Urteil revidiert

21. Oktober 2010 07:31; Akt: 21.10.2010 07:56 Print

90 Jahre nach Hinrichtung freigesprochen

Nach fast 90 Jahren hat ein griechisches Gericht das Urteil gegen sechs Männer wegen Hochverrats aufgehoben. Sie wurden 1922 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt.

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In Griechenland wurden sechs Männer fast 90 Jahre nach deren Hinrichtung rehabilitiert. (Bild: Keystone/Orestis Panagiotou)

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Nach der Niederlage im griechisch-türkischen Krieg der Jahre 1919 bis 1922 wurde den Männern, darunter drei ehemalige Ministerpräsidenten und ein General, vorgeworfen, ihr Land verraten zu haben. 1922 wurden sie von einem Militärgericht verurteilt und hingerichtet. Auf Drängen eines Enkels eines der Hingerichteten wurde der Prozess wieder aufgenommen und die Männer am Mittwoch rehabilitiert.

Nach der Niederlage 1922, die unter dem Namen «Kleinasiatische Katastrophe» in die griechischen Geschichtsbücher einging, herrschte im gesamten Land Bestürzung über die Verluste. Die griechischen Träume, zur Hauptmacht im östlichen Mittelmeer aufzusteigen, waren zerschmettert und Zehntausende Griechen mussten ihre Heimat im Westen der heutigen Türkei verlassen.

Der Enkel des früheren griechischen Ministerpräsidenten Petros Protopapadakis wollte nicht länger hinnehmen, dass sein Grossvater und seine fünf Leidensgenossen in den Geschichtsbüchern als Verräter dargestellt werden. Er erwirkte eine Wiederaufnahme des Falls mit Beweisen, die 1922 nicht verfügbar waren. Mit drei zu zwei Stimmen entschied sich der höchste Gerichtshof Griechenlands in Athen für den Freispruch.

Grosse Befriedigung

«Ich fühle eine grosse Befriedigung, weil eine Ungerechtigkeit beseitigt wurde», sagte Michalis Protopapadakis der Nachrichtenagentur AP. «Ich bin mir sicher, dass die Seelen dieser Menschen, die angeklagt waren, dies spüren werden und nun ihre Ruhe finden.»

(ap)