Weinergate

14. Juni 2011 11:22; Akt: 14.06.2011 11:26 Print

«Wäre ich das, würde ich mein Amt niederlegen»

Neue Woche, neue pikante Bilder des US-Kongressabgeordneten Anthony Weiner. Während er darauf besteht, sein Mandat nicht aufzugeben, hält ihn selbst Präsident Obama für nicht haltbar.

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Am Dienstag nachmittag trat Anthony Weiner mit seiner Frau Huma Abedin vor die Presse. Sie erklärte, sie habe ihm verziehen. Dieses Bild wurde Anthony Weiner 2011 zum Verhängnis: Ende Mai hatte die erklärt, Weiner habe ihr ein Foto geschickt, das seinen erigierten Penis in der Unterhose zeigt. Nachdem der zunächst alles abgestritten und behauptet hatte, er sei Opfer eines Hackers geworden, stellte er sich am 6. Juni 2011 in einer tränenreichen Pressekonferenz der Öffentlichkeit. «Ich habe gelogen... Ich habe schreckliche Fehler gemacht», gab er in New York zu. Bald meldeten sich weitere sechs Twitter-Partnerinnen des Abgeordneten in den Medien. Auch die 40-jährige gab an, mit Weiner in den vergangen Jahren «unangemessene Kommunikation» via Twitter, Facebook und am Telefon geführt zu haben. Am 8. Juni machte ein Bild die Runde, auf dem ein männliches Geschlechtsorgan zu sehen ist. Nach Angaben des handelt es sich um eine Aufnahme Weiners, die dieser an eine Twitter-Partnerin gesendet habe. Am 12. Juni 2011 tauchten neue brisante Bilder vom auf. Darauf zeigt sich der Politiker – knapp mit einem Badetuch bedeckt - in der Garderobe eines Fitnesscenters. Menschen aus Weiners Nachbarschaft (Bild), aber auch mindestens sechs demokratische Mitglieder des Repräsentantenhauses – darunter die einflussreiche Abgeordnete Allyson Schwartz – forderten nach dem Auftauchen der Bilder . Er werde trotz des Skandals seinen tat er es dann doch. Auch an Scheidung denke er nicht, so Weiner weiter. Und er hatte Glück: seine Eskapaden. Auch in der Bevölkerung waren . Weiner ist seit 2010 mit verheiratet. Abedin, gebar im Skandaljahr das erste Kind des jüdisch-muslimischen Paars.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es wird immer unangenehmer für Anthony Weiner: Nachdem vergangene Woche ein Bild aufgetaucht war, das angeblich sein Geschlechtsorgan zeigte, wurden dem Online-Tratschportal TMZ am Wochenende weitere Fotos zugespielt, auf denen sich der Politiker zeigt – knapp mit einem Badetuch bedeckt. Die freizügigen Bilder soll Weiner in der Garderobe eines Fitnesscenters aufgenommen und an mehrere Twitter-Bekanntschaften verschickt haben.

Mindestens sechs demokratische Mitglieder des Repräsentantenhauses hatten sich in den letzten Tagen für einen Rücktritt Weiners ausgesprochen, darunter die einflussreiche Abgeordnete Allyson Schwartz. Doch mit den neuen Aufnahmen wurden die Forderungen nun lauter. Sogar Präsident Barack Obama äusserte sich klar und deutlich: «Ich kann Ihnen sagen: Wäre ich das auf den Fotos, würde ich mein Amt niederlegen», sagte er der Journalistin Ann Curry im Interview mit NBC. «Wenn man aus verschiedenen Gründen so abgelenkt ist, dass man seinen Job nicht mehr ausüben kann, sollte man besser zurücktreten.»

Weiner habe sich «lächerlich gemacht», meinte Obama weiter. Auch seine Frau und seine Familie würden unter dem Skandal leiden, aber ein Rücktritt sei schliesslich eine Entscheidung, die der Abgeordnete selbst zu treffen habe. Doch in den nächsten Tagen ist damit nicht zu rechnen: Anthony Weiner hat Urlaub beantragt und macht derzeit eine Sex-Therapie.

Amerikaner debattieren über virtuelle Seitensprünge

Inzwischen hat die Weiner-Affäre in den USA bei zahllosen Paaren eine Diskussion darüber angestossen, wie sie es mit Beziehungen im Internet halten, mit dem Versenden von anstössigen Fotos über Twitter, E-Mail oder andere elektronische Wege. Die Frage sei ganz einfach zu beantworten, sagt der 52-jährige Jon Austin. «Würdest du es posten, wenn dir dein Partner über die Schultern sieht? Wenn ja, dann ist das nicht Untreue. Wenn nein, dann betrügst du.»

Wie Austin äusserten sich viele Leute in Blogs und Diskussionsforen. Den Partner betrügen ist demnach nichts, was man nur körperlich macht. Es geht auch virtuell. «Ich denke, der emotionale Verrat ist genau so schlimm», sagte die 22-jährige Marissa Bholan. Eine verheiratete Person sollte nicht flirten, auch nicht online. «Ich glaube, es gibt die Vorstellung, dass das, was man online macht, nicht real ist», sagt die Musikerin Beky Hayes. «Aber das ist es.»

