Paarungsverhalten

29. März 2011 20:12; Akt: 30.03.2011 16:02 Print

«Tierpornos? Ich habe meine Zweifel»

von Joel Bedetti - Nützen «Tierpornos» für die Fortpflanzung von Elefanten? Robert Zingg, Kurator des Zürcher Zoos, über Möglichkeiten, lustlose Tiere zu stimulieren.

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Mit Pornos und Viagra stimuliert: Pandabären in China. (Bild: Keystone/EPA/SAN SHI)

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20 Minuten Online: Herr Zingg, in Basel wird ein junger Elefantenbulle mittels «Tierpornos» aufgeklärt: Wird das Erfolg haben?
Robert Zingg: Es ist eine innovative Idee, aber ich habe da meine Zweifel. Eigentlich müsste das Paarungsverhalten angeboren sein. Ich weiss nicht, ob da Aufklärung hilft. Der betreffende Bulle lebt mit den Kühen, die er begatten soll, schon sehr lange zusammen. Sie haben ein vertrautes Verhältnis. Das könnte ein Hinderungsgrund sein. Ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob er fähig ist, Fernsehbilder zu erkennen. Primaten hingegen können das, bei Pandabären hat man das ja versucht.

Haben Sie im Zoo Zürich auch einen Vorrat an Tierpornos?
Nein, das in Basel ist eine spezielle Situation. Wir haben keine Säugetiere, bei denen uns die Fortpflanzung grosse Probleme bereitet. Sorgen machen eher Vögel. Die Flamingos in Brutstimmung zu bringen ist eine Kunst für sich. Sie sind sehr wählerisch beim Bodengrund, damit sie sich überhaupt ein Nest bauen. Ausserdem muss man darauf achten, dass im Futter genug Proteine sind.

Was machen Sie sonst, um Tiere zur Paarung zu animieren?
Das ist ganz individuell. Lange hatte man Mühe, Geparden zur Paarung zu bewegen, weil man einfach ein Paar ins Gehege stellte und wartete. Heute weiss man, dass Weibchen und Männchen nicht zu lange zusammen sein dürfen. Man muss sie gezielt zusammenführen, wenn das Weibchen rollig ist. Ausserdem soll man dem Weibchen eine Auswahl zwischen mehreren Männchen geben. Bei anderen Tierarten funktioniert das auch: Konkurrenz kann die Paarungsbereitschaft unter Männchen stimulieren.

In China, wo man verzweifelt versucht, Pandas zum Sex zu bringen, versucht man es mit Viagra. Würden Sie das auch tun?
Nein, ich glaube nicht, dass das hilft. Viagra ist mehr eine mechanische Hilfe und stimuliert nicht. Wenn schon, dann könnte man mit Hormonen die Paarungsbereitschaft steigern. Dann kann man aber auch gleich künstlich befruchten.

Machen Sie das oft im Zoo Zürich?
Nein. Man kann das auch nicht für jede Tierart einfach so entwickeln. Bewährt ist diese Technik bei Kranichen, bei Pinguinen und Schuhschnäbeln überlegen wir uns künstliche Befruchtungen. Bei anderen Tierarten, Nashörnern und Elefanten zum Beispiel, sind wir einfach froh, die Technik in der Hinterhand zu haben, sollten wir Probleme bei der Nachzucht haben.

Herr Zingg, wenn Menschen über Sex ohne Kontrolle reden, fällt oft der Vergleich mit Tieren. Aber auch Tiere scheinen nicht einfach darauf los zu rammeln, sobald man ein Männchen neben ein Weibchen stellt.
Wenn Menschen hemmungslosen Sex haben, ist der Vergleich mit den Tieren einfach eine Entschuldigung. Aber auch bei Tieren kann das soziale Umfeld eine Rolle spielen, eben zum Beispiel, wenn sie keinen Sex haben wollen mit Artgenossen, mit denen sie zu lange zusammen waren. So etwas wie Liebe gibt es aber nicht. Pfauenweibchen suchen sich ihren Partner nach der Imposanz des Gefieders aus, nicht nach Sympathie.