Baumgartners Fauxpas

29. Oktober 2012 10:35; Akt: 29.10.2012 11:14 Print

«Wir bräuchten eine gemässigte Diktatur»

Hat er auf seinem Ausflug in das Weltall doch etwas zu wenig Sauerstoff abgekriegt? Anders ist eine Aussage von «Fearless Felix» nur schwer zu erklären.

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Wie ein Held wurde er gefeiert, als er sich vor zwei Wochen aus 39 Kilometern Höhe aus einem Ballon gestürzt hatte und erfolgreich zurück auf die Erde gekehrt war. Wie ein Rockstar sass er am Samstag in der Redbull-Stadt Salzburg zusammen mit seinem Mentor Joe Kittinger in einem Sessel und stand der versammelten Medienzunft Red und Antwort.

Am Rande dieser Pressekonferenz liess sich der 43-Jährige gegenüber der «Kleinen Zeitung» zu einer gelinde gesagt unbedarften Äusserung hinreissen. Nein, in die Politik wolle er nicht. Da könne man ja nichts bewegen, sagte er, auf seine Zukunftspläne angesprochen. «Man hat das ja am Beispiel Schwarzenegger gesehen: Du kannst in einer Demokratie nichts bewegen», dozierte er. Und: «Wir würden eine gemässigte Diktatur brauchen, wo es ein paar Leute aus der Privatwirtschaft gibt, die sich wirklich auskennen.»

Eigene Todesnachricht abgesegnet

Darüber hinaus gab Baumgartner Details aus der Vorbereitung für seinen Wahnsinnssprung preis. Auch die Mitteilung eines möglichen Todes gehörte dazu: «Wir hatten entsprechende Pressetexte vorbereitet. Es ist ziemlich bizarr, wenn man einen solchen Text lesen und abnicken muss», sagt Baumgartner in einem Gespräch mit dem «Spiegel». «Die Nasa hat Katastrophenpläne, und genauso musste ich das machen.» Die Kameras wären abgeschaltet worden, wenn etwas schiefgelaufen wäre. «Bei einer solchen Geschichte sieht man ja ab einem gewissen Zeitpunkt, wenn etwas danebengeht. Da bleibt man nicht live drauf, das wäre ethisch verwerflich.»

Drei Tage zuvor traf Baumgartner den UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der sich vom «furchtlosen Felix» begeistert zeigte. Baumgartner sei «der mutigste Mensch in der ganzen Welt», sagte Ban. Der Extremsportler hatte zuvor die Gelegenheit ergriffen und dem Politiker angeboten, ihm das Fallschirmspringen beizubringen. Ban Ki Moon zeigte offenbar wenig Begeisterung, wie die Nachrichtenagentur dapd meldete. Ob Baumgartners jüngste Äusserungen wohl dazu beigetragen haben, Bans Vertrauen zu gewinnen?

(jam)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Es geht mir nicht um eine Befürwortung der Diktatur, sondern um die (in diesem Land nicht vorhandene) Kritik an der Demokratie. "Demokratie ist, wenn vier Füchse und ein Hase darüber abstimmen, was es heute zum Abendessen gibt." Übrigens wird auch hier über Sie bestimmt, Beispiel Wehrpflicht. – Cornelia Hüsser

Was Baumgartner wohl gemeint hat ist eine Regierungsform, die an die Technokratie angelehnt ist. Die hat natürlich mit einer Diktatur im klassischen Sinn nur wenig gemein. Es darf kein Tabu sein, auch die Demokratie zu hinterfragen. Gemäss Churchill ist sie eine schlechte Regierungsform, nur gibt es (noch) keine besseren Alternativen. Allerdings muss hervorgehoben werden, dass die Schweizer Variante der direkten Demokratie sicherlich eine der besten Varianten davon ist. – empty()set

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Xoff Pardey am 30.10.2012 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    aber hallo!

