombok und was bisher geschah:

(Video: AFP)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 30.07.2018 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Diät

    Essen ist nicht so wichtig. Man kommt im Notfall 2-3Wochen ohne aus. Wasser ist kritisch. Wenn die Quelle brauchbares Trinkwasser liefert ist es nur unangenehm aber nicht gefährlich. (Diabetiker ausgenommen)

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  • Mensch am 30.07.2018 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute

    Wünsche allen Betroffenen viel Kraft und baldige Verbesserung der Lage! Und Bild 7: "Helikopter und Rettungsteams wurden zu Fuss entsandt..." ...da hoff ich mal ganz fest, dass erstere noch für das Fliegen entdeckt werden!

  • Martin am 30.07.2018 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gut einteilen.

    Dann reicht das Essen für 5 Tage bei guter Einteilung. Das nennt sich dann wirklich auch Abenteurferien.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Max Bünzli Lehrer am 30.07.2018 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    j geana

    Essen kann man doch mit dem Helikopter bringen

  • Chrissi64 am 30.07.2018 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abenteuer

    Da kann man nur hoffen das alle heil da rauskommenAbenteuer Urlaub pur

  • 08.15 Tourist am 30.07.2018 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber für sich verantwortlich

    wer als Tourist auf einem Vulkan oder nach Tadschikistan reist, damit er im Facebook und Istagram posten und bluffen kann was für toller Abenteuer Held er ist, der muss damit rechnen, dass er sich in Gefahr begibt und muss hoffentlich für die Kosten der Rettung selber aufkommen.

  • Ueli am 30.07.2018 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    wenn das evakuieren gesunder Touristen

    Wichtiger wird als das bergen der eigenen Verletzten und Toten, sieht man wieder mal, wer wie viel wert hat/ist.....

    • Nikkel am 30.07.2018 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ueli

      Genau! Dein Geheule will ich sehen wenn du zuschauen darfst wie die zuerst die Toten abholen..

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  • Globetrottel am 30.07.2018 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gerade 80Km entfernt

    Das Beben hat auch uns aus dem Schlaf gerissen.. Jeder der nach Indonesien reist weiss um die Gefahr der Vulkane und Beben. Ich war in den letzten Wochen auf dem Bromo, Ijen und Sibayak und würde es jeder Zeit wieder tun, es war atemberaubend.. Verstehe eure Kommentare nicht, auch in der Schweiz kann man sterben z.B beim wandern in Bondo..

    • B. Vogel am 30.07.2018 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Globetrottel

      Ist wohl nicht das selbe, ob ich mich freiwillig in ein Risiko Gebiet begebe oder nicht.

    • mary rose am 30.07.2018 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      beneide

      @Globetrottel, beneide sie, war auch schon dort. geniesse sie es , ist traumhaft, auch in der Schweiz kann mir was passieren.

    • marianne o. am 30.07.2018 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      risiko

      @B. Vogel, das ganz Leben ist Risiko, noch nicht bemerkt. sie tun mir leid, ich möchte etwas von der Welt sehen, das Leben ist zu kurz, wenn man dauernd Angst hat ,bleibt man halt im Bett, aber auch dort kann ich sterben.

    • Garuda am 30.07.2018 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @B. Vogel

      Das Leben ist in jedem Fall tödlich, also kann man auch durchaus das Risiko eingehen, sich was von der Welt anzuschauen. Die meisten Unfälle passieren sowieso im Haushalt. Also lieber raus und auf Reisen gehen. :)

    • dani am 30.07.2018 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @marianne o.

      ja stimmt, aber ich würde keine helikopter senden um sie zu retten. sie wollten es ja so. also selber schuld. sie kannten ja das risiko.

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