Post im Glas

03. Januar 2012 19:05; Akt: 04.01.2012 09:28 Print

30 Jahre sind nicht genug, Flasche!

Werner Kühnis warf vor 30 Jahren eine Flaschenpost in den Rhein. Vergangene Woche erhielt er Antwort: aus Südafrika. Zum Guinness-Rekord reicht es aber nicht – es fehlen 23 Jahre.

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So richtig glauben kann Werner Kühnis die Geschichte immer noch nicht. Vor 30 Jahren warf der Oberrieter eine Flaschenpost in den Rhein, vergangene Woche erhielt er darauf Antwort – aus Südafrika. «Ich bin der grösste Zweifler», sagt Kühnis, «aber es ist wirklich mein Brief.» Dass er eine Antwort erhalten würde, hat er nie geglaubt. Der Brief von damals besteht aus viel unsinnigem Text und seiner Adresse. «Ich habe mir damals ganz offensichtlich nicht viel überlegt, als ich den Brief schrieb», so der 48-Jährige, «er ist nicht einmal mit einem Datum versehen.»

Der Finderin in Südafrika hat Kühnis mittlerweile geschrieben. «Ich versuche den Kontakt zu halten», so der Ostschweizer. Die Flaschenpost interessiert ihn aber nicht mehr. «Obwohl es schon spannend wäre zu erfahren, wie die Flasche nach Südafrika kam.» Darum soll sich aber die Jungwacht kümmern, wenn sie will, findet Kühnis. Dieser hat er den Brief übergeben – zumal die Flaschenpost eine Jungwacht-Idee war. «Vielleicht reicht es zu einem Guinnessbuch-Eintrag, das wäre gute Werbung für die Jungwacht», so Kühnis.

Flaschenpost war 52 Jahre unterwegs

So unglaublich die Geschichte von Werner Kühnis ist, zu einem Eintrag im Rekordbuch wird es nicht reichen. Einerseits weil sich die Reise seiner Flaschenpost nicht überprüfen lässt, anderseits fehlen 23 Jahre Reisezeit. Am längsten war die Flaschenpost einer deutschen Südpol-Expedition bei Tasmanien unterwegs. Die Forscher hatten sie 1903 eingeworfen, gefunden wurde sie 1955 – in Neuseeland. Wo die Flasche 52 Jahre lang herumtrieb, ist unklar. Sie soll in dieser Zeit bis zu zehnmal die Welt umrundet haben, schreibt der «Spiegel».

Einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als «unmöglichste Flaschenpost» erhielt 1998 eine Weinflasche: Christine Klinkhammer hatte sie 1993 als Flaschenpost bei der deutschen Stadt Hennef in den Fluss Sieg geworfen. Drei Jahre später wurde die Flasche in Falmouth (Maine, USA) gefunden. Wie die Flaschenpost aus dem Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen an die amerikanische Ostküste gelangte, blieb ein Rätsel.

Kolumbus war der erste Flaschenpöstler

Die Deutschen scheinen angesichts der Meldungen über gefundene Flaschenbriefe die Könige der langsamen Nachrichten zu sein. Im Münsterland erhielt ein Mann nach fast 24 Jahren eine Antwort auf eine Flaschenpost. Die Antwort kam aus Russland: An einem Strand bei Kaliningrad hatte der 13-jährige Danila die Nachricht aus der Ostsee gefischt.

Ursprünglich war Flaschenpost alles andere als Gaudi und Kontaktmittel für Brieffreundschaften. Wissenschaftler versuchten früher mit Flaschen die Meeresströmungen zu erforschen und die Weltmeere zu vermessen. Inzwischen haben diese Aufgabe moderne Sonden übernommen, welche laufend Daten liefern. Das Prinzip blieb gleich: Man wirft die Sonde ins Meer und schaut, wohin sie gelangt.

In England drohte die Todesstrafe für das Entkorken

Die erste Flaschenpost der Neuzeit ist von Amerika-Entdecker Christoph Kolumbus überliefert. Aus Angst, ein Orkan könnte sein Schiff versenken und niemand erfahre von seiner Entdeckung, schrieb er am 14. Februar 1493 einen Brief und warf ihn in einem abgedichteten Fass ins Meer. Das Fass kam nie an, Kolumbus allerdings schon. Um mehr als Ruhm und Ehre ging es bei der Flaschenpost von Schiffbrüchigen. Wie hilfreich das profane Mittel ist, erfuhren 88 Personen im Mai 2005. Sie erlitten im Pazifik Schiffbruch, steckten ihren Notruf in eine Flasche und wurden gemäss Medienberichten drei Tage später von der Küstenwache gerettet.

Im 16. Jahrhundert war es in England alles andere als ein Glück, auf eine Flaschenpost zu stossen. Ihre Majestät Elisabeth I. drohte ihren Untertanen mit der Todesstrafe, sollten sie eigenmächtig die Flaschen öffnen. Grund: Der Geheimdienst nutzte damals die Meeresströmungen zur Übermittlung geheimer Nachrichten. Nur dem königlichen «Uncorker of Bottles» war es erlaubt, eine Flaschenpost zu öffnen - ein Amt, das erst zweihundert Jahre später abgeschafft wurde, schreibt der «Spiegel».

