Krieg der Wetterfrösche

14. Dezember 2008 10:30; Akt: 14.12.2008 13:58 Print

1:0 für Kachelmann und Wick

Ihr Wetter ist nicht schöner, aber genauer: Die Prognosen der privaten Wetterfrösche Jörg Kachelmann und Peter Wick schneiden in einer Untersuchung des Bundes im Vergleich zum staatlichen Wetterdienst Meteo Schweiz «am besten ab».

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Das geht aus den Resultaten eines Prognosewettbewerbs hervor, welche die «SonntagsZeitung» heute publizierte. Den Wettbewerb veranstaltete die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) im Rahmen einer Überprüfung von Meteo Schweiz.

Ausgangspunkt der Studie war die heftige Kritik der privaten Wetterdienste an den Staats-Meteorologen. Im Quer­vergleich schneidet die Meteocentrale, der Wetterdienst von Kachelmann und Wick, laut der Studie «bezüglich der durchschnittlichen Vorher­sagegenauigkeit am besten ab». Kachelmann freuts: «Wir sind stolz über dieses Resultat». Der Meteorologe schiesst seit Jahren gegen den staatlichen Wetterdienst, der seiner Meinung nach die Steuermillionen nicht effizient einsetzt. Kachelmanns Geschäftsparnter Wick, der auch für 20 Minuten Online die Prognosen erstellt, sieht den Vorwurf durch das Ergebnis der Studie bestätigt: «Es zeigt sich, dass man gute Prognosen nicht mit Millionen Steuer- oder Konzessionsgeldern erkaufen kann.»

Der Direktor von MeteoSchweiz, Daniel Keuerleber, sieht das anders und will das Ergebnis nicht gelten lassen. Gegenüber der «SonntagsZeitung» erklärte er: «Es ist problematisch, anhand einer so kurzen Zeit die Prognosequalität zu beurteilen.» Für die Studie mussten die beiden Wetterdienste während vier Wochen das unbeständige Wetter im April und den Übergang zum Frühsommer im Mai vorhersagen. Die Auswertung zeigt, dass Meteocentrale bei den auf durchschnittliche Verhältnisse zugeschnittenen Kennzahlen leicht vorne liegt, MeteoSchweiz hingegen bei den auf extreme Verhältnisse zugeschnittenen Kennzahlen. Als Konsequenz der Studie muss Keuerleber bis Ende 2009 dem Bundesrat ein Konzept abliefern, in dem auch die Gratis-Abgabe von Wetterdaten an die private Konkurrenz ein Thema sein muss. Meteocentrale hofft, dass die Studie zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen staatlichen und privaten
Wetterdiensten führen wird.

Obwohl von der EFK auch zur Teilnahme an der Studie eingeladen, hat sich SF Meteo, der Wetterdienst des Schweizer Fernsehens, vor dem Wettkampf gedrückt. SF-Meteo-Chef Thomas Bucheli liess die «SonntagsZeitung» wissen: «Unsere wichtigsten Produkte sind landesweite Prognosen und ganz sicher nicht Vorhersagen für Messwerte von Wetterstationen». Kachelmann lässt diese Argumentation nicht gelten: «Er wusste, dass er chancenlos sein würde.»

(jcg)