Zyklon über Australien

02. Februar 2011 14:11; Akt: 08.02.2011 13:44 Print

«Wir haben Matratzen vor die Fenster gestellt»

Leser-Reporterin Kathrin Battaglia hat in ihrem Hostel in Airlie Beach in Australien ausgeharrt. Gemeinsam mit anderen Touristen verschanzte sie sich vor dem Zyklon «Yasi».

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Die ersten Ausläufer des riesigen Zyklons «Yasi» haben am Mittwochnachmittag das australische Festland erreicht. «In 20 Minuten erreicht er uns», sagt Leser-Reporterin Kathrin Battaglia kurz nach 14.30 Uhr. Sie sei zum Glück nicht direkt in der Gefahrenzone, «aber wir werden wohl die Ausläufer zu spüren bekommen». Während der Sturm näher und näher rückte, harrte die 27-Jährige in ihrem Hostel in Airlie Beach aus. Die Fenster wurden bereits vor Tagen verklebt. «Die Leute, die weg konnten, sind bereits am Dienstag geflohen», so Battaglia. Sie selbst konnte nicht weg: Busse und Flieger waren alle ausgebucht. Die Stadt sei am Mittwochmorgen wie ausgestorben gewesen.

«Die Geschäfte sind geschlossen gewesen, viele Regale waren leer.» Busse oder Züge seien keine mehr in der Region angekommen und vor den Tankstellen bildeten sich lange Schlangen. «Alle versuchten noch ihr Auto vollzutanken.» Die Stimmung ist gemischt gewesen: «Die einen Leute haben extreme Angst und wollen nur weg, andere nehmen es locker», sagt Battaglia, «ich selbst bin irgendwo dazwischen - obwohl die Angst schon da ist.» Sie hat sich am Mittwochmorgen mit vier anderen Frauen in ihrem Zimmer verschanzt und wartete auf den Killer-Sturm.

«Wir machen uns gegenseitig Mut»

Im Moment stürmte es in Airlie Beach und es regne in Strömen, berichtet die Leser-Reporterin kurz nach 14.30 Uhr (mitteleuropäischer Zeit). «An vielen Orten fallen Äste von den Bäumen. Die Behörden haben uns angewiesen in den Häusern zu bleiben», sagt Battaglia. Sie sollten die Fensterläden schliessen, falls die Scheiben vom Wind bersten. «Wir haben die Matratzen vor die Fenster gestellt und versuchen uns gegenseitig Mut zu machen.» Die Einheimischen sind nicht weniger verunsichert als die Touristen, sagt Battaglia. «Die wissen auch nicht genau, was sie erwartet.»

Im Moment gebe es im Hostel noch Strom und sie müssten nicht im Dunkeln sitzen. «In den benachbarten Orten ist der Strom bereits ausgefallen - wir warten jeden Moment darauf, dass es auch hier dunkel wird», so die 27-Jährige weiter. Sie hat Erfahrung: Am Sonntag bei Zyklon «Anthony» blieb sie 18 Stunden im Dunklen. «Es gab keinen Strom mehr, kein Internet, die Telefone gingen nicht und die Bankomaten sind auch ausgefallen.» Battaglia sass auf gepackten Koffern. Die Behörden hätten sie kurz vor dem Sturm noch immer evakuieren können. «Ich hoffe aber», sagt die Leser-Reporterin am Telefon, «dass wir alle relativ glimpflich davonkommen.»

(amc)