Klimaanlage ausgefallen

11. Juli 2010 20:22; Akt: 11.07.2010 22:24 Print

27 Schüler in ICE kollabiert

Unerträgliche Hitze in drei ICE-Zügen nach Ausfall der Klimaanlagen: Wegen Temperaturen von gegen 50 Grad musste die Deutsche Bahn 1000 Passagiere evakuieren.

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Bahnhof Bielefeld: Rettungskräfte versorgen eine zusammengebrochene Schülerin – im ICE herrschten über 50 Grad. (Bild: dpa)

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27 Schüler erlitten am Samstag sogar einen Kollaps. Die Deutsche Bahn bat die Betroffenen um Entschuldigung und versprach Entschädigung. Bahnchef Rüdiger Grube entschuldigte sich am Sonntag in einem Telefongespräch bei der Schulleiterin. «Aufgrund der extremen Aussentemperaturen und des hohen Fahrgastaufkommens waren in drei ICE-Zügen auf dem Weg von Berlin nach Köln/Düsseldorf die Klimaanlagen ausgefallen», teilte die Bahn mit. Die Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren aus dem Rheinland hatten eine Klassenfahrt nach Berlin gemacht und befanden sich am Samstag auf dem Rückweg. Der ICE wurde auf der Strecke Hannover-Köln in Bielefeld gestoppt.

Der Einsatzleiter der Bielefelder Feuerwehr, Hans-Dieter Mühlenweg, am Sonntag auf DAPD-Anfrage, die Rettungskräfte hätten 27 Schüler behandelt, neun davon mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Im Zug herrschten nach seinen Angaben Temperaturen zwischen 45 und 50 Grad. Die Passagiere wurden zum Teil mit Bussen und zum Teil mit anderen Zügen weitertransportiert.

Die Deutsche Bahn teilte mit, sie bedauere die teilweise erheblichen Unannehmlichkeiten für rund 1000 Fahrgäste durch den hitzebedingten Ausfall von drei ICE-Zügen am Samstag. «Leider haben einzelne Fahrgäste durch die bedauernswerte Verkettung unglücklicher Umstände auch gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten. Dafür möchten wir uns ausdrücklich entschuldigen», sagte Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr.

Er forderte betroffene Passagiere auf, sich wegen einer Entschädigung zu melden. «Fahrgäste, die von hitzebedingten Fahrzeitverlängerungen betroffen sind, können die generellen Entschädigungsleistungen bei Verspätungen ab 60 beziehungsweise 120 Minuten in Anspruch nehmen und sich 25 beziehungsweise 50 Prozent des Fahrpreises ersetzen lassen», heisst es in der Pressemitteilung. Homburg habe eine Aufstockung der nichtalkoholischen Getränkevorräte an Bord der Züge veranlasst.

Laut Bericht in zehn ICE Probleme mit Klimaanlage

Die Bundespolizei Münster hat unterdessen Vorermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen Bahnmitarbeiter eingeleitet. Ein Sprecher bestätigte auf DAPD-Anfrage insoweit einen Bericht des Bielefelder «Westfalen-Blatts» (Montagausgabe). Ob Ermittlungen aufgenommen würden, werde am Montag geprüft, sagte er. Es müsse geklärt werden, ob Verantwortliche ausreichend Massnahmen vorgenommen hätten, um die gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu vermeiden.

Die Tageszeitung berichtet, nach Angaben der Bahn habe es an dem heissen Wochenende in mindestens zehn der 252 ICE-Züge Probleme mit der Klimaanlage gegeben. Betroffen seien unter anderem die Verbindungen Duisburg-Köln, Berlin-Karlsruhe sowie Berlin-Amsterdam.

Die Bundespolizei habe am Samstag beantragt, den ICE-Zug in Bielefeld zu beschlagnahmen. Dies habe die Staatsanwaltschaft als unverhältnismässig bezeichnet und abgelehnt.

Die Klimaanlagen der gesamten ICE-Flotte sollen bei der Frühjahrsinspektion gecheckt worden sein.

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