Eishockey-Metropole brennt

16. Juni 2011 07:27; Akt: 16.06.2011 09:59 Print

«Vancouver im Elend»

Ausnahmezustand in Kanada: Vancouver versank nach der Stanley-Cup-Pleite gegen Boston im Chaos. Frustrierte Fans schlugen Fenster ein, zündeten Autos an und gingen auf Polizisten los.

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Enttäuschte Fans liefern sich in Vancouver Strassenschlachten mit der Polizei.

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Eine Eishockey-Stadt randaliert aus Frust: Nach der Niederlage der Vancouver Canucks im Finale der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL gegen die Boston Bruins ist es in der kanadischen Stadt am Pazifik zu Ausschreitungen gekommen. Leserreporter Erich B. berichtet von «Strassenschlachten mit der Polizei» und «Vancouver im Ausnahmezustand». Cyrill schreibt aus der Metropole: «Vancouver im Elend.» Enttäuschte Fans setzten in der Innenstadt Autos in Brand und kippten Müll auf die Strassen, dichter Rauch schränkte die Sicht ein. «Ich habe von meinem Balkon aus gesehen, dass es um die Ecke brennt», erklärt Leserreporter Moritz Schneider am Telefon. Er sei dann auf die Strasse gegangen, um sich ein genaues Bild zu machen. «Die Fans haben Autos gedreht und Scheiben eingeschlagen», berichtet er.

Sondereinsatzkräfte der Polizei versuchten, wieder Ruhe herzustellen. Sie gingen mit Gummigeschossen und Tränengas gegen die Randalierer vor, wie der Fernsehsender CBC News berichtet. Schneider sagt: «Ich stand gerade neben einer Polizei-Truppe als sie mich und meine Freundin warnten: ‹Geht weg, jetzt setzen wir Tränengas ein.›» Dass die Ordnungshüter dies danach «ziemlich rücksichtslos» in die Tat umsetzten, sah er wenig später an vielen entgegenkommenden Fans - auch vielen Frauen -, welche sich die Augen rieben.

«Sehr viele randalierten»

Die Fans des unterlegenen Teams sollen gar zwei Polizeiautos in Brand gesteckt haben. «Allerdings haben selbst Zivilisten die Unruhestifter teilweise zurechtgewiesen», berichtet Schneider. Nicht bestätigen kann er jedoch die Meldungen in kanadischen Medien und von anderen Augenzeugen, dass nur ein kleiner Teil für das Chaos gesorgt habe: «Sehr viele randalierten. Alle liessen ihren Frust an Zeitungsboxen oder Strassenlaternen aus.» Wirklich Angst habe er trotzdem nie gehabt, sagt er. «Man musste aber schon schauen, wo man sich aufhielt.»

Der Bürgermeister Gregor Robertson sieht den Ausschreitungen fassungslos entgegen. «Vancouver ist eine Weltklasse-Stadt. Die Gewalt und die Unruhe, die wir heute Abend zu sehen bekommen, ist beschämend», sagte er dem Fernsehsender CBC.

Ein Verletzter, viele Festnahmen

Ein Mann sei von einer Brücke gefallen oder gesprungen und musste hospitalisiert werden. Bislang sind keine weiteren Verletzten zu beklagen. Allerdings verhaftete die Polizei viele Chaoten.

Während kanadische Mannschaften in der Vergangenheit den Stanley Cup dominierten, gelang zuletzt 1993 den Montreal Canadiens ein solcher Sieg. Am Mittwoch unterlagen die Canucks den Bruins im siebten und entscheidenden Spiel mit 0:4.

Bilder der Strassenschlachten in Vancouver:


(Leserreporter Moritz Schneider)


(Quelle: YouTube)


(Video: Youtube.com/NHLHELP)


(Video: Youtube.com/JPB209)


(Video: Youtube.com/brad604)


Bereits bei der letzten Finalniederlage 1994, als die Canucks den New York Rangers mit 3-4 Spielen unterlagen, ist es in Vancouver, der «Hockey-mad City», zu schweren Ausschreitungen gekommen.


(Video: Youtube.com/Pfizerr)

(jam/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DänUD am 16.06.2011 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    normal

    Solange die Welt vorlebt, dass man einen Krieg vom Zaun bricht, wenn es einem passt und wenn es grad finanziel drin liegt, solange wird man ein Volk nie daran hindern können, sich ihr Ventil zu suchen. Sportanlässe sind halt Weltweit fast noch das einzige, wo man überhaubt noch zusammenkommt als "normalo". Daher nicht verwunderlich, wird dieses Ventil auch gerne genutzt. Brot und Spiele für das Volk, gitl schon lange und gilt immer noch..

