Pendler wirft Wellen

15. November 2014 08:53; Akt: 15.11.2014 18:45 Print

«So spart ihr Millionen. Gern geschehen»

Der Facebook-Post eines kanadischen Insel-Pendlers wird viral. Der Mann hat sich den Fährbetrieb BC Ferries vorgeknüpft.

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Viele Kanadier auf Vancouver Island wurden sauer, als durchsickerte, dass BC Ferries sich überlegen, einen grossen Anlegeplatz stillzulegen, damit sie die 200 Millionen kanadischen Dollar sparen konnten, die zur Sanierung nötig wären. BC Ferries hat schon tags darauf eingelenkt, die Stilllegung sei vom Tisch, aber um die Route offen zu halten, müssten die Preise schon wieder erhöht werden.

Sean Smith, ein Insulaner, der auf dem Festland arbeitet und deshalb auf die Fähre angewiesen ist, hat BC Ferries einen offenen Brief auf Facebook geschrieben:

«Liebe BC Ferries,

ich weiss, dass ihr es nicht einfach habt und Wege sucht, Geld zu sparen. Bitte lasst mich euch helfen:

Ihr seid keine Kreuzfahrtlinie, ihr seid ein Bus.
Ihr seid kein Reisebüro, ihr seid das Reisemittel.
Ihr braucht keine Werbung, es gibt keine Alternative.

Mit diesen drei Dingen im Kopf, überlegt bitte mal Folgendes:

Ihr braucht einen Zeitungs-Kiosk, keinen Geschenkladen.
Ihr braucht eine Cafeteria, kein Restaurant.
Ihr braucht keine Geldspielautomaten, ihr braucht WLAN und ein paar Grossbildfernseher.
Ihr braucht keine Marketingabteilung, ihr braucht einen Vollzeit-Social-Media- und Kundendienst.
Ihr braucht kein trendiges Reisebüro oder eine Ferienplanungsabteilung, ihr braucht einen Plan, wie ihr euer Personal auf dem aktuellen Stand haltet, was gerade mit dem Fährdienst läuft.

Ich will das BC-Ferries-Logo nicht während eines Canucks-Spiels in der Rogers-Arena oder in einer Fernseh-Werbung sehen. Glaubt mir, wenn keine Brücke und kein Tunnel da sind, werden die Leute die Fähre oder ein Flugzeug nehmen. Und ein Auto kann man nicht im Handgepäck mitnehmen.

Seht ihr? Ich habe gerade Millionen von Dollar für euch eingespart.

«Gern geschehen»

Smith hätte nie erwartet, dass sein Facebook-Eintrag viral wird: «Ich hatte das nach dem Frühstück geschrieben und war völlig arglos. Als ich drei Stunden später nach Hause kam, hatte der Post schon 800 Likes.» Mittlerweile sind es über 10'000 und die nordamerikanische Presse hat den Fall schon weitergedreht.

Smith sagt, er habe es getan, weil er frustriert sei über die hohen Preise von BC Ferries. «Ich zahle für mich und meinen Kleinwagen 120 Dollar (ca. 102 Franken) hin und zurück.» Smith verdient sein Geld als Social-Media-Trainer. Diese Erfahrung zeige ihm auf, dass man einfach nie voraussagen könne, welche Inhalte viral würden.

Smith hat eine Antwort von BC Ferries erhalten: Ein Standardschreiben mit einem Link zum Geschäftsbericht. «Dort drin steht, dass sie beim Auto- und Personentransport rückläufige Zahlen erwarten.» Er gerät schon wieder in Rage: «Wenn sich das abzeichnet – warum tut ihr nichts dagegen? Das ist das Firmen-Einmaleins und ihr seid gerade durchgefallen.»

(mec)