Japanische Delfinjäger

12. Dezember 2017 14:26; Akt: 12.12.2017 14:37 Print

«Wir schämen uns nicht»

In Taiji in Japan werden jedes Jahr rund 2000 Delfine und Kleinwale getötet. Jetzt reden erstmals die Jäger. «Was in aller Welt sollen wir sonst tun?», fragen sie.

Die blutige Bucht von Taiji. (Video: nk)
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Das Blut färbt das Meerwasser rot, tote Delfine liegen gestapelt auf einem Kleinboot: Diese schockierenden Bilder aus Japan gingen um die Welt und machten auf das traditionelle Schlachten in Taiji aufmerksam. In dieser Bucht im Süden des Landes gehört die jährliche Jagd auf Delfine und Kleinwale zur Tradition, rund 2000 Tiere fallen ihr jeweils zum Opfer (siehe Box).

Internationale Bekanntheit erlangte das 3200-Seelen-Dorf 2009 durch die Dokumentation «The Cove», die einen Oscar gewann. Seither haben Aktivisten von Sea Shepherd und The Dolphin Project immer wieder aufs Neue auf die Problematik aufmerksam gemacht.

«Wir wollen, dass die Leute aus dem Westen das verstehen»

Nun sprechen die Bewohner Taijis erstmals im britischen «Guardian». «Über unsere Sicht der Dinge wurde bisher nicht berichtet», sagt Yoshifumi Kai, ein Funktionär der Fischereigenossenschaft von Taiji.

Die Fischer führten eine Tradition fort, die bis ins frühe 17. Jahrhundert zurückgehe, so Bürgermeister Kazutaka Sangen: «Hier wuchs weder Reis noch Gemüse. Unsere Vorfahren mussten Meeressäuger jagen, um zu überleben, und Hunderte sind dabei gestorben.» Die Bewohner Taijis seien dankbar für die Tiere – «und wir wollen, dass die Leute aus dem Westen das verstehen.»

«Was in aller Welt sollten wir sonst tun?»

Für die Umweltschützer hat man in Taiji wenig Verständnis: «Sie hören uns nicht zu, sondern wollen nur provozieren», sagt etwa Mitsunori Kobata, Präsident der Delfinjagd-Gesellschaft. Die Aktivisten wollten nur die Geschäfte kaputt machen. «Also sehen wir keinen Grund, mit ihnen zu verhandeln. Denn sie werden ihre Meinung nie ändern, egal, was wir sagen», so Kobata.

Yoshifumi Kai sagt weiter: «Die Aktivisten werfen uns vor, wir würden die Tiere im Verborgenen töten, weil wir wüssten, dass unsere Taten unmoralisch sind. Das ist Unsinn.» Rinder würden schliesslich auch nicht öffentlich geschlachtet.

«Wir schämen uns nicht für die Delfinjagd und werden nie damit aufhören», sagt Kai. «Schauen Sie sich doch um: Wenn wir nicht vom Meer leben würden, hätten wir gar nichts mehr.» Viele sagten, sie sollten doch einfach einen anderen Weg finden, um zu überleben, so der Funktionär. «Doch was in aller Welt sollten wir sonst tun?»

«Einseitigkeit» und «unüberbrückbare Differenzen»

Regisseurin Megumi Sasaki hat eine Dokumentation gedreht, um «der einseitigen Berichterstattung über ein komplexes Problem zu begegnen», wie sie sagt. Die Debatte über Taiji zeige unüberbrückbare kulturelle Differenzen zwischen der westlichen Tierschutzbewegung und lokalen Traditionen, die auf Religion und Verehrung der Vorfahren beruhten. «Der Walfang hält Taiji zusammen. Er ist untrennbar mit der lokalen Identität verbunden», sagt sie.

(nk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elia Sidler am 12.12.2017 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Tradition ?

    Wenn aus Gründen der Tradition Lebewesen massengeschlachtet werden gehört diese Tradition auf den Müllhaufen der Geschichte.

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  • aprilfool am 12.12.2017 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grausamer Tod!

    Für die Tiere ist diese Aktion ein grausamer Stress, um es milde aufzudrücken! Ganze Familien müssen-im eigenen Blut schwimmend- zusehen, wie alle regelrecht massakriert werden! Bei Nutzvieh versucht man zumindest, den Stress wie's geht, zu vermeiden.

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  • Rudolf am 12.12.2017 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Trauriges Bild, Jahr für Jahr

    Ich wundere mich immer wieder was wir Menschen auf dieser Welt anrichten. I denke wir werden für solches Handeln irgendwann bestraft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dalmatino am 13.12.2017 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boykottieren die Japaner

    ganz einfach wir können was tun. kauft keine japanischen Autos und andere Maschinen dann hört das schon auf. Klar über Medien Stellung einnehmen und verbreiten das twittert sixh bis nach Japan und in die Regierung. So macht man denen die Tradition aus.

  • Logik am 12.12.2017 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn keine Tiere mehr da sind ...

    Ist doch einfach. Die Tradition wird dann verschwinden, wenn es keine Delphine mehr gibt. Ganz simpel.

  • Maslik am 12.12.2017 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das geht nicht !

    Wird Zeit, sich eine neue Tradition zuzulegen. Das kann es ja echt sein, dass ein Kand wie Japan zum Schutz dieser wnderbaren Tiere den Fischern alternative Einnahmequellen anbieten kann. Geld dazu wäre ganz bestimmt genug vorhanden.

  • Treki am 12.12.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das muss sofort aufhören

    Wie kann man sich noch Mensch nennen wenn man Tiere so abschlachtet?

  • M.L. am 12.12.2017 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerisch hoch 100

    Kleine Frage an alle, die so heuchlerisch hier antworten, von wegen Rinder sind Zuchttiere und Delfine vom Aussterben bedroht. Meine Frage: wäre der Delfin nicht vom aussterben bedroht, würdet ihr diese Abschlachten genau so ok finden wie das was auf den Schlachthöfen passiert, oder? Mann o Mann, ich kann echt nur den Kopf schütteln.