21. April 2005 15:02; Akt: 21.04.2005 15:04 Print

17 Tote nach Zugunfall

Bei einem Zugunglück im Westen Indiens sind nach offiziellen Angaben mindestens 17 Menschen getötet und 70 weitere verletzt worden.

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Der Unfall ereignete sich im Dorf Samlaya im Bundesstaat Gujarat. Nach Angaben der Polizei vom Donnerstag prallte ein Expresszug in einem Bahnhof in einen stehenden Güterwagen. Zum Zusammenstoss kam es gegen 03.30 Uhr (lokale Zeit), als die meisten der Reisenden schliefen. Vier Waggons sprangen aus den Schienen.

Die Zahl der Toten stand auch Stunden nach dem Unfall noch nicht fest. «Wir haben Informationen, dass 17 Menschen getötet wurden», sagte ein Behördenvertreter. «Die Rettungskräfte sind noch am Suchen, es könnte sein, dass in den Waggons noch weitere Opfer geborgen werden.»

In Waggons eingeklemmt

Angehörige und Überlebende suchten am Unfallort und in nahe gelegenen Spitälern nach ihren Angehörigen. «Zwei meiner Familienmitglieder sind noch immer im Zug eingeklemmt», sagte ein Zuginsasse, der wegen Kopfverletzungen in einem Spital behandelt worden war.

Eine Reisende, die das Unglück leicht verletzt überlebte, sagte, sie habe vergeblich versucht, ihren Onkel aus dem Waggon zu retten. «Ich hörte die Menschen schreien und bin nach draussen gestürmt, aber mein Onkel hat auf einem der oberen Schlafplätze gelegen. Ich konnte ihn nicht heraustragen.» Indische Eisenbahnwagen haben meistens kleine, vergitterte Fenster.

Ursache menschliches Versagen?

Der indische Eisenbahnminister Laloo Prasad Yadav sagte, Ursache des Unglücks könnten menschliches Versagen oder ein Signalfehler gewesen sein. Der Minister kündigte eine Entschädigung für die Angehörigen in Höhe von umgerechnet rund 2500 Franken pro Todesopfer an.

Der Sabarmati Express war auf dem Weg von Varanasi (Benares) nach Ahmedabad. In Fernsehberichten hiess es, im Zug hätten überwiegend junge Leute gesessen, die auf dem Weg zu Vorstellungsgesprächen für begehrte Eisenbahner-Jobs gewesen seien.

Schlechter Zustand des Netzes

Auf dem indischen Schienennetz - mit 108 706 Kilometern das zweitgrösste der Welt - werden fast 12 000 Züge betrieben, die jeden Tag mehr als 13 Millionen Fahrgäste befördern. Die meisten Strecken sind nur eingleisig befahrbar.

Obwohl die jetzige ebenso wie frühere indische Regierungen die Sicherheit von Bahnreisen zur Priorität erklärt hat, werden in Indien rund 300 Zugunfälle pro Jahr gemeldet. Empfehlungen der Kommission für Bahnsicherheit werden nicht umgesetzt, Berichte des Gremiums sind nicht öffentlich.

Zuletzt war es am 14. Dezember vergangenen Jahres zu einem schweren Zugunglück gekommen. Beim Frontalzusammenstoss zweier Passagierzüge waren 50 Menschen getötet und 150 weitere verletzt worden.

(sda)