Überbetreuung

29. März 2011 22:48; Akt: 29.03.2011 22:52 Print

Überbesorgte Eltern gefährden die Kinder

von Cécile Blaser - Der Sicherheitswahn überbesorgter Eltern treibt immer verrücktere Blüten: Inzwischen schicken diese ihre Schützlinge gar mit Helm und Schutzanzügen auf die Spielplätze.

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Mit Helm auf Spielplatz: Dieser Sicherheitswahn kann tödlich enden. (key)

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Überbesorgte Schweizer Eltern fahren ihre Kinder längst nicht mehr nur mit dem Auto zur Schule. «Immer mehr Eltern stecken ihre Kinder in Schutzkleidung und setzen ihnen Velohelme auf, nur schon wenn sie auf den Spielplatz gehen», sagt Thomas Grütz von «ElternBeratung Zürich». «Diese Überbetreuung kann zur Gefahr für die Kinder werden», weiss Silke Pfersdorf, Autorin des Buches «Erziehungsfalle Angst». So ist in Deutschland bereits ein Vierjähriger gestorben, als sich sein Helm im Netz eines Klettergeräts verhakte. Auch Daniel Menna, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU, warnt: «Trägt ein Kind zum Spielen auf dem Spielplatz einen Helm, besteht die Gefahr, dass es sich selber stranguliert, da die Anlagen nicht dafür gebaut sind.»

Auch in Kinderkrippen ist die wachsende Überbesorgnis der Eltern spürbar: «Bei uns beschweren sich vermehrt Eltern, wenn Kinder mit Schrammen von der Kita zurückkommen», so Talin Stoffel, Geschäftsleiterin des Verbands Kindertagesstätten der Schweiz.

Sozialpädagoge Grütz ortet neben einer erhöhten Unfallgefahr vor allem psychische Konsequenzen: «Indem die Eltern versuchen ihre Kinder von allen Gefahren abzuschirmen, werden diese zu unselbständigen Menschen erzogen.» Lieber einmal eine Beule oder Schramme mehr am Kopf – dafür entwickelten sich diese Kinder zu Erwachsenen, «die auf eigenen Füssen stehen».

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt Maurhofer am 30.03.2011 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Test

    Drum wäre ein psychologischer Test für Paare mit Kinderwunsch keine so schlechte Idee.

  • Martin K. am 30.03.2011 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheitswahn der Versicherungen

    Teilweise verstehe ich diese Eltern, denn unsere Versicherungen (SUVA) zeigt uns doch ständig auf wie Gefährlich es auf der Welt ist. Zuerst Helme beim Velofahren (Ich fahre seit 40 Jahre fast täglich ohne Helm Velo), dann Schutzpanzer und Helm beim Skifahren (Bin noch ohne Sicherheitsbindungen den Berg herunter gefahren). Dieser Sicherheitswahn zeigt sich durch alle Behörden... (Feuerpolizei, etc.) Wir werden ständig durch neue "Sicherheitsvorschriften" zugemüllt. Das eigentliche Ziel der "Personensicherheit" steht jedoch nicht im Vordergrund sondern die Kostenoptimierung der Versicherungen.

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  • Petra Tollardo am 30.03.2011 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wurzeln zu Flügel

    Wie heissts so schön: Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln - wenn sie gross sind, gib ihnen Flügel... wie wollen sie aber gross werden, wenn sie nicht selber eigene Erfahrungen im "Fliegen" machen... hab selber zwei Jungs und natürlch sind die Ängste immer da - aber wie sollen sie das Vertrauen erlernen, wenn man ihnen dieses nicht gibt. Wir sind auch gross geworden, ohne Helme dafür mit Ästen aus dem Wald, ohne Mundschutz dafür mal einen kräftigen Biss "Dreck". Krank sind wir davon nicht geworden... und die Schrammen sind verheilt. Heilung einer "gefangenen Psyche" dauert Jahrzehnte...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea Mordasini, Bern am 30.03.2011 23:56 Report Diesen Beitrag melden

    Es braucht Nerven, Glück und Schutzengel

    Neben ein paar Sicherheitsvorkehrungen, etwas Vorsicht und nötiger Kontrolle braucht es vor allem Vertrauen in seine Kinder und sich selbst, eine Portion Glück, Lockerheit, starke Nerven, gesunder Menschenverstand und eine Heerschar wachsamer Schutzengel. So reifen Kinder zu selbstbewussten, selbstständigen und starken Erwachsene heran. In diesem Sinne wünsche ich allen Eltern und deren Kinder eine schöne, unfallfreie Zeit!

  • Andrea Mordasini, Bern am 30.03.2011 23:52 Report Diesen Beitrag melden

    Stets überbehütete Kinder=unselbständig!

    Von hysterischen und panischen Helikoptereltern dauernd überbeschützte und vor Gefahren bewahrte Kinder werden verweichlicht, unsicher und unselbständig. Sie werden draussen im echten Leben, in der Spielgruppe, Kindergarten, Schule gefahrenmässig auf die Welt kommen. Die Erfahrung will ich meinen ersparen! Dennoch brauchts einige wenige sinnvolle Vorsichtsmassnahmen wie zB Steckdosen- und Fensterschlosssicherung, sicheres Aufbewahren von Medikamenten/Putzmitteln, geprüfte Autositze, korrektes Angurten, Vorsicht vor Strasse und Wasser. Dies sollte reichen.

  • Andrea Mordasini, Bern am 30.03.2011 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder müssen Gefahren kennen lernen!

    Bin Mutter zweier lebhafter neugieriger Kinder (4+2.5) im typischen Entdecker- und Ausprobieralter und will überängstliche und vorsichtige Helikoptermütter sein. Bin für die goldene Mitte. Ich kann und will sie nicht in Watte packen und ständig vor allen Gefahren beschützen. Sie müssen Gefahren erfahren, natürlich nicht schwere lebensbedrohliche Stürze etc! Sie müssen Gefahren kennen, mit ihnen umgehen und gesunder Respekt davor haben. Sie brauchen Freiheiten und müssen auf die Schnauze fallen um wieder aufstehen zu können. Sie müssen wissen, dass und weshalb Dinge gefährlich sein können!

  • Papa Wambu am 30.03.2011 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung

    Mein Sohn Patrick musste immer einen Helm tragen auf dem Spielplatz. Es gibt so viele unachtsame Kinder die Ihn sonst verletzt hätten. Rückblickend muss ich jedoch sagen, dass ich und meine ex Frau Patrick jedch schon ein Bisschen zu fest "verhätschelt" haben. Einige Belssuren hätten Ihm ev. fürs weitere Leben geholfen...

  • Daniel am 30.03.2011 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte alles im Masse...

    Dann kommt zum ganzen Dilemma noch hinzu,dass Kinder mit dem Auto zum Kindergarten / zur Schule gebracht werden.Sport wird sowieso nicht betrieben, da PS3 / XBOX / Nitendo Wii ja auch viel sicherer sind als Fahrrad fahren,Fussball spielen etc.Wenn man das ganze so weiter übertreibt,und (leider) verallgemeinert,bleibt der zwischenmenschliche Kontakt auf der Strecke...Eigentlich Schade,denn ich war und bin Stolz auf meine Kindheit mit all den Narben,Beulen und Schrammen,denn das mach das kind-sein aus.

    • hoho am 30.03.2011 14:16 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      :) stimmt! die antwort einer bekannten auf meinen ausbruch "was? dein 4 jähriger sohn besitzt schon ein Nintendo DS?" war: "jaa, die sind ja schon ab 3 freigegeben..." was soll ich denn hierzu noch sagen?

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