  • Vancouverite am 16.06.2011 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht im Sinne vom Team

    Die Vancouver Canucks haben den Stanley Cup verloren aber das, was die "Fans" hier abziehen, hat das Team wirklich nicht verdient !!! Ich liebe meine Heimatstadt aber im Moment kann ich mich nur dafür schämen !!!

  • Luca am 16.06.2011 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    unvorbereitete Polizei

    Diese Polizisten haben doch keine Ahnung, wie man gegen fanatische Sportfans vorgeht. In der Schweiz wäre es nämlich nicht zu so starken Ausschreitungen gekommen. Unsere Polizei hätte das schon viel früher stoppen können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sybille am 19.06.2011 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Vancouver pride

    Vancouver ist ausgetickt, Vancouver im Elend, Canuckfans drehen durch. All diese Berichterstattung. Nur die schlechten Bilder werden gezeigt. Das am nächsten Tag Hunderte Vancouverits zusammen kamen, um gemeinsam ihre Stadt von dem beschämenden Vandalismus zu befreien. Über das wird nirgends berichtet! DAS ist die Vancouver Mentaliät! DAS ist was diese Stadt und die dort lebenden Leute ausmacht! Wir machen alles besser in der Schweiz? Nein. Nach unseren Randalen sagt jeder Schweizer, das ist nicht mein Problem. Vancouver Canadier stehen zusammen auf and get rid of the mess.. Thats VAN!

  • Aus Kanada am 19.06.2011 03:00 Report Diesen Beitrag melden

    Tag nach den Krawallen

    Also ich muss sagen ich bin enttäuscht von den Medien. Riesen Beitrag über das chaos in Vancouver, einige Videos wurden gepostet, Aber kein Wort über den nächsten Tag. 18'000 Leute haben sich freiwillig gemolden und sind in die Innenstadt gegangen und haben aufgeräumt. Leute auf Facebook haben Gruppen gebildet um diese Chaoten zu identifizieren. Bitte wenn ihr schon solch einen grossen Beitrag über das Chaos schreibt, schreibt doch genau ein solch grossen beitrag über was am Tag danach passiert ist. Weil am Tag nach den Krawallen, sahen wir das wahre Gesicht von Vancouver.

  • röschu berger am 17.06.2011 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    schon wieder sauber

    ABER: jetzt im Nachhinein gab es einen Aufruf via Internet, in dem um Mithilfe beim Stadt-aufräumen gebeten wurde. Und dem folgten offenbar Tausende Menschen, so dass die Stadt schon wieder aufgeräumt ist...(gemäss APD, 17.6.11, 1630)

    • Martin am 19.06.2011 11:32 Report Diesen Beitrag melden

      Naja...

      Das wird die Besitzer der ausgebrannten Autos bestimmt trösten.

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  • Michael Kohlhaas am 17.06.2011 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    und in der schweiz

    beschwören politiker shon den weltuntergang hervor, wenn jemand im fansektor eine leuchtfackel anzündet!!!

    • Martin am 19.06.2011 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      Schlechter Vergleich

      Was soll der Kommentar? Das ist ja wie wenn man sagen würde "Guckt euch den Krieg im Irak an! Und hier in der Schweiz tun sie schon blöd wenn mal einer erstochen wird!"

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  • Steve. L. am 17.06.2011 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Zuwenig hart durchgegriffen.

    Möglichweise waren die Polizisten nicht vorbereitet, aber warum wird da nicht hart durchgegriffen. Ich habe live vor ein paar Jahren die WEF-Demo per Fernglas in Landquart gesehen. Die Polizisten waren komplett mit Protektoren eingekleidet und hatten Gewehre mit Gummischrott und Tränengas. Dazu wurden sie noch von der Deutschen Polizei durch Wasserwerfer unterstützt. Im Wasserwerfer ist nicht nur Wasser... Die Polizisten hatten Gnadenloss durchgegriffen, so soll es auch sein.

    • Patrick Menz am 18.06.2011 16:07 Report Diesen Beitrag melden

      Lehren von 1994

      Die Polizei war vorbereitet, nachdem bereits mehrere Tage vor dem Duell die Möglichkeit eines "Riots" von den Medien in Vancouver heraufbeschworen wurde. Aber: Nachdem im Jahre 1994 die Taktik der Polizei die Situation nur verschlimmert hat, versuchte man dieses Jahr mehr "Laissez-Faire". Man hätte allerdings hart durchgreifen sollen, das ist richtig.

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