    Ist es dermassen abwegig, mit der Demokratie nicht zufrieden zu sein, dass man dafür abgestraft wird? Ich kann ihn gut verstehen - als Österreicher ist er sicher nicht der einzige, der sich ein von einem Alleinherrscher regiertes Land wünscht. Ein so richtig guter Herrscher (wie im Märchen) ist allemal besser als das verkorkste System, in dem wir leben.

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  • Simon am 29.10.2012 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wo er Recht hat...

    Er hat sich vielleicht ein wenig unglücklich ausgedrückt, aber grundsätzlich kann ich ihn schon verstehen. Er wollte wohl einfach sagen, dass eine Demokratie sehr sehr träge ist und Leute etwas zu sagen haben, die eigentlich gar keine Ahnung von der Materie haben. Bei gewissen Abstimmungen in der Schweiz wünschte ich mir auch, dass das Volk nicht mitreden darf.

  • Roman Bolliger am 29.10.2012 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel RedBull getrunken!?

    Ein Extremsportler mit offenbar extremen und extrem unbedarften politischen Ansichten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • André Biel am 31.10.2012 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Reden ist Silber schweigen ist Gold

    Ja genau Felix. Eine gemässigte Diktatur mit ein paar Leuten aus der Privatwirtschaft die sich "gut" auskennen. Gut haben wir in unserer Demokratie die Meinungsfreiheit.

  • Losli am 30.10.2012 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    direkte Demokratie...vonwegen!

    Bei den wichtigen Dingen dürfen wir genauso wenig mitreden wie anderswo auch.

  • Basler P. am 30.10.2012 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    EINE IDEE ZUM ÜBERLEGEN!

    So ganz unrecht hat Herr Baumgartner nicht!Bei uns kommen wir nicht mehr vom Fleck,da konstant von einer oder anderen Seite Ideen blockiert werden und klare Ideen und Visionen fehlen. Ich bin nicht für eine Diktatur aber eine gemässigte Diktatur mit klaren Linien wo verschiedene Kulturen in Ordnung, Sicherheit und Ruhe miteinander leben können scheint mir möglich zu sein. Singapur macht es möglich dass alle Kulturen miteinander in Ruhe leben können. Es mir klar, dass es kein perfektes System in dieser Welt gibt. Aber bei uns kosten die konstanten Blockaden,Nörgeleien und Oppositionen Millionen

  • kurt am 30.10.2012 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das problem von demokratie

    ist, dass es zum selbstzweck "gewählt zu werden" führt. parteien verteilen geschenke um an der macht zu bleiben. deshalb sind praktisch alle demokratien verschuldet. unbequeme entscheide will keiner treffen. man nehme die abstimmung für eine einheits-krankenkasse: das volk lehnt es ab obschon es eigentlich die richtige entscheidung wäre. es gibt zahlose weitere beispiele. deshalb kann ich baumgartners aussage verstehen die er vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt hat. aber es ist auch für einen satz zu komplex.

  • Xoff Pardey am 30.10.2012 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    aber hallo!

    Ist es dermassen abwegig, mit der Demokratie nicht zufrieden zu sein, dass man dafür abgestraft wird? Ich kann ihn gut verstehen - als Österreicher ist er sicher nicht der einzige, der sich ein von einem Alleinherrscher regiertes Land wünscht. Ein so richtig guter Herrscher (wie im Märchen) ist allemal besser als das verkorkste System, in dem wir leben.

    • Chris am 30.10.2012 11:18 Report Diesen Beitrag melden

      Märchen ist das Stichwort

      Ja, dass ist abwegig. Wie sagst du schon so schön: Richtig gute Herrscher gibts eben nur im Märchen. Oder zeig mir mal den guten Diktator. Und wenn du schon das verkorkste System beklagst: In einer Demokratie kannst du wenigstens ein bisschen was tun. Mitsprache, Teilhabe, ein Staat, der im Grossen und Ganzen die Rechte seiner Bürger schützt. Wenn ich so darüber nachdenke... Wow, wir leben ja schon fast im Märchenland...

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