Oxfordshire

03. März 2015 21:28; Akt: 03.03.2015 21:28 Print

373 Mädchen missbraucht – Behörden schauten weg

In der englischen Grafschaft Oxfordshire hat eine Gang Hunderte von jungen Mädchen zur Prostitution gezwungen. Und die Behörden tolerierten es.

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Die sieben Täter wurden im Jahr 2013 verurteilt. Die Behörden haben den Fall aber bis heute nicht aufgearbeitet. (Bild: AP/Thames Valley Police)

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Ein Sexskandal erschüttert Grossbritannien — immer noch: Am Dienstag wurde ein Bericht der britischen Regierung veröffentlicht, in dem ein sogenannter «Grooming»-Fall in der Grafschaft Oxfordshire beschrieben wird. Über einen Zeitraum von 16 Jahren waren 373 Mädchen von Kriminellen ausgebeutet worden. Die Jugendlichen, oft aus sozial schwachen Familien, seien mit Alkohol, Drogen oder kleinen Geschenken gefügig gemacht und teilweise zur Prostitution gezwungen worden, heisst es in dem Rapport.

Die meisten Übergriffe sollen sich in Oxford zugetragen haben — in Parks, in Vorgärten von Kirchen und Hotels, schreibt «The Guardian».

Sexverhalten der Mädchen war «altersgerecht»

Obwohl die sieben Täter, alle pakistanischer Herkunft, seit 2013 in Haft sitzen, beschäftigt der Fall die Behörden noch heute. Denn ähnlich wie in den Missbrauchsfällen von Rochdale, Rotherham, Derby und Bristol haben sowohl Polizei wie auch Sozialdienste versagt.

Der Bericht bringt haarsträubende Details ans Licht: So «hatten die Polizei und Sozialarbeiter das Gefühl, dass die Kinder der sexuellen Aktivität zugestimmt hätten». Ein Polizist habe in seinem Rapport sogar geschrieben, dass er die Sexbeziehung einer 13-Jährigen mit einem älteren Mann als «altersgerecht» betrachte.

Behörden wiesen Eltern ab

Die Opfer und deren Eltern wurden mit dem Problem allein gelassen. Im Bericht werden zwei Elternteile zitiert. Eine Person gibt an: «Der Sozialarbeiter war sehr schroff. Er sagte, es sei meine Aufgabe, mich um meine Tochter zu kümmern.» Die andere Person meinte: «Es gab viele Sitzungen, aber niemand tat wirklich was.»

Die Opfer erzählen Ähnliches. «Die Behörden haben mich nie als ein Kind betrachtet. Mit meinem Verhalten wirkte ich älter, aber eigentlich war ich es gar nicht», sagte ein Mädchen. Und ein weiteres Opfer glaubte, die Schuld an ihrem Schicksal selbst zu tragen: «Sie sperrten mich in einer Sicherheitsabteilung ein, weil ich immer wieder von zuhause weglief. Ich hatte das Gefühl, bestraft zu werden.»

Der Bericht zieht ein trauriges Fazit: Sex mit Minderjährigen wurde von den Behörden offenbar toleriert. Polizei und Sozialämter waren sich ausserdem in der Frage, ob das überhaupt als Verbrechen eingestuft werde, uneins. Zum Teil waren die zuständigen Personen nicht einmal richtig über die rechtlichen Grundlagen informiert.

(kle)