Prozess in New York

07. November 2018 23:14; Akt: 07.11.2018 23:54 Print

12 Geschworene richten über «El Chapo»

Das Gericht in New York hat sieben Frauen und fünf Männer als Geschworene für den Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss gewählt.

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Der Richter musste seine Anwälte teils in die Schranken weisen: Joaquín «El Chapo» Guzmán (Mitte) vor Gericht. (30. Januar 2019) Am 30. Januar hat die Anklage in ihrem Schlussplädoyer einen Schuldspruch für El Chapo gefordert. «Lassen Sie ihn nicht vor seiner Verantwortung entkommen», appellierte Staatsanwältin Andrea Goldbarg am Mittwoch an die Geschworenen. Der Mexikaner Alejandro Edda tauchte am 28. Januar 2019 überraschend zum Prozess gegen Drogenbaron Joaquín Guzmán auf. Als der nur wenige Meter entfernt sitzende Drogenboss vom Besuch erfuhr, lächelte er seinen Landsmann an. Edda bezeichnete die Begegnung als «einschüchternd». Am 23. Januar sagte im Prozess Chapos ehemaliger Miratrbeiter Dámaso López Núñez aus. Er schilderte der Jury, dass die Söhne des Drogenbarons den bekannten Journalisten Javier Valdez (im Bild) ermordet hatten, weil dieser auf der Veröffentlichung eines brisanten Interviews bestanden habe. Vor Gericht wurde am 25. Januar 2019 ein Foto des mit Diamanten besetzten Revolvers des Drogenbarons gezeigt. Im Prozess gegen Drogenbaron Joaquín Guzmán (links) sagte am 8. Januar 2019 FBI-Agent Stephen Marston aus. Er schilderte, wie die US-Behörde mit Hilfe von Guzmáns IT-Techniker Cristian Rodriguez die verschlüsselten Telefongespräche des Drogenbosses knackte. Insgesamt hat das FBI 1500 Telefonate abgehört, die Mitglieder des Sinaloa-Kartells zwischen April 2011 und Januar 2012 geführt hatten. Rund 200 Telefonate führte der Boss (links im Bild) selbst. Joaquín Guzmán alias «El Chapo» (2. v. r.) muss sich seit dem 13. November 2018 in den USA unter anderem wegen Drogenschmuggels, Waffenhandels und Geldwäscherei verantworten. Ein Zeuge sagte vor Gericht aus, er habe Kokain in gefälschte Jalapeño-Dosen der Marke La Comadre einpacken lassen und bis zu 3000 Dosen pro Fahrt mit LKWs nach Los Angeles gebracht. Seinen Schätzungen zufolge kamen pro Jahr ungefähr 25 bis 30 Tonnen Kokain im Wert von bis zu 500 Millionen Dollar über die Grenze. Weiter berichteten Zeugen von Drogenschmuggel via Tunnel, die von der Stadt Tijuana in Mexiko nach Kalifornien führten. «El Chapo» habe seine drei Privatjets einmal im Monat nach Tijuana fliegen lassen, um den Ertrag aus dem Drogenverkauf abholen zu lassen. Jede Maschine habe rund zehn Millionen Dollar nach Sinaloa gebracht. Kronzeuge Juan Carlos Ramírez Abadia alias «Chupeta» schilderte am 29. November 2018, wie «El Chapo» die Behörden in Mexiko und den USA schmierte, «damit sie nicht ihre Arbeit machten». Im Lauf der Jahre soll der Kolumbianer über 400 Tonnen der Droge mit Hilfe von «El Chapo» nach Mexiko geschmuggelt haben. Ein weiterer Zeuge, Jesús Zambada García, sagte, «El Chapo» habe hin und wieder auch selber seine diamantbesetzte Pistole mit seinen Initialen «JGL» in die Hand genommen, um Feinde zu töten. Bei den Verhandlungen wurde auch berichtet, dass das Sinaloa-Kartell zehn bis zwölf Millionen Dollar pro Monat an Bestechungsgeldern für Polizisten, Politikern, Bankiers und Geschäftsleute bezahlt habe. Zeuge Jesús Zambada erzählte, wie Guzmán ihm einmal auftrug, einen mexikanischen General mit 100'000 Dollar und einem freundlichen Schulterklopfen zu grüssen. Laut Anklage hat das mexikanische Sinaloa-Kartell unter der Führung von Joaquín Guzmán von 1989 bis 2014 unter anderem insgesamt 154'626 Kilogramm Kokain in die USA geschmuggelt. Eine Woche vor Prozessbeginn wurde ein Kandidat für die Jury von der Liste gestrichen – der Mann wollte ein Autogramm von «El Chapo». Die Ehefrau von Drogenbaron Joaquín Guzmán äusserte sich am 17. April 2018 zum Gesundheitszustand ihres Mannes. «Seit 15 Monaten darf ich ihn nicht sehen. Ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit, weil ich weiss, dass er psychisch angeschlagen ist», sagte die ehemalige Schönheitskönigin in New York. Joaquín Guzmán leide an Gedächtnisschwund und Depressionen, sagt auch sein Anwalt. Dies aufgrund seiner Isolationshaft in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan (Bild: «El Chapo» bei seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017). Daher forderte er eine psychologische Untersuchung seines Mandanten. Die Staatsanwaltschaft lehnte aber einen persönlichen Arztbesuch aus Sicherheitsgründen ab. (Bild: «El Chapo» bei seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017) Er war der mächtigste Drogenboss der Welt: «El Chapo» wird in Mexiko-Stadt von mexikanischen Soldaten eskortiert. (8. Januar 2016) In diesem Flugzeug der mexikanischen Luftwaffe wurde Guzmán in die USA geflogen. (19. Januar 2017) Soldaten überwachten den Transfer am Flughafen von Ciudad Juárez. Chapo Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis von Ciudad Juárez. Bei Guzmáns Verhaftung stürmt ein Kommando der mexikanischen Armee eine Wohnung in der Stadt Los Mochis, Sinaloa. (AP) Wieder hinter Gittern: Chapo Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis Altiplano. (AP) Vor seiner Verhaftung hatte sich der Drogenboss auf eine Liebelei mit der in den USA lebenden mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo eingelassen. Die Nachrichten, die er mit ihr austauschte, sollen die Ermittler auf seine Spur gebracht haben. (AP/ Matt Sayles) Chapo Guzmáns Heimatort: Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa. (AP/Fernando Brito) Für einen Teil der mexikanischen Bevölkerung ist Chapo Guzmán ein Held – und allemal besser als die korrupte Kaste der Politiker. (AP/Rebecca Blackwell) Blick in den Fluchttunnel, durch den «El Chapo» 2015 aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez González (2. v. r.) schaute sich am Tag nach der Flucht den Eingang zum Fluchttunnel an.

