Scharia

15. Dezember 2010 19:05; Akt: 16.12.2010 11:08 Print

«Unsachgemässe Auspeitschung»

Ein Video, in dem lachende Polizisten zu sehen sind, wie sie eine Frau öffentlich auspeitschen, hat im Sudan zu Protesten geführt.

WARNUNG: DIESES VIDEO ENTHÄLT BRUTALE SZENEN VON GEWALT. (Quelle: YouTube)
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Die sudanesische Polizei hat am Dienstag 46 Frauen und 6 Männer verhaftet, die vor dem Justizministerium in der Hauptstadt Khartoum demonstrierten. Die Aktivistinnen und Aktivisten, die gegen die Auspeitschung von Frauen protestiert hatten, wurden gegen Kaution wieder frei gelassen, wie der US-Fernsehsender CNN berichtete.

Anlass der Proteste war ein etwa zweiminütiges YouTube-Video, in dem zu sehen ist, wie eine Frau öffentlich ausgepeitscht wird. Das Video sorgte laut CNN auch im regierungstreuen Lager des islamischen Landes für Beunruhigung – und zwar aufgrund der Art und Weise, wie die Züchtigung ausgeführt wurde. Die Polizeibeamten schlugen die Frau nämlich nicht nur auf den Rücken, wie das konform zur Scharia, dem islamischen Recht, gewesen wäre, sondern auch auf die Hände und das Gesicht, als sie sich um Gnade flehend umdrehte.

Spass beim Auspeitschen

Ausserdem schienen sich die Beamten einen Spass daraus zu machen, die Frau zu schlagen; sie lachten mehrmals und luden überdies die Person, die das Geschehen filmte, dazu ein, auch Leute aus dem Publikum zu filmen, die ebenfalls lachten. Die nicht namentlich bekannte Frau, die ein Kopftuch und eine Abbaya trug, soll bestraft worden sein, weil sie eine Hose getragen hatte. Dies berichtet die flämische Zeitung «Het Laatste Nieuws».

Der sudanesische Vize-Polizeichef Adel Al-Agib soll laut CNN gesagt haben, das Video sei in Umlauf gebracht worden, um «dem Image des Landes zu schaden». Al-Agib teilte mit, das Video sei im Juli 2009 in Omdurman aufgenommen worden. Es sei aber erst jetzt veröffentlicht worden, um im Kontext des Internationalen Tags der Menschenrechte (10. Dezember) den Druck auf das Land zu verstärken.

Juristische Untersuchung

Die sudanesische Justizbehörde hat inzwischen eine Untersuchung eingeleitet, die der Frage nachgehen soll, ob die Bestrafung nicht den Vorschriften entsprechend ausgeführt wurde.

Im Sudan ist das Auspeitschen nach islamischem Recht eine übliche Bestrafung für Vergehen wie das Trinken von Alkohol oder Ehebruch.

(dhr)