Prozess in Deutschland

12. Februar 2019 18:45; Akt: 12.02.2019 18:45 Print

21-Jähriger leitete riesigen Kokain-Schmuggel

Es ist eines der grössten Kokain-Verfahren Deutschlands: Acht Männer schmuggelten zwei Tonnen des weissen Pulvers in Bananenschachteln ins Land.

Aus Südamerika angelieferte Bananen kamen in Deutschland in Reifehallen. In diese Hallen brachen eigens aus Albanien rekrutierte Banden ein und stahlen das in den Kisten versteckte Kokain. (Glomex)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Staatsanwaltschaft Landshut hat in einem der grössten Kokain-Verfahren in der Geschichte Deutschlands Anklage gegen acht Männer erhoben. Die aus Hamburg gesteuerte Bande von Drogenhändlern gehörte dem sogenannten Paraguay-Netzwerk an.

Sie soll zwischen September 2017 und April 2018 rund zwei Tonnen Kokain nach Deutschland geschmuggelt haben. Und dies ziemlich ausgeklügelt: Sie nutzte zahlreiche Bananenlieferungen aus Südamerika, in denen die Drogen versteckt waren.

Angeheuerte Einbrecher brachen in Reifehallen ein

Nach ihrer Ankunft in Deutschland kamen die Kisten zunächst in die Reifehallen einer bestimmten Firma. In diese Hallen brachen die Täter ein und stahlen das versteckte Kokain – bis zu 320 Kilogramm pro Einbruch. Dafür wurden gemäss den Ermittlern eigens Einbrechergruppen aus Albanien eingeflogen.

Auf die Spur der Verdächtigen kam die Polizei, weil Supermarkt-Mitarbeiter in Niederbayern immer wieder Kokainpakete in den angelieferten Bananenkisten entdeckten. Als die Ermittler die Spur der Lieferungen zurückverfolgten, stellten sie fest, dass es immer wieder auch zu Einbrüchen in den Reifehallen gekommen war.

«Natürlich brauchen die Kontakte in die Firmen rein»

Zwei Hauptangeklagte und Drahtzieher sind noch relativ jung: Dario L., 21 Jahre alt, hatte eine Wohnung in einem Hamburger Stadtteil angemietet, die der Gruppe als Logistikzentrum diente. Der 25-jährige Klajdi D. soll nach Ansicht der Ermittler die Einbrecherbanden geleitet haben, die das Kokain aus den Reifehallen stahlen. Der 40-jährige Alberto K. schliesslich soll die gesamte Gruppe angeführt haben.

Die Ermittler prüfen, inwiefern die Bande Mitwisser etwa in Logistikfirmen hatte, die sie über den Weg der Bananen-Lieferungen informierten. «Natürlich brauchen die Kontakte in die Firmen rein», sagte René Matschke, Leiter der Hamburger Zollfahndung, deutschen Medien.

Paraguay-Netzwerk weiterhin aktiv

Bis zu 500 Beamte unter Führung des Landeskriminalamts Bayern waren im Einsatz, um die Täter mit aufwendigen Überwachungsmassnahmen überführen zu können.

Dabei gelang es offenbar auch, drei Täter aus der mittleren Führungsebene des international agierenden Rauschgift-Rings zu fassen. Die als Paraguay-Netzwerk bezeichnete Tätergruppe ist gemäss den Ermittlern vermutlich weiter in Südamerika und Europa aktiv.


(gux/afp)