Terror in Neuseeland

15. März 2019 09:52; Akt: 15.03.2019 10:49 Print

So erlebten Schweizer vor Ort den Anschlag

Nach dem Anschlag mit 49 Toten sind Neuseeländer geschockt. Ein Schweizer vor Ort sagt: «Das ist der dunkelste Tag, den das Land je erlebt hat.»

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Zaed Mustafa (l.), der seinen Vater und seinen Bruder beim Terroranschlag vom letzten Freitag verloren hat, wird zum Freitagsgebet in Christchurch begrüsst. Neuseeland gedenkt eine Woche nach der Attacke auf zwei Moscheen der 50 Todesopfer. Sonny Fatu, Präsident des Mongrel Mobs will mit seiner Biker-Gang die Muslime beim Freitagsgebet schützen. Erste Beisetzungen: Zaed (Mitte) wird zur Beerdigung seines Vaters und Bruders gebracht. (20. März 2019) Der mutmassliche Täter hat seinen Pflichtverteidiger von seinem Mandat als Anwalt entbunden. (16. März 2019) Der 48-jährige Abdul Aziz spielte mit dem Attentäter Katz und Maus bevor er ihn in die Flucht schlug. Am Samstag verstarb das 50. Opfer der Terror-Attacke von Christchurch. (16. März 2019) Der Schock und die Trauer sind gross. Der Moschee-Attentäter von Christchurch ist am Samstag (Ortszeit) erstmals einem Richter vorgeführt worden. Er zeigte vor Medienvertretern den rechtsextremen «White Power»-Gruss. (16. März 2019) Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern lobt den Mut zweier Polizisten. Sie hatten den Attentäter von Christchurch 36 Minuten nach dem ersten Notruf festgenommen Yama Nabi hat bei der Attacke seinen Vater Daoud verloren. Der 71-Jährige hat sich laut Medienberichten vor eine andere Person geworfen haben, um sie vor Brenton Tarrant zu schützen. Dafür zahlte er mit seinem Leben. In ganz Neuseeland bekunden Menschen ihre Trauer. Hier legt eine Frau Blumen vor die Moschee in Dunedin im Süden der Südinsel. 49 Kerzen brennen für die Opfer des Anschlags. Am Abend ist die Moschee in Christchurch noch immer von Polizisten umstellt. Bewaffnete Einsatzkräfte weisen Zivilisten darauf hin, den Tatort zu verlassen. Verzweifelte Angehörige stehen vor einer der beiden attackierten Moscheen und warten auf Informationen. Menschen vor der Moschee im Stadtzentrum von Christchurch sind ob des Attentats schockiert. Viele suchen noch nach ihren Angehörigen. Menschen stehen gegenüber einer Moschee in Christchurch. Mindestens 40 Menschen sollen bei einem Anschlag ums Leben gekommen sein. Der australische Premier bestätigte, dass es sich bei einem der Schützen um einen rechtsextremen Australier handelt. Dieser Mann soll der Schütze sein. Er streamte seine Tat über Social Media. Dabei richtete er die Kamera auch auf sich selbst. Im Video sieht man ausserdem mehrere Waffen auf dem Beifahrersitz, die mit Buchstaben und Symbolen übersät sind. Der Schütze trug bei seinem Angriff eine schusssichere Weste. Zudem trug er ein Symbol, das im Zusammenhang mit Hitlers SS verwendet wird. Auf die Ausrüstung hat der Schütze Namen geschrieben, darunter auch solche von anderen Attentätern. Die Bilder postete er auf Social Media. Auch die Magazine sind voller Namen. Zudem hat er migrationsfeindliche Sprüche und Symbole verwendet. Der Angriff soll in zwei Moscheen stattgefunden haben. «Ernste Lage»: Dutzende Menschen wurden zudem verletzt. Mindestens 20 Menschen wurden schwer verletzt. Die neuseeländische Polizei warnte vor einem «aktiven Schützen». Örtliche Medien berichteten, in einer Moschee habe es mehrere Opfer gegeben, eine andere sei geräumt worden. Ein Augenzeuge sagte dem Sender Radio New Zealand, er habe Schüsse gehört und vier Menschen auf dem Boden liegen gesehen, mit «Blut überall». Die Polizei rief dazu auf, im Zentrum von Christchurch nicht auf die Strasse zu gehen und jedes verdächtige Verhalten zu melden. Unklar war zunächst, wie viele Menschen sich zum Tatzeitpunkt in der Moschee aufhielten und ob die Schüsse während des traditionellen Freitagsgebets fielen. Angriff auf eine Moschee in Christchurch. Angriff auf eine Moschee in Christchurch. Auch vor dem Spital in Christchurch stehen bewaffnete Polizisten.

