Erdbeben in Neuseeland

07. März 2011 14:11; Akt: 07.03.2011 15:22 Print

«Rocky» wird zum Internet-Star

Das schwere Erdbeben in Neuseeland hat einige Stadtteile von Christchurch in ewiges Brachland verwandelt. Das Beben hat auch einen zweifelhaften «Helden»: «Rocky», der Fels.

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Unter einer umgestürzten Statue des Stadtgründers aus dem 19. Jahrhundert fanden die Rettungsarbeiter ein handgeschriebenes Pergament in einer Flasche und einen versiegelten Kupferzylinder, in dem historische Dokumente vermutet werden. Die Statue stand auf dem Hauptplatz der Stadt nahe der historischen Kathedrale. Während des Erdbebens am vergangenen Dienstag stürzte sie um. Museumsexperten untersuchen nun die Gegenstände. Die Presslufthammer schwiegen, die Kirchenglocken läuteten und über dem Parlamentsgebäude der Hauptstadt Wellington erklang ein maorisches Klagelied: Die Welt stand für zwei Minuten still, um der vermutlich 240 Erdbebenopfer zu gedenken. Das Erdbeben der Stärke 6,3 hatte am 22. Februar 2011 um 12.51 Uhr Ortszeit Christchurch erschüttert und schwere Schäden angerichtet, wie das Leser-Bild zeigt. Auf den Strassen der zweitgrössten neuseeländischen Stadt herrschte Angst und Panik. Das Beben liess den Turm der örtlichen Kathedrale umstürzen. «Der Turm ist einfach abgebrochen», berichtet Leser-Reporter Philippe Mösch. Der 25-Jährige hat das Beben in seiner Sprachschule miterlebt. Zahlreiche weitere Gebäude stürzten ein und begruben Menschen unter sich. Zahlreiche Menschen sind bei dem Erdbeben in Neuseeland ums Leben gekommen. Die Rettungsarbeiten wurden durch zahlreiche Nachbeben behindert. Das Zentrum des Erdstosses lag rund zehn Kilometer südwestlich von Christchurch. Die Erde bebte nach Augenzeugenberichten mehr als eine Minute lang. Tausende Menschen flüchteten aus der Innenstadt.

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Ganze Teile von Christchurch sind für immer zerstört. Einer, der mit dem Leben davon kam, aber sein Haus verlor, ist Phil Johnson. Er taufte den schätzungsweise 25 bis 30 Tonnen schweren Brocken, der bei dem Beben ins Rutschen geriet und auf sein Haus stürzte, «Rocky».

Er pries den Fels bei der Internet-Auktion als Gartendekoration an, «oder, wie bei uns, als wunderbare Ergänzung für das Wohnzimmer». Mehr als 316 000 Leute klickten auf das Angebot. Sieger war am Ende eine Skifirma, die «Rocky» auf einem Parkplatz in einem Skigebiet ausstellen will.

Stadt wird teils Brachland

Die Erschütterungen hätten den Boden abgesenkt und darauf könne nicht mehr gebaut werden, sagte Regierungschef John Key. «Es gibt einige Teile von Christchurch, auf denen nicht mehr gebaut werden kann», sagte Key nach einer Kabinettssitzung in Wellington, auf der die Regierung eine erste Bilanz nach dem verheerenden Beben vom 22. Februar zog. 10 000 Häuser seien in der zweitgrössten Stadt des Landes abbruchreif, 100 000 weitere beschädigt worden.

Die Einheimischen müssten sich darauf einstellen, dass viele historische Gebäude in der Stadt, die vor rund 170 Jahren gegründet wurden, nicht mehr zu retten seien. Ein Drittel des Geschäftsviertels muss wahrscheinlich abgerissen werden, und der Wiederaufbau könne 15 Jahre dauern, hatte Key bereits gesagt.

Bei dem Beben waren etwa 200 Menschen ums Leben gekommen. 166 Leichen waren bis Montag identifiziert. Die Versteigerung eines riesigen Felsbrockens, der ein Wohnhaus in Christchurch zerstört hat, spielte Geld für die Erdbebenopfer ein - insgesamt 60 050 neuseeländische Dollar - knapp 41 000 Franken, wie das Online-Auktionshaus «Trade me» mitteilte.

Christchurch will am 18. März im Hagley-Park bei einer Trauerfeier unter freiem Himmel der Opfer gedenken. Nach Angaben von Regierungschef Key werden dazu mehr als 100 000 Teilnehmer erwartet.

(sda)