05. April 2005 13:10; Akt: 05.04.2005 13:29 Print

Über 6000 Polizisten bewachen Trauerfeier

Das italienische Innenministerium hat für die Trauerfeier für Papst Johannes Paul II. 6.430 zusätzliche Polizisten in Bereitschaft versetzt. Unter ihnen sind auch Scharfschützen und Experten von Sprengstoffräumkommandos.

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Bei der letzten Beisetzung eines Papstes stand Italien unter dem Eindruck des Terrors der Roten Brigaden. Wenn am Freitag Johannes Paul II. bestattet wird, ist es der internationale Terrorismus, der den Behörden Sorge macht. Wenn am Freitag Johannes Paul II. bestattet wird, ist es der internationale Terrorismus, der den Behörden Sorge macht. Mit Blick auf bis zu vier Millionen Besucher sowie Staatsoberhäuptern und Regierungschefs aus mehr als 50 Ländern will die Polizei keinerlei Risiken eingehen.

Während schon vor der Trauerfeier am Freitag zehntausende von Pilgern nach Rom strömen, hat das italienische Innenministerium nach eigenen Angaben 6.430 zusätzliche Polizisten in Bereitschaft versetzt. Unter ihnen sind auch Scharfschützen und Experten von Sprengstoffräumkommandos. Allein 1.500 Polizisten werden für den Schutz der ausländischen Würdenträger abgestellt. Es gebe genügend gepanzerte Fahrzeuge, um alle schutzbedürftigen Personen zum Petersplatz zu bringen, erklärte das Innenministerium.

Dabei sollen die immensen Sicherheitsvorkehrungen möglichst wenig das Stadtbild dominieren. Zwar sieht man rund um den Petersplatz und an anderen zentralen Orten in Rom zahlreiche uniformierte Polizisten. Die Spezialkräfte der Bereitschaftspolizei bleiben bislang aber im Hintergrund. Und wenn bereits Scharfschützen auf Dächern postiert wurden, so halten sie sich aus dem Blickfeld der Menschenmassen auf dem Petersplatz.

Für die Kontrolle beim Zugang zu dem Platz stehen Metalldetektoren zur Verfügung. Diese Personenkontrollen werden bisher aber nur stichprobenartig vorgenommen. Als am Montagnachmittag der Leichnam des Papstes über den Petersplatz in den Dom getragen wurde, räumte die Polizei für kurze Zeit einen Teil des Platzes. Und die vor dem Dom anstehenden Pilger werden von Dutzenden uniformierter Polizisten begleitet. Wer versucht, über die vor dem Platz aufgestellten Metallbarrikaden zu klettern, wird schnell von der Polizei gestoppt. Zur Trauerfeier am Freitag wird erwartet, dass sich mehr als 500.000 Menschen auf dem Petersplatz drängen.

Bei den Beisetzungen von Paul VI. und Johannes Paul I. im Jahr 1978 - dem Jahr der Entführung von Aldo Moro - waren die Sicherheitsvorkehrungen weit geringer ausgefallen. Verstärkt wurde der Schutz des Petersplatzes erst 1981, als auf dem weitgehend ungesicherten Petersplatz auf Johannes Paul geschossen wurde. Seit den Terroranschlägen vom 11. September gibt es vor allem an den Weihnachts- und Ostertagen strenge Kontrollen bei der Ankunft der Pilgerscharen. Der Vatikan selbst hat neben den für das Zeremoniell zuständigen Angehörigen der Schweizergarde auch 200 Sicherheitskräfte zur Verfügung, darunter auch die Leibwächter des Papstes.

«Hier ist jeder glücklich»

Für die Hotels, Restaurants und Geschäfte in Rom ist der Ansturm der vermutlich zwei bis vier Millionen Besucher ein unerwartetes Zusatzgeschäft. Der 50-jährige Kellner Orlando Salvio, der in einem Restaurant in der Nähe von St. Peter arbeitet, sagt: «Hier ist jeder glücklich» - auch wenn der Anlass ein trauriger sei.

Normalerweise kehrt nach Ostern erst einmal eine Flaute in der Tourismus-Branche ein. Jetzt wird geschätzt, dass die örtlichen Unternehmen einen zusätzlichen Umsatz von mindestens 95 Millionen Euro in zwei Wochen erzielen. Davon entfallen allein 50 Millionen auf den Verkauf von Rosenkränzen, Papstbildern und anderen religiösen Gegenständen. Weitere 150 Millionen Dollar werden wohl für Flug- und Zugtickets sowie für Benzin ausgegeben, schätzt der Verbraucherverband Codacons. In Cafés und Restaurants müsse mit Preiserhöhungen gerechnet werden.

Bei einer Zahl von drei Millionen Einwohnern in Rom ist ungewiss, wie die Stadt die Verdoppelung der Bevölkerungszahl in den nächsten Tagen verkraften wird. An drei Orten am Rand von Rom wurden Massenunterkünfte für Besucher eingerichtet, die in den Hotels keinen Platz mehr finden.

(ap)