Triebwerksbrand

12. November 2010 11:03; Akt: 12.11.2010 12:25 Print

A380 nur knapp der Katastrophe entgangen

Die Triebwerksexplosion an einem Qantas-A380 hat das Flugzeug weitaus schwerer beschädigt, als bisher bekannt geworden war. Ein schweres Unglück konnte nur knapp abgewendet werden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Airbus A380 der australischen Fluggesellschaft Qantas ist bei der Notlandung vergangene Woche in Singapur laut einem Bericht stärker beschädigt gewesen als bislang bekannt. Die Zeitung «The Australian» berichtete am Freitag unter Berufung auf anonyme Quellen von einer Vielzahl ausgefallener Systeme. Die Trümmerteile des Rolly-Royce-Triebwerks hätten auch Teile der Verkabelung und des Treibstoffsystems des Riesenflugzeugs zerstört, als sie die Aussenhaut der Maschine durchschlugen. Ausserdem sei das Feuerlöschsystem am linken Flügel und das Antiblockiersystem ausgefallen.

Nach der Zerstörung eines der vier Triebwerke sei es der Crew nicht gelungen, Treibstoff zur Ausbalancierung der Maschine umzupumpen, berichtete das Blatt. Das Fahrwerk habe manuell ausgefahren werden müssen. Der berechnete Ausrollweg sei nur 150 Meter kürzer gewesen als die Landebahn des Flughafens von Singapur. Nach der Notlandung habe zudem das zweite linke Triebwerk wegen eines Kabelschadens nicht gleich abgestellt werden können.

Qantas habe auf Anfrage keinen Kommentar zu dem Ausmass der Schäden abgeben wollen, heisst es in dem Bericht weiter. Die Airline habe aber auch der Aussage nicht widersprochen, dass der A380 «erhebliche Schäden» erlitten habe. Laut «The Australian» wird insbesondere die Reparatur eines kaputten Tragflügelholms sehr aufwendig und teuer sein.

Rolls-Royce findet Pannenursache - revidiert Quartalszahlen nach unten

Der Triebwerk-Hersteller Rolls-Royce nach eigenen Angaben die Ursache des Unfalls identifiziert. Es sei nun klar, dass der Zwischenfall spezifisch für das Triebwerk Trent 900 sei. Der Unfall hänge mit einer bestimmten Triebwerkskomponente zusammen, die den Turbinenbrand ausgelöst habe, teilte Rolls-Royce anlässlich der Veröffentlichung der Quartalszahlen am Freitag mit.

Konzernchef John Rose erklärte, Sicherheit habe oberste Priorität für das Unternehmen. Er bedauere den Zwischenfall. Man arbeite mit Airbus zusammen, damit schrittweise die gesamte Flotte wieder in Betrieb genommen werden könne.

Für das Gesamtjahr senkte das britische Unternehmen seine Prognose. Das Gewinnwachstum werde aufgrund des Triebwerksproblems etwas geringer ausfallen als erwartet, erklärte Rolls-Royce.

Dennoch begrüssten die Märkte die Stellungnahme aus London nach Tagen des Schweigens. Die Aktie konnte zunächst zulegen. Seit dem Zwischenfall vergangene Woche war sie um zehn Prozent eingebrochen.

Rolls-Royce erklärte, der Fehler betreffe die gesamte Serie von Trent-900-Triebwerken, beschränke sich aber auf eine bestimmte Komponente im Turbinenteil des Triebwerks. Durch das fehlerhafte Modul sei ein Turbinenbrand entfacht worden, der wiederum zum Bruch der Turbinenscheibe geführt habe.

Fehlerhaftes Modul wird ausgetauscht

Rose kündigte an, Rolls-Royce werde die fragliche Triebwerkskomponente «im Rahmen eines vereinbarten Programms» austauschen, die Sicherheitsüberprüfungen würden in Zusammenarbeit mit den Luftaufsichtsbehörden weitergehen. Das Programm ermögliche es den Kunden, die gesamte Flotte nach und nach wieder in Betrieb zu nehmen.

Die Erkenntnisse von Rolls-Royce bestätigten die der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Um ähnliche Vorfälle zu verhindern, hatte die EASA am Donnerstag zusätzliche Sicherheitsüberprüfungen angeordnet. Die Fluggesellschaften müssen die im A380 eingesetzten Turbinen nach jeweils zehn Flügen nach von der Behörde festgelegten Kriterien durchsehen. Bei Auffälligkeiten dürfen die Flugzeuge nicht abheben.

Die Triebwerke vom Typ Trent 900 werden in insgesamt 20 Flugzeugen der Lufthansa, der australischen Qantas und der Singapore Airlines eingesetzt. Qantas kündigte am Donnerstag an, die A380 vorerst am Boden zu lassen. Die Sicherheit der Flotte müsse zunächst vollständig gewährleistet sein. Die Ausfälle würden durch andere Maschinen kompensiert. Die Lufthansa wollte die A380 dagegen weiterhin starten lassen.

Mit Rolls-Royce-Triebwerken gab es in den vergangenen beiden Jahren wiederholt technische Probleme.

Verzögerungen bei Airbus

Airbus-Präsident Thomas Enders sagte am Freitag, der Quantas-Zwischenfall werde sich auch auf die Auslieferung des Superjumbos A380 auswirken.

(ap)