Harold, der Flaschenmann und seine über 5000 Flaschenbriefe

Der König unter den Flaschenpöstlern ist wohl Harold Hackett. Der Kanadier schreibt seit 1996 Flaschenbriefe. Insgesamt sind es bisher über 5000 Briefe. Die meisten kommen sogar irgendwo an, jedenfalls hat Hackett über 3000 Antworten erhalten. Inzwischen pflegt er Brieffreundschaften in Marokko, Südafrika oder Russland. Der 58-Jährige überlässt dabei allerdings nichts dem Zufall: Seine Flaschen leuchten im Dunkeln dank eines Reflektorenbandes.

Das Hobby geht ziemlich ins Geld: Hackett hat 680 Rollen Isolierband für die Verschlüsse verbraucht, mehr als tausend Notizblöcke beschrieben und rund 500 Filzstifte verbraucht. Inzwischen setzt er auf vorgedruckte Briefe. Auf einen Brief wartet «Harold, der Flaschenmann», wie ihn die Leute nennen, noch: seinen Ersten von 1996.

(amc/meg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brumm B am 04.01.2012 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Harold

    Geh doch zu Facebook, dort kannst du 5000 Freunde haben und das Geld sparen und die Umwelt schonen.

  • Severin Landolt am 04.01.2012 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    Verschmutzung

    Harold Hackett betreibt nur Umweltverschmutzung. 5000 Platikflaschen + Plastik Reflektorbänder (man google und staune) ins Meer zu werfen sollte bestraft werden!

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  • jürg k am 04.01.2012 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    ein mitteilungsbedürftiger Herr

    Supper Fizstifte, wenn er gerade mal 10 Stück damit schafft. Na ja, auf der anderen Seite: wenn er dabei auch über 1000 Notizblöcke bechrieben hat (bei 5000 Briefen) dann scheint der gute Herr ziemlich mitteilungsbedürftig zu sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Brumm B am 04.01.2012 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Harold

    Geh doch zu Facebook, dort kannst du 5000 Freunde haben und das Geld sparen und die Umwelt schonen.

  • Theo Schaub am 04.01.2012 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Flaschenpost

    Ich kann mir nicht vorstellen,dass die Flasche den ganzen Rhein geschafft hat.Überall gibt es Staumauern (bei Eglisau zbs.)Der Rhein ist vom Menschen verunstaltet worden,vor 250 Jahren floss dieser Strom noch selbständig!!!

    • Sebastian am 04.01.2012 13:46 Report Diesen Beitrag melden

      Flasche schwimmt gegen den Strom?

      Ich wusste noch gar nicht, dass wenn ich eine Flaschenpost in Hennef in den Rhein werfe, sie durch Eglisau fliessen wird. Neuerdings schwimmen die Flaschen also gegen den Strom?

    • jack/weber am 04.01.2012 14:19 Report Diesen Beitrag melden

      jack mr.

      Ich habe nur eine Frage wer treip in jezt an,denRhein

    • Ricardo Granda am 04.01.2012 20:16 Report Diesen Beitrag melden

      Schon richtig

      Herr Schaub meint nicht die Flasche aus Nordrhein-Westfalen, sondern die von Herrn Kühnis aus Oberriet.

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  • jürg k am 04.01.2012 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    ein mitteilungsbedürftiger Herr

    Supper Fizstifte, wenn er gerade mal 10 Stück damit schafft. Na ja, auf der anderen Seite: wenn er dabei auch über 1000 Notizblöcke bechrieben hat (bei 5000 Briefen) dann scheint der gute Herr ziemlich mitteilungsbedürftig zu sein.

    • Jean Weiss am 04.01.2012 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      Flaschen entsorgen

      Mal schnell 5000 Flaschen ins Meer kippen.. kann man auch machen

    • Ricardo Granda am 04.01.2012 20:32 Report Diesen Beitrag melden

      Ozeanmüll

      Was sind schon 5000 Glasflaschen gegen zig-Mio. Tonnen Pastikmüll, Glas zersetzt sich nicht und hat auch keine Gifte.

    • Ricardo Granda am 04.01.2012 21:00 Report Diesen Beitrag melden

      Noch mehr Ozeanmüll

      Ich habe gerade im Internet gesehen, dass der Kerl tatsächlich Plastikflaschen nimmt. Somit revidiere ich mein vorheriger Kommentar.

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  • Severin Landolt am 04.01.2012 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    Verschmutzung

    Harold Hackett betreibt nur Umweltverschmutzung. 5000 Platikflaschen + Plastik Reflektorbänder (man google und staune) ins Meer zu werfen sollte bestraft werden!

    • Jan Müller am 04.01.2012 11:36 Report Diesen Beitrag melden

      Umweltverschmutzung?

      oh mein gott wie bünzlig ist denn das? dann sollte man zuerst mal noch die ganzen Schiffe, welche die Meere bestimmt mehr verschmutzen, weder eine PET-Flasche, verbieten...

    • Richard J. Segmann am 04.01.2012 16:55 Report Diesen Beitrag melden

      Gehen Sie mal nach China

      Und bitte nicht in die Touristen-Lokale, die schön präpariert sind. Da wird ohne die geringsten Bedenken jede Art von Müll im Meer/Wald/Wüste abgeladen. Hier sollten Umweltschützer einmal ansetzen. Das ist in Menge und Art der Verschmutzung (häufig auch giftig, das Zeug) viel schlimmer als das bisschen, das hier manchmal in den Medien landet.

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