Toxisches Schocksyndrom

20. November 2013 12:02; Akt: 20.11.2013 22:49 Print

14-Jährige stirbt wegen Tampon

Natasha benutzte das erste Mal einen Tampon - und starb daran. Auch Schweizer Mädchen verzichten jetzt aus Angst auf Tampons. Ein Gynäkologe sieht aber keinen Grund zur Panik.

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Die Waliserin Natasha Scott-Falber ist im Februar vierzehn Jahre alt, als sie sich wegen ihrer Periode entschliesst, Tampons zu verwenden. Die fürsorgliche Mutter Mandy bespricht die Anwendung mit ihr, zusammen studieren sie den Beipackzettel, die Mutter ermahnt sie gar, den Tampon auch ja nicht zu lange drin zu lassen. Die Tochter verspricht dies.

Wenige Tage nach der ersten Anwendung wird Natasha krank, liegt mit Fieber im Bett. Die Mutter fragte sie noch – wohl nicht zum ersten Mal –, ob sie ihren Tampon rechtzeitig entnommen habe. Diese antwortet nur: «Mutter, mach kein Aufhebens! Mir gehts gut.» Kurz darauf ist das beliebte Mädchen, eine begeisterte Sängerin, tot. Sie sei friedlich eingeschlafen.

Familie hat Kampagne lanciert

Erst glaubte die Familie an einen schweren Fall des Norovirus, doch dann fanden sie heraus: Natasha starb am Toxischen Schocksyndrom (TSS, auch Tamponkrankheit genannt), einem sehr seltenen, schweren Kreislauf- oder Organversagen. TSS kann durch das Tragen eines Tampons hervorgerufen werden, vornehmlich dann, wenn dieser zu lange getragen wird.

Heute, neun Monate nach dem Ableben ihrer Tochter, hat die Familie beschlossen, eine Kampagne zu starten. Sie möchte damit insbesondere junge Frauen auf TSS aufmerksam machen. «Wenn du deine Periode hast und einen Tampon verwendest und dann steigt deine Körpertemperatur oder du hast sonst eines der Symptome: Sag es einem Arzt», sagt Natashas Mutter in einem Interview mit dem britischen TV-Netzwerk ITV an die Adresse aller Frauen.

Angst auch unter Schweizer Frauen

Auf einer eigens eingerichteten Facebook-Seite berichtet die Familie von Natashas Geschichte und klärt über die Krankheit auf. Die BBC berichtet, dass etwa eine von drei Frauen in Grossbritannien den Erreger in sich trage, etwa 40 Frauen pro Jahr das TSS hätten und etwa zwei bis drei daran stürben.

Die Warnungen haben ihr Ziel nicht verfehlt: Selbst in der Schweiz, wo es offiziell noch keinen Todesfall wegen TSS gab, verzichten junge Frauen jetzt auf Tampons. «Ich brauche keine mehr, auch wenn sie praktisch sind», sagt die 15-jährige Maeva zu «Le Matin». Auch drei ihrer Freundinnen von einer Neuenburger Schule kaufen jetzt Binden.

«Tampons regelmässig wechseln»

Panik ist laut dem Schweizer Gynäkologen Alexander Riz aber nicht angebracht. «Es kann Probleme geben, aber das ist äusserst selten.» Zentral sei, dass man die Tampons nicht zu lange benutze. «Es ist wichtig, sie alle vier bis acht Stunden zu wechseln. Besser alle vier.» Er rät zudem, Tampons und Binden abzuwechseln.

Kommt es wirklich zu einem toxischen Schock, sind die Symptome ähnlich wie bei einer starken Grippe: starke Kopfschmerzen, Erbrechen, Muskelschmerzen, Hautausschläge. Bei konkretem Verdacht sollte man laut dem Arzt ins Krankenhaus.

(pwe)