Der Präsident rollt an

27. Oktober 2010 15:41; Akt: 27.10.2010 19:38 Print

Achtung, Obama kommt!

Wenn US-Präsident Barack Obama von A nach B will, wird er von einem ganzen Autokorso begleitet. Doch im Vergleich zur Gefolgschaft von Wladimir Putin ist das fast ein Familienausflug.

Obama reist im Riesenkonvoi nach Seattle. (Video: YouTube)
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Für die Menschen in den USA ist das ein bekanntes Bild: Wenn Präsident Obama zu Besuch kommt, ist mit Strassensperren, Staus und langen Wartezeiten zu rechnen. Dennoch erregt ein Video derzeit die Gemüter der Steuerzahler. Es dokumentiert die riesigen Sicherheitsvorkehrungen, die getroffen werden, wenn der mächtigste Mann der Welt zum Treffen mit seinen Wählern, zum Termin mit einem ausländischen Amtskollegen oder einfach zum Sonntagsausflug mit der Familie in den Burgerladen fährt.

Der schier unendlich lange Autokorso besteht aus «mindestens 45 Fahrzeugen», schreiben die Benutzer auf YouTube. Dabei fahren drei Ambulanzen und über zwei Dutzend Motorräder mit. «Schade um das viele Benzin», lautet das allgemeine Fazit der Normalbürger auf dem Videoportal. Doch dadurch wird sich wohl nichts ändern. Die Klügsten informieren sich darum erst im Internet über die Fahrrouten ihres Präsidenten und wählen alternative Wege.

Für russische Massstäbe ist das ein Mini-Tross

Im Vergleich zum russischen Regierungschef Wladimir Putin ist Obamas Karawane ein Kinderstreich – obwohl man das auf den ersten Blick nicht erkennt. Putin reiste in den letzten Wochen durch Sibirien, um gleich für zwei Projekte zu werben: die neue Autobahn, die in die abgelegensten Regionen im Osten des Landes führt, und ein Auto aus nationaler Produktion, das die Importe aus Asien überflüssig machen soll.

Dafür setzte sich Putin höchstpersönlich hinters Steuer. In einem gelben Kleinwagen legte er 2000 Kilometer auf der neuen Strasse zurück. Ein Kamerateam filmte Putins transsibirisches Abenteuer. Dabei sollte es so aussehen, als fahre er alleine durch die Taiga.

Doch der Regierungschef hatte nicht mit dem Geländewagen-Klub der Region gerechnet. Als die Männer am Strassenrand auf den gelben Lada Kalina warteten, wurden sie von einem Sicherheitskommando gewarnt: «Im Wald sind Scharfschützen, also nicht bewegen, nicht winken und vor allem – nicht filmen».

Sie filmten trotzdem – und ihr Video entwickelte sich inzwischen zur grossen Lachnummer in Russland. Die Aufnahmen zeigen, mit welchem Gefolge der Regierungschef reiste: Mehr als hundert Begleitfahrzeuge – die meisten ausländischer Herkunft – und zwei gelbe Ersatzfahrzeuge, eines sogar auf einem Abschlepplaster. Also alles andere als ein Road-Movie.

Putins Road-Movie ging schief

Andere Länder, andere Sitten

Über diese protzigen Transportgewohnheiten können hiesige Politiker nur den Kopf schütteln. Das extreme Beispiel liefert dafür Moritz Leuenberger: Jeden Morgen steigt er um 7.47 Uhr in den Zug von Zürich nach Bern, um sich unter die einfachen Leute zu mischen – aber nur unter diejenigen, die sich ein Erst-Klass-Billet leisten können.

(kle)