China bizarr

16. Februar 2011 16:48; Akt: 16.02.2011 17:11 Print

«Zauberfische» erzürnen die Tierschützer

Wie von Zauberhand geführt schwimmen die Goldfische des Magiers Fu Yandong in Formationen. Alles fauler Zauber, sagen chinesische Tierschützer und wittern Tierquälerei.

(Quelle: AP Television)
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Es ist, als wäre es einem Magier gelungen, Fische zu dressieren: Ein paar anmutige Handgesten und schon bringen sich die sechs Goldfische des Täuschungskünstlers Fu Yandong in einem kleinen Wasserbecken so in Formation, wie er es beabsichtigt zu haben scheint (siehe Video oben).

Hunderte Millionen Chinesen hatten den Zaubertrick mit den Tieren, die national von grosser, kultureller Bedeutung sind, auf der Mattscheibe mitverfolgt. Der Staatssender CCTV übertrug das bunte Treiben im Rahmen einer Galashow zum Auftakt der Chinesischen Neujahrsfeiern. Die Liveschaltung vom 30. Januar zählt jährlich zu den Sendungen mit den höchsten Einschaltquoten.

Publikum nicht verzaubert

Doch das tierische Täuschungsmanöver scheint einen grossen Teil der Chinesen alles andere als verzaubert zu haben: Kurz nach der Aufführung liefen die Telefonleitungen des Senders heiss. Tausende Zuschauer hätten sich über das Fischespektakel beschwert. Sie wollten sich vergewissern, ob es den Aquariumbewohnern auch gut ginge. Dies berichtet AP Television. Auch chinesische Tierschutzaktivisten hielten mit ihrer Kritik nicht zurück. Sie sind davon überzeugt, dass den Lebewesen Magnete implantiert oder diese gar mit Stromschlägen traktiert werden. Nur so lassen sie sich gezielt in vorgesehene Richtungen manövrieren.

Goldfische «leben glücklich»

Derzeit protestieren die Aktivisten gegen eine erneute Live-Ausstrahlung des Tricks. Diese soll am Donnerstag, anlässlich der Neujahrsschlussfeiern, in ähnlichem Rahmen wieder landesweit Millionen Haushalte erreichen. Über fünfzig Verbände, die sich um das Wohle des Tieres bemühen, schlossen sich zusammen. Sie gelangten mit einer Erklärung zum «faulen Zauber» an das Staatsfernsehen. Darin warnen sie, dass es «zu möglichen Tierquälereien kommen könnte, wenn die Zuschauer den Trick nachzuahmen versuchten».

Die Direktorin des nationalen Tierschutzverbandes, Qin Xiaona, zeigte sich schockiert. Sie finde es falsch, «wenn Goldfische als Unterhaltungsinstrument benutzt werden,» sagte sie gegenüber AP Television. Das sei unmenschlich, weil Tiere - anders als Menschen - ihre Gefühle nicht ausdrücken könnten. Der Künstler selbst verteidigte indes seine Nummer. Auf seinem Twitter-Profil versicherte Yandong, dass seine Fische «glücklich leben».

Widersprüche um erneute Ausstrahlung

Ob Yandongs Vorstellung mit den Süsswassertieren am Donnerstag ein zweites Mal über die Bühne geht, ist bislang nicht bekannt. Der Leiter der Neujahrssendung soll laut einem Bericht der «Peking Times» beschwichtigt haben, dass es sich bei der ganzen Aufregung um eine erneute Übertragung um ein Gerücht handle und dass der Einsatz von Tieren für die Endshow nicht vorgesehen sei.

Dem widerspricht Yandongs Manager Liang Ming. Dieser behauptete am Mittwoch, dass der Trick schon längst geplant gewesen sei. Man habe sich bereits in Absprache mit der TV-Station für die Vorführung entschieden, Yandong werde wie vorgesehen den Goldfisch-Trick aufführen. Weiter versicherte der Agent, dass die Tiere für den Zaubertrick nicht gequält würden. Er habe jedoch Verständnis für die Sorgen der Tierschützer, der Zaubertrick könnte Goldfischen schaden, wenn er von Laien nachgemacht werde. Über die Funktionsweise des Tricks schwieg er eisern.

Die chinesische Regierung befindet sich seit längerem an der Ausarbeitung eines Tierschutzgesetzes. Wann es umgesetzt wird, ist unklar. Die Tierschutzorganisatoren haben derweil ein unabhängiges Expertenteam beauftragt, das den Zaubertrick endgültig entzaubern soll.

(dga/APTV)