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Ein Dutzend soll über den mexikanischen Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán richten: Nach tagelangen Beratungen wählte ein Gericht in New York am Mittwoch die zwölf Geschworenen aus. Auch sechs Ersatzkandidaten wurden bekannt. Unter den Geschworenen sind mindestens drei Migranten, drei sprechen fliessend Spanisch.

Fast alle hatten schon vor dem Prozess von Guzmán gehört. Die meisten haben bereits eine Krimiserie über Guzmán oder den kolumbianischen Drogenboss Pablo Escobar gesehen.
Zur Auswahl standen rund hundert Kandidaten, das Auswahlverfahren fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Mehrere Kandidaten wurden schon Anfang der Woche aus Sicherheitsgründen aussortiert, darunter ein junger Mann, der um ein Autogramm des berüchtigten Angeklagten gebeten hatte, und ein Michael-Jackson-Doppelgänger.

Teuerste Prozess in der Geschichte der USA

Für die Geschworenen, die am Dienstag vereidigt werden, gelten höchste Sicherheitsvorkehrungen: Ihre Namen werden geheim bleiben und sie werden jeden Verhandlungstag zum Gericht eskortiert. Schätzungen zufolge könnte der Prozess wegen der hohen Sicherheitsvorkehrungen und der Schutzprogramme der teuerste in der Geschichte der USA werden.

El Chapo war der meistgesuchte Mann in den USA nach dem Terroristen Osama bin Laden. Nach zweimaliger Flucht aus der Haft in Mexiko wurde er im Januar 2017 an die USA ausgeliefert. In dem auf vier Monate angesetzten Mammutverfahren in New York muss sich der 61-Jährige unter anderem wegen Drogenschmuggels, Waffenhandels und Geldwäsche verantworten.

Laut Anklage soll das mexikanische Sinaloa-Kartell unter seiner Führung zwischen 1989 und 2014 fast 155 Tonnen Kokain und grosse Mengen andere Drogen in die USA geschmuggelt haben. Guzmán droht lebenslange Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis.
mid

(afp)