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Sascha war auf dem Weg zu seiner Arbeit als Landschaftsgärtner bei der Canterbury University in Christchurch, als ein Attentäter nur fünf Minuten entfernt mindestens 49 Menschen in zwei Moscheen erschoss. «Übers Handy erfuhr ich vom Anschlag», sagt der Schweizer zu 20 Minuten. Wenig später sei er aufgefordert worden, das Gelände der Universität zu verlassen.

«Auf dem Weg zurück sah ich überall bewaffnete Polizisten», sagt er. Kinder seien in den Schulen eingeschlossen worden. «Viele Neuseeländer sagen, das sei der dunkelste Tag, den das Land je erlebt hat», so der 21-Jährige. «Die Menschen sind aufgewühlt.» Das Land gelte als «sicherer Hafen», niemand habe damit gerechnet, dass so etwas passieren könne.

«Ich fühle mich wie gelähmt»

Zu kämpfen hat Sascha mit dem Video, das der Attentäter von seinem Anschlag machte. «Ich habe das Video im Internet gesehen. Ich konnte es nicht stoppen. Diese Bilder waren sehr verstörend. Man weiss, dass das gerade in kürzester Distanz passiert ist», sagt Sascha.

«Ich fühle mich wie gelähmt», sagt eine in Christchurch lebende Frau zu 20 Minuten. «Ich liebe diese Stadt. Was heute passiert ist, hat hier keinen Platz.» Eine andere Neuseeländerin sagt: «Ich bin traurig, wütend, verängstigt und schockiert. Der Täter soll für immer weggesperrt werden.»

«Wenn du Muslim bist, begleite ich dich»

Nach dem Anschlag erfährt das Land eine Welle der Solidarität. «Wenn du ein Muslim bist, dich unsicher fühlst, nicht alleine an der Bushaltestelle warten, einkaufen oder nach Hause gehen möchtest, begleite ich dich», heisst es in einem Post, der auf Facebook vielfach geteilt wird.

In den sozialen Medien machen Trauerbekundungen die Runde. Ein Meme zeigt einen weinenden Kiwi-Vogel – eine Ikone des Landes. Die Solidarität mit der muslimischen Gemeinschaft ist gross. Ein Imam schreibt auf Facebook: «Ich bin überwältigt von der Unterstützung, der Liebe und der Solidarität, die uns alle in Neuseeland jetzt entgegenbringen. Das sind die wahren Werte, für die wir Neuseeländer stehen. Wir müssen alle zusammen jeder Form von Extremismus entgegentreten.»

Politiker trauern

Politiker aus aller Welt trauern um die Opfer. Der deutsche Aussenminister Heiko Maas twitterte: «Der grausame Terroranschlag trifft friedlich betende Muslime. Wenn Menschen allein wegen ihrer Religion ermordet werden, ist das ein Angriff auf uns alle. Wir stehen zusammen an der Seite der Opfer. Stay strong, New Zealand!».

Angela Merkel liess über ihren Pressesprecher verlauten: «Tief erschüttert verfolge ich die Nachrichten aus Christchurch. Ich trauere mit den Neuseeländern um ihre Mitbürger, die friedlich betend in ihren Moscheen überfallen und aus rassistischem Hass ermordet wurden. Wir stehen Seite an Seite gegen solchen Terror.»

«Wir beten für euch»

Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz schrieb, er sei «schockiert und traurig» über den Anschlag. Er kondoliere den Verletzten, den Familien der Opfer und den Menschen von Neuseeland. Donald Tusk, der Präsident des Europäischen Rats, schreibt von «erschütternden Nachrichten»: «Der brutale Anschlag wird die Toleranz und die Art, für die Neuseeland berühmt ist, niemals unterkriegen.»

Der US-Botschafter in Neuseeland, Scott Brown, schrieb, der Anschlag habe ihm «das Herz gebrochen». «Wir stehen mit unseren Kiwi-Freunden. Unsere Gebete sind bei euch.»

(roy/ehs)