Asylpolitik der USA

22. Juli 2018 23:02; Akt: 23.07.2018 10:56 Print

In Gewahrsam lernte Johan seine ersten Worte

Ein Vater aus Honduras wollte mit seinem zehn Monate alten Sohn in die USA. An der Grenze wurden sie getrennt. Erst nach fünf Monaten durfte er seinen Sohn wiedersehen.

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Fünf Monate lang warteten Adalicia Montecinos und ihr Mann Rolando Bueso Castillo, bis sie ihren Sohn wiedersehen durften. Der Vater hatte Anfang Jahr versucht, mit seinem Sohn Johan in die USA zu gehen. An der Grenze zu Texas wurden sie festgenommen und getrennt. Während der damals 10 Monate alte Johan fünf Monate lang in Gewahrsam der US-Behörden blieb, musste sein Vater bereits nach einigen Wochen zurück nach Honduras. Nun war es endlich so weit: Die Eltern warteten aufgeregt am Flughafen von San Pedro de Sula in Honduras auf die Ankunft ihres Sohnes Johan. Zuerst erkannte dieser seine Eltern nicht mehr. «Ich sagte immer wieder ‹Johan›, dann fing er an zu weinen», erzählt Mama Adalicia. Eine Stunde später konnte der Bub wieder lachen. Die im siebten Monat schwangere Mutter ist glücklich, ihren Johan mit nach Hause nehmen zu dürfen. Für die Medien wurde Johan zum Aushängeschild im Kampf gegen die Asylpolitik von US-Präsident Donald Trump. Kurz nach seinem ersten Geburtstag musste der Bub vor Gericht in Phoenix erscheinen. In Gewahrsam sprach er seine ersten Worte, machte seine ersten Schritte und feierte seinen ersten Geburtstag – ohne Mama und Papa. Beim ersten Haarschnitt dürfen die Eltern immerhin dabei sein. Adalicia sagt aber: «Ich habe all diese Erinnerungen verloren, von denen jede Mutter schwärmt und von denen sie ihren Kindern später erzählt.» Wiedervereint in ihrem Zuhause in Honduras ist für den Vater von Johan klar: «Das war nie der Fehler meines Sohnes. Warum musste er bestraft werden?»

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Als Adalicia Montecinos und ihr Ehemann Rolando Bueso Castillo (37) am Flughafen von San Pedro Sula in Honduras ihren 15 Monate alten Sohn Johan Bueso Montecinos in Empfang nehmen wollen, erkennt dieser seine Eltern nicht. «Ich sagte immer wieder ‹Johan›, dann fing er an zu weinen», erzählt Mama Adalicia Montecinos der Nachrichtenagentur AP.

Der Bub wurde von seinen Eltern getrennt, als der Vater mit ihm zusammen versucht hatte, in die USA zu gelangen. An der Grenze im US-Bundesstaat Texas wurden die beiden von der Grenzpolizei festgenommen. Mutter Adalicia blieb in Honduras, sie wollte später nachreisen.

Eltern verpassten seinen ersten Geburtstag

Vater Rolando wurde bereits nach wenigen Wochen zurück nach Honduras geschickt. Ihm wurde gesagt, sein Sohn werde in zwei Wochen zurückgebracht. Aus Wochen wurden Monate. Johan blieb schliesslich fünf Monate lang in Arizona in Gewahrsam der US-Behörden. Dort verbrachte er seinen ersten Geburtstag, sprach seine ersten Worte und lernte zu laufen. Eine Sozialarbeiterin schickte den Eltern immer wieder Fotos und Videos ihres Sohnes.

Der kleine Johan wurde zum Aushängeschild des Kampfes gegen die Asylpolitik von US-Präsident Donald Trump. Kurz nach seinem ersten Geburtstag musste der Bub – in Windeln und mit Babyflasche in der Hand – vor Gericht in Phoenix erscheinen, wie AP berichtete. Dieser Gerichtsprozess erregte weltweit Aufmerksamkeit.

«Warum musste er bestraft werden?»

Der Richter sagte zum Anwalt des Buben: «Ich schäme mich, das zu fragen. Denn ich weiss nicht, wem sie das erklären sollen, ausser man denkt, ein Einjähriger versteht etwas von Migrationsrecht.» Der Richter erlaubte es Johan schliesslich, freiwillig in sein Heimatland Honduras zurückzureisen.

Wiedervereint in ihrem Zuhause in Honduras ist für den Vater von Johan klar: Er wird seinem Sohn später die ganze Geschichte erzählen. Und weiter für ein besseres Leben kämpfen. Castillo sagt: «Das war nie der Fehler meines Sohnes. Warum musste er bestraft werden?»

(sil)