Ertrunken, abgestürzt, Stromschläge

04. Oktober 2018 13:47; Akt: 04.10.2018 15:54 Print

259 Menschen sind beim Selfie-Posen gestorben

Fotografieren kann gefährlich sein – vor allem an aussergewöhnlichen Orten. Eine neue Studie zeigt, wie sich das Problem jedes Jahr verstärkt.

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Kurz nach diesem Selfie im Auto starb Collette Moreno (links) Beim Selfiemachen stürzten erst im Juni zwei Australier in den Tod. Das Paar liess im portugiesischen Badeort Ericeira das Smartphone fallen. Wohl beim Versuch, es festzuhalten, stürzte es eine fast 40 Meter hohe Mauer hinunter. Beim Fotografieren am Wasserfall Nevada Fall ist ein 18-jähriger Israeli ausgerutscht und abgestürzt. Er habe vermutlich ein Selfie machen wollen, hiess es. Alexander Chechik aus dem russischen Labinsk zog den Stift einer Handgranate – und bezahlte sein gefährliches Selfie, das er an mehrere Freunde schickte, mit dem Leben. Er ist kein Einzelfall ... Das letzte Foto von Colleen Burns am Grand Canyon: Nur Minuten später stürzte sie 122 Meter tief in die Schlucht, weil sie einem Mann Platz machte, der ein Selfie schiessen wollte. Wegen solcher Erinnerungsfotos kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Am 29. Juni 2016 kletterte ein deutscher Tourist über eine Sicherheitsabsperrung, um ein Selfie vor den Inka-Ruinen in Machu Picchu zu machen. Dann bat er andere, ein Foto von ihm zu schiessen, während er hochsprang. Dabei verlor der Mann das Gleichgewicht und stürzte einen hundert Meter tiefen Hang hinab. Ende Mai 2016 kletterte ein Chinese für ein Foto mit einem Walross ins Tiergehege des Yeshanko Wildlife Zoo in der südchinesischen Stadt Weihai. Kurz darauf war er tot. Im April 2016 wurde eine 19-jährige Chinesin in der Stadt Liantang von einem Güterzug erfasst, als sie sich gerade selbst fotografierte. Im August 2014 wollte ein polnisches Ehepaar in Cabo de Roca in Portugal, am westlichsten Punkt Europas, ein Selfie schiessen. Für ein besseres Bild stiegen sie über die Sicherheitsabsperrung – und stürzten in die Tiefe. Diese Aufnahme ging glimpflich aus, zumindest für das Mädchen im Bild. Weil die Bären-Selfies überhandnahmen, schloss der Waterton Canyon Park in Colorado im September 2015 seine Pforten. Bereits 2014 gab der WWF auch für die Schweiz die Warnung heraus, man solle keine Selfies mit Bären machen.

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Von 2011 bis 2017 sind 259 Menschen beim Versuch, ein Selfie zu schiessen, gestorben. Das geht aus einer neuen Studie der «US National Library of Medicine» hervor, die Unfälle aufgrund von Selfies auf der ganzen Welt analysiert hat. Interessant dabei: Mehr als ein Drittel der Unfälle passierte allein im Jahr 2017.

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In der Folge dessen raten die Wissenschaftler, «No Selfie»-Zonen an gefährlichen Orten einzurichten. Dazu gehören Bergspitzen, hohe Gebäude und Seen, an denen die meisten Unfälle passieren. Die häufigsten Todesursachen nach einem Selfie-Versuch sind laut der Studie Ertrinken, Verkehrsunfälle und der Sturz aus der Höhe. Aber auch Angriffe von Tieren, Stromschläge, Feuer und Waffen gehören dazu.

Dunkelziffer ist viel grösser

Im Juli dieses Jahres stürzte beispielsweise ein 19-jähriger Amerikaner von einer Klippe in Australien, während er versuchte, ein Selfie zu schiessen. Ein weiterer Tourist starb nach einem 250 Meter tiefen Fall im Yosemite National Park in den USA. Die häufigsten tödlichen Selfie-Unfälle ereignen sich jedoch in Indien und Russland. Die USA stehen an dritter Stelle der Liste, dicht gefolgt von Pakistan. In 72,5 Prozent aller tödlichen Selfie-Unfälle sind Männer das Opfer.

Die Zahl der Todesfälle pro Jahr steigt laut den Verfassern der Studie jedes Jahr stark an. Allerdings gehen sie davon aus, dass die tatsächliche Zahl an tödlichen Selfie-Unfällen noch viel höher ist, als offiziell bestätigt. So werden beispielsweise Autounfälle, die wegen eines Selfies verursacht werden, noch immer als Verkehrsunfall kategorisiert.

(doz)