Gewalt in Kolumbien

03. April 2019 14:56; Akt: 03.04.2019 14:56 Print

Polizei fasst 14-jährigen Auftragskiller

Die Gewalt in der einstigen Drogenmetropole Medellín nimmt wieder zu. Die Polizei hat einen 14-Jährigen verhaftet, der im Auftrag einer Gang Menschen erschoss.

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Die Stadt Medellín in Kolumbien steht unter Schock. Vor wenigen Tagen verhaftete die Polizei einen Auftragsmörder, der auf offener Strasse zwei Menschen erschossen hatte. Sein Alter: 14 Jahre.

Auf Videoaufnahmen, die die Behörden jetzt veröffentlichten, ist zu sehen, wie der Jugendliche sich in der Nacht des 27. März zwei Männern nähert. Er zückt seine Pistole und schiesst mehrmals, die beiden sind auf der Stelle tot. Bei den Opfern handelt es sich um einen 43-jährigen Ladenbesitzer und einen 20-jährigen Laufburschen. Der 14-Jährige versucht nach der Tat zu fliehen, doch auf den Bildern der Überwachungskameras ist er gut zu erkennen. Er konnte Stunden später gefasst werden. Die Waffe trug er noch auf sich.

Kriminelle Strukturen haben es auf Kinder abgesehen

Laut CNN soll der Bub nach seiner Festnahme erklärt haben, in weitere zehn Mordfälle verwickelt zu sein. Dennoch hat die Staatsanwaltschaft wegen seines jungen Alters keine Mordanklage gegen ihn erhoben. «Er ist nicht nur Täter, sondern auch Opfer, weil ihn kriminelle Banden dazu brachten, die Tat zu begehen», erklärte Andrés Tobón, Sicherheitssekretär von Medellín, gegenüber dem Nachrichtensender.

«Auch wenn er Einzelheiten zu den Taten gesteht, wissen wir, dass er auf keinen Fall willentlich Teil einer kriminellen Struktur wurde», sagte der Beamte. Weil er noch minderjährig ist, brachten ihn die Behörden in einer Jugendstrafanstalt unter.

Erpresserbanden in Medellín wieder sehr aktiv

Wie der lokale Radiosender W Radio berichtet, soll der Auftragsmörder im Namen der kriminellen Bande La Torre agiert haben. Der Gangboss nennt sich Damián und ist erst 28 Jahre alt. Diese lokale Erpresserbande soll Geld von Geschäftsleuten im Nordwesten der Stadt einfordern.

Die Rekrutierung von Minderjährigen als Mörder ist in Kolumbien eine gängige Praxis, die zu Lebzeiten von Drogenbaron Pablo Escobar einen Höhepunkt erreichte. In den vergangenen Jahren hat sich Medellín allerdings von einer der gefährlichsten Städte der Welt in einen Touristenmagneten verwandelt. Doch seit mehreren Monaten nimmt die Gewalt vor allem in der berüchtigten Kommune 13, die früher besonders unter den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Drogenbanden, Guerillas und dem Militär zu leiden hatte, und der Kommune Robledo erneut zu.

(kle)