Flug AF447

14. Oktober 2014 06:58; Akt: 14.10.2014 15:33 Print

«Scheisse, wir sind tot»

Was geschah vor fünf Jahren in den Minuten vor dem Crash des Air-France-Flugs AF447? Ein US-Magazin erhielt Einblick in die Aufzeichnungen des Flugschreibers.

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Am 8. Juni 2009 fand die brasilianische Luftwaffe die Heckflosse des Airbus. (Bild: Keystone/AP)

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In der Nacht auf den 1. Juni 2009 stürzte Flug AF447 auf dem Weg von Rio nach Paris ins Meer. Alle 228 Insassen kamen ums Leben. Vor dem Absturz flog die Maschine durch eine starke Gewitterfront.

In den letzten dramatischen Minuten fielen nacheinander lebenswichtige Systeme an Bord der Unglücksmaschine aus. Die Zeitschrift «Vanity Fair» berichtet nun detailliert, was der Flug-Recorder, die Black Blox, den Ermittlern verriet.

Chef-Pilot Marc Dubois (58) war in den Minuten vor dem Crash nicht im Cockpit, sondern schlief in seiner Kabine. Auch Co-Pilot David Robert (37) hatte sich für ein Nickerchen zurückgezogen. Am Steuer: Pierre-Cedric Bonin (32), der nur wenige hundert Stunden Flugerfahrung aufweisen konnte. Spitzname: «Firmen-Baby».

«Wir haben alles versucht»

Als die Geschwindigkeitsmesser der Maschine ausfielen, wusste dieser kaum, sich zu helfen. In der Folge kam es zu einem Strömungsabriss, das Flugzeug sackte ab. Darauf riss Bonin verzweifelt am Steuerhebel – doch es half nichts.

Kapitän Dubois kam erst ins Cockpit, als es schon zu spät war und Bonin verzweifelt versuchte, den Flieger wieder zu stabilisieren – 1:38 Minuten vor dem Aufprall.

Co-Pilot Robert war schon etwas früher zurückgekehrt, schrie: «Wir haben komplett die Kontrolle über das Flugzeug verloren und wir verstehen nicht, warum. Wir haben alles versucht!»

Dubois antwortete gefasst: «Mach weiter, zieh hoch.» Pierre-Cedric Bonin ist auf der Black Box zu hören, wie er ruft: «Los gehts: hochziehen, hochziehen, hochziehen!»

«Was passiert hier gerade?»

Der Crew wird klar, dass ein Aufprall unvermeidlich ist. Co-Pilot Robert: «Scheisse, wir stürzen ab, das kann nicht wahr sein! Was passiert hier gerade?»

Im Cockpit dröhnt eine Kakaphonie von automatischen Alarmtönen und Warnsignalen. Schliesslich ist entweder Robert oder Bonin noch zu hören: «Scheisse, wir sind tot.»

Um 23.14 Uhr zerschellt die Maschine im Meer.

Chef-Ermittler Alain Bouillard gibt laut der «Vanity Fair» dem Kapitän Dubois die Hauptschuld für den Crash. Er hätte sich nicht gleichzeitig mit dem Co-Pilot schlafen legen dürfen. Doch Dubois hatte zuvor nur eine Stunde geschlafen – und übergab das Schicksal der Maschine dem Anfänger in die Hände.

Bouillard: «Wenn der Kapitän während der Durchquerung des Unwetters die Position gehalten hätte, hätte sich sein Schlaf um 15 Minuten verzögert und die ganze Geschichte wäre womöglich anders ausgegangen.»

(num)