Nomen est omen

29. Dezember 2011 13:26; Akt: 29.12.2011 15:49 Print

Affe Cheetah war ein «cheater»

von Lukas Egli - Der prominenteste und älteste Schimpanse der Welt ist tot. Legendär seine Auftritte in Tarzan-Filmen – und im ZDF-«Sportstudio». Aber hat es Cheetah überhaupt gegeben?

Ein Affe macht den Affen: «Cheetah» lüftet Maria Weissmüller im ZDF-«Sportstudio» das Deckhaar.
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Cheetah, der Affe aus den «Tarzan»-Filmen der Dreissigerjahre, ist tot. Der Schimpanse starb an Heiligabend im Alter von 80 Jahren. Teilt das Tierheim mit, in dem der Affe seit 1960 lebte.

Ein Schimpanse wird 80 Jahre alt – Wahnsinn! Dieser Affe ist ein echtes Wunder – äh, war ein Wunder, pardon.

Cheetah spielte in den Filmen «Tarzan, der Affenmensch» von 1932 und «Tarzans Vergeltung» von 1934 an der Seite von Weltrekordschwimmer Johnny Weissmüller als Tarzan und Maureen O'Sullivan als Jane. Angeblich.

Christliche Musik, grosser Ärger

Dort habe es der Schimpanse geliebt, mit Fingerfarben zu malen und Football zu schauen. War er aufgeregt, habe er sich durch christliche Musik beruhigen lassen. «Wenn er jemanden nicht mochte oder eine Situation ihn ärgerte, dann schleuderte er einen Haufen auf den Grund des Ärgernisses – und er konnte auf neun Meter Entfernung treffen, selbst mit Gittern dazwischen», berichtete ein Betreuer.

Endlich ein Affe, der zwischen Gut und Böse unterscheiden konnte!

Das bewies er auch 1971 im «Sportstudio» des ZDF (siehe Video oben): Der Schimpanse turnte während der Sendung munter auf Johnny Weissmüllers Schoss herum – um unvermittelt nach dem Haar von Weissmüllers Frau Maria zu greifen. Huch, ein Toupet!

«Das macht gar nix. Ich glaube, das macht gar nix.»

«Da geht die Perücke weg!», rief Maria.
«Das macht gar nix», beschwichtigte der Moderator. «Das macht gar nix. Ich glaube, das macht gar nix.»
Johnny klopft sich auf den Schenkel: «Ahhh, hahaha. Haaahaha!»
Maria: «Wenn man so viel reist, muss man schon einmal eine Perücke anziehen, da ist keine Zeit.»

Eine Sternstunde des deutschen Fernsehens.

Irgendwann später erfuhr man: Das war gar nicht Cheetah. Das war nur irgendein Affe aus irgendeinem deutschen Zoo. Für Menschen sehen die Affen alle gleich aus.

Ein Mysterium verkauft sich immer gut

Auch der Heimleitung des Suncoast Primate Sanctuary in Palm Harbor in Florida waren im Laufe der Jahre Zweifel am lebenden Wunder gekommen: «Unser Cheetah ist wahrscheinlich nicht so alt, wie wir dachten», schrieben die Verantwortlichen des Altersheims für ausgediente Primaten. Es sei «schwierig» herauszufinden, in welchen Filmen, der Affe aufgetreten sei – wenn überhaupt. «Wie es scheint, werden die Fakten über Cheetahs Vergangenheit ein Hollywood-Mysterium bleiben.»

Ja, ein Mysterium verkauft sich immer gut. Noch besser hätte sich wohl die Enttarnung desselben verkauft: Cheetah hat es gar nie gegeben. Cheetah sind viele. Dass da vorher keiner drauf gekommen ist. Schliesslich ist die Täuschung – nomen est omen – bereits im Namen angelegt.

Cheetah was a cheater, wie der Angelsachse sagen würde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Bieri am 29.12.2011 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Dutzende Cheetah's

    Er wird sicher einer der Cheetah's sein. Selbstverständlich kann kein Affe sämtliche geforderten Tricks durchführen und wenn er mal keine Lust hat ein 50 köpfiges Drehteam stundenlang herum sitzt... Je nach Eigenschaften des Tieres erlernt es im voraus seine Tricks damit die sitzen, von daher brauchte es dutzende von Cheetah's.

  • Oliver the Animal Master am 29.12.2011 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Name ist Gesetz

    Der Name ist für mich Der Begriff für einen Schimpansen. So geht es bestimmt vielen, welche in den 70iger Jahren Tarzan geschaut haben. Somit wir Cheeta (ohne h) für immer als Synonym für Schimpansen leben. Und ACHTUNG nicht verwechseln mit Cheetah, das ist ein Gepard ;-) liebe Redaktion.

  • Steve Holland am 29.12.2011 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    kein wunder

    für den ersten "Schweinchen Babe" Film wurden auch stolue 48 "Babes" gebraucht, weil die kleinen schweine anscheinend so schnell wachsen ;) hollywood = beschiss = cheeeta :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Leo Urban am 01.01.2012 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Cheetah heisst auf Deutsch: Gepard

    Das ist doch eigentlich ein ganz schön dämlicher Name für einen Schimpansen, oder?

  • Bruno Bieri am 29.12.2011 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Dutzende Cheetah's

    Er wird sicher einer der Cheetah's sein. Selbstverständlich kann kein Affe sämtliche geforderten Tricks durchführen und wenn er mal keine Lust hat ein 50 köpfiges Drehteam stundenlang herum sitzt... Je nach Eigenschaften des Tieres erlernt es im voraus seine Tricks damit die sitzen, von daher brauchte es dutzende von Cheetah's.

  • Steve Holland am 29.12.2011 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    kein wunder

    für den ersten "Schweinchen Babe" Film wurden auch stolue 48 "Babes" gebraucht, weil die kleinen schweine anscheinend so schnell wachsen ;) hollywood = beschiss = cheeeta :)

  • Oliver the Animal Master am 29.12.2011 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Name ist Gesetz

    Der Name ist für mich Der Begriff für einen Schimpansen. So geht es bestimmt vielen, welche in den 70iger Jahren Tarzan geschaut haben. Somit wir Cheeta (ohne h) für immer als Synonym für Schimpansen leben. Und ACHTUNG nicht verwechseln mit Cheetah, das ist ein Gepard ;-) liebe Redaktion.

  • Michael Elber am 29.12.2011 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    And Cheetah is the wrong name anyway ..

    wie die Angelsachsen auch sagen würden. Das Original hiess nämlich Cheeta ohne 'h'.