Muslimisches Model

30. September 2015 23:33; Akt: 01.10.2015 11:59 Print

«Werbung fürs Kopftuch – das ist gut»

Mariah Idrissis ist das erste Model mit Kopftuch in einer H&M-Kampagne. In einem Interview spricht sie jetzt über ihre Arbeit mit dem Modemacher.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als ein Modelagent Mariah Idrissi (23) anrief und fragte, ob sie für H&M modeln möchte, war sie skeptisch: «Wissen die, dass ich Kopftuch trage?», fragte sie. H&M wusste es – und die «Close the Loop»-Kampagne des Modelabels landete einen grossen Erfolg, vor allem bei jungen Musliminnen.

«Es fühlt sich immer an, als würden Frauen mit Kopftuch in der Mode ignoriert. Darum ist es grossartig, dass eine Marke uns wahrnimmt», sagte das muslimische Model Idrissi zur amerikanischen Onlineplattform «Fusion».

Nur minimal Kontakt mit Männern

Am Shooting beim zweitgrössten Modemacher weltweit (nach Zara) seien alle sehr respektvoll gewesen. Man habe sie gefragt, wie viel Hals sie bei dem Shooting zeigen wolle, bei dem Idrissi eine grosse Sonnenbrille, weite Hose und ein kariertes Kopftuch trägt. Sie habe eine eigene Garderobe bekommen und die Interaktion mit Männern wurde auf ein Minimum reduziert, erzählt die 23-Jährige.

«Als die Kameramänner bemerkten, dass etwas nicht stimmte, riefen sie Frauen, um es zu beheben. Eine der Uhren zeigte in die falsche Richtung, und anstatt sie einfach an meinem Handgelenk nachzustellen, fragte der Kameramann eine Frau, ob sie das tun könnte», so das Model. Einzige Kritik: Sie habe sich selbst schminken wollen, H&M habe aber darauf bestanden, dies zu übernehmen.

Ist Modeln unislamisch?

Trotz all der positiven Rückmeldungen hätten einige Muslime aber auch bemängelt, dass Modeln nicht mit dem islamischen Glauben einhergehe, berichtet «CNN». Idrissi widerspricht: «In unserer Religion geht alles. Alles, das nicht explizit verboten ist, ist erlaubt.»

Und: «Solange ich mich korrekt und dem Islam entsprechend anziehe, gibt es kein Problem. Im Gegenteil: Es wirbt eher fürs Kopftuch. Und das ist gut.»

Muslimische Mode hat grosses Potenzial

Mit der neuen Kampagne tritt H&M in einen neuen Markt ein: Muslime gaben im Jahr 2013 ganze 266 Milliarden Dollar für Kleider und Schuhe aus – «es ist eine fantastische Entwicklung für H&M», sagt Shelina Janmohamed, Spezialistin im Marketing für Muslime. «In vielen muslimischen Ländern, in denen H&M aktiv ist, wächst der Anteil junger weiblicher Konsumentinnen. Diese fühlen sich in der heutigen Mode nicht wahrgenommen.» Werbung solle aber nicht sagen: «Musliminnen, das ist für euch. Die jungen Frauen wollen behandelt werden wie jeder andere auch», so Janmohamed.

Die Londonerin Idrissis passt zur neuen Strategie von H&M: Sie ist modern, modisch und auf Social Media aktiv, wo die Muslima auch entdeckt wurde. Ihre Eltern sind Marokkaner und Pakistani. Das Kopftuch trägt sie erst, seit sie 17 ist – relativ spät für Musliminnen, die eigentlich in der Pubertät damit anfangen. Anderen muslimischen Fashionistas sagt sie: «Das Kopftuch ist kein Modeaccessoire. Wir können es nur an die Mode anpassen, aber wir müssen uns daran erinnern, dass der einzige Grund, dieses zu tragen, ist, Bescheidenheit zu zeigen.»

Die «Close the Loop»-Kampagne ruft dazu auf, Kleider zu recyclen. Im Werbeclip kommen auch XXL-Models, ein Beinamputierter, eine Dragqueen und ein Scheich vor.

(cfr)