Suizid bei Kindern

23. Dezember 2008 16:36; Akt: 23.12.2008 17:19 Print

«Wie ein Blitz aus heiterem Himmel»

In Bonstetten hat sich letzte Woche ein 12-Jähriger völlig unerwartet das Leben genommen. Robert Fisch, Chefarzt des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Zentrums in Ganterschwil (SG) erklärt, wie sich grosse Nöte bei Kindern äussern.

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20 Minuten Online: In Ihrer Klinik Sonnenhof betreuen Sie sehr viele Kinder und Jugendliche wegen Suizidgefahr. Wie äussert sich das?
Robert Fisch: Die Kinder und Jugendlichen drohen entweder, sich umzubringen oder sagen, sie hätten keine Lust mehr zu Leben. Beides muss man sehr ernst nehmen. Meist ist dies ein Teil einer länger dauernden Not.

Wie alt sind denn die betroffenen Kinder?
Solche Äusserungen machen schon Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren. Statistisch gesehen haben zehn Prozent der Jugendlichen unter 14 schon einmal Selbstmordgedanken gehabt. Bei Jugendlichen in der Adoleszenz kommt es mindestens doppelt so häufig vor.

Wie oft kommt es denn tatsächlich zum Suizid?
Das ist sehr, sehr selten. Nur gerade 0.07 Prozent nehmen sich das Leben. Häufiger sind Versuche. Auf einen ausgeführten Suizid bei Kindern und Jugendlichen kommen etwa 50 bis 100 suizidale Handlungen.

Sind Suizide bei Kindern ähnlich wie bei Erwachsenen? Das heisst planen sie ihn nach einem lange dauernden Leidensdruck?
Gar nicht. In der Regel kommt es wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Frustration, Wut und Ärger sind oft im Spiel, und es ist eine sehr impulsive, unvermittelte Handlung.

Ein Suizid bei Jugendlichen ist also nicht vorhersehbar?
Besonders eine aussenstehende Person kann das kaum erkennen. Solche Kinder reagieren auch sonst sehr impulsiv und unerwartet auf Ärger und Frust. Meist kommt hinzu, dass sie auch aus anderen Gründen gerade unglücklich sind. Nur wer darüber Bescheid weiss, könnte eine Gefährdung erkennen.