Kimberly Young, eine Spezialistin für Internetabhängigkeit, erklärt, viele flüchteten sich in Online-Beziehungen, um dem alltäglichen Druck in der Anonymität des Internets zu entgehen. Dabei bestehe aber die Gefahr, dass sie sich vom realen Leben abkoppeln. Die Menschen redeten sich ein, dass sie, sobald der Laptop geschlossen sei, nichts mit dem zu tun hätten, was sie online gemacht haben. «Das war ich nicht!», heisse es dann. Er habe schon erwachsene Menschen erlebt, die riesige Anstrengungen unternommen hätten, um solche Online-Eigenleben zu verschleiern, sagt Young, der auch als Psychologe arbeitet. «Sie glauben nicht, dass sie betrügen. Sie sagen: 'Ich liebe meine Frau.'»

Unter jungen Leuten ganz normal

Es gibt nur wenige Statistiken dazu, wie Erwachsene Online-Beziehungen sehen. Unter jungen Erwachsenen ist das Posten von sexuell eindeutigen Bilder aber ziemlich verbreitet, wie eine Studie des Pew Internet and American Life Projects im Mai vergangenen Jahres ergab. Darin erklärten 15 Prozent aller Erwachsenen, dass sie schon einmal ein «sexuell eindeutiges Nackt- oder Halbnacktfoto oder Video» auf ihrem Handy erhalten haben. Sechs Prozent haben schon einmal ein solches Bild verschickt. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen lagen diese Zahlen bei 31 Prozent und 13 Prozent.

«Die weite Verbreitung unter jungen Erwachsenen hat uns überrascht», sagt Pew-Forscherin Amanda Lenhart. Aber da dies wohl Teil einer Entwicklung in den neuen Medien sei, «sollte es nicht allzu sehr überraschen».

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Hugenthobler am 14.06.2011 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Amerika....

    Ein Hoch auf Amerika! Und schon bald wird in Digi- und Webcams ein Chip installiert der Nackte Bilder sofort zensiert und ungefragt löscht, damit sowas ja nie irgendwo passieren kann.

  • Silenzio am 14.06.2011 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Vom eigenen Kind schwanger!?

    Eine biologischen Sensation ist da in der Bildzeile zu Bild 12 versteckt: Bisher wurden Frauen "mit" einem Kind schwanger. Jetzt werden sie schon "von" einem Kind - gar dem eigenen? - schwanger. Oder ist die Frau vom ersten Kind des Paares "Clinton" schwanger?

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  • Stefan am 02.06.2011 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Was wäre wenn...

    wenn Anthony Weiner der republikanischen Partei angehören würde, würde die Parteizugehörigkeit in jedem zweiten Satz herausgehoben. Da er jedoch in der demokratischen Partei ist lesen wir nichts... Einseitig Berichtserstattung bis zum getnichtmehr!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Hugenthobler am 14.06.2011 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Amerika....

    Ein Hoch auf Amerika! Und schon bald wird in Digi- und Webcams ein Chip installiert der Nackte Bilder sofort zensiert und ungefragt löscht, damit sowas ja nie irgendwo passieren kann.

  • NiNo am 14.06.2011 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem?

    Hat denn keine/r von euch schon mal solch ein Bild gemacht? Jeder (nur wer lügt). Weil jetzt das irgendjemand veröffentlicht hat ist das bestimmt nicht seine Schuld. Ich will gar nicht wissen, was auf den Rechnern der CH-politiker ist, oder auf dem von Sarah Palin. Die ganze Aufregung ist einfach nur schwachsinnig,,,

  • Patricia am 14.06.2011 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Privatleben ...

    Warum stürzen sich die Medien immer auf das Privatleben von in der Öffentlichkeit lebenden Menschen? Ach ja, das gibt tolle Schlagzeilen, dabei geht vergessen, was diese Person geleistet hat. Für mich ist es sowas von egal, was diese Menschen privat machen, welche sexuellen Richtungen diese leben, etc.. Solange diese Person nicht seine Stellung ausnutzt, jemandem wirklich schadet, soll diese Person doch machen was sie will! Welche Doppelmoral wird da praktiziert - echt - ich möchte ja nicht wissen, was all diejenigen tun, welche nun auf diesen Politiker zeigen!

  • Peschä am 14.06.2011 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Fotos sind das Problem...

    Eigentlich ist doch viel schlimmer, dass es Leute gibt, welche solch private Fotos der Presse zuspielen und dass die Presse diese auch noch veröffentlicht. Das ist eine massive Verletzung seiner Privatsphäre. Sein Verhalten seiner Frau gegenüber ist alles andere, als schön... Auch nicht verständlich ist hingegen wiederum, dass er jetzt in eine "Sex-Therapie" gehen soll. Vielleicht wäre eine Ehe-Therapie passender.

  • Silenzio am 14.06.2011 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Vom eigenen Kind schwanger!?

    Eine biologischen Sensation ist da in der Bildzeile zu Bild 12 versteckt: Bisher wurden Frauen "mit" einem Kind schwanger. Jetzt werden sie schon "von" einem Kind - gar dem eigenen? - schwanger. Oder ist die Frau vom ersten Kind des Paares "Clinton" schwanger?

    • marco am 14.06.2011 12:20 Report Diesen Beitrag melden

      like it!

      ;-) super!!

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