Trendwende

23. November 2010 12:13; Akt: 23.11.2010 13:14 Print

Aids-Epidemie geht langsam zurück

In den vergangenen zehn Jahren haben sich weltweit ein Fünftel weniger Menschen mit HIV angesteckt als im Jahrzehnt zuvor. Auch die Todesfälle haben abgenommen.

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1981: In den USA, vor allem in Kalifornien und New York, sterben immer mehr junge Männer an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni äusserst sich erstmals die US-Gesundheitsbehörde CDC über die auffällige Zunahme einer seltenen Krebsform und einer ungewöhnlichen Form von Lungenentzündung bei jungen Homosexuellen. 1982: Die erworbene Immunschwächekrankheit wird AIDS - Acquired Immunodeficiency Syndrome - genannt. 1983 identifizieren der Amerikaner Robert Gallo und der Franzose Luc Montagnier das Virus, das die Krankheit auslöst. 1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. Im Oktober stirbt als erster Prominenter der US-Schauspieler Rock Hudson an den Folgen der Immunschwäche. Durch seinen Tod wird die breite Öffentlichkeit auf Aids aufmerksam. 1986: Aus Afrika werden die ersten Aids-Fälle gemeldet. 1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein. 1991: Die «Rote Schleife» wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids. Im November stirbt der Leadsänger der Popgruppe Queen, Freddie Mercury, an Aids. 1993: Das Modehaus Benetton thematisiert AIDS in einer Werbekampagne. 1993: Philadelphia ist der erste grosse Hollywoodfilm, welcher sich kritisch mit dem gesellschaftlichen Umgang mit AIDS-Erkrankten und Homosexuellen in den USA auseinandersetzt. Im Jahre 1995 kommen so genannte Protease-Hemmer als neues Aids-Medikament auf den Markt. Nach Angaben der UNAIDS im Dezember 2005 sind über 40 Millionen Menschen auf der Welt mit dem HI-Virus infiziert - ein neuer Höchststand. 2000: Die israelische Sängerin Ofra Haza verstirbt an der Krankheit.

Die Chronologie einer tödlichen Epidemie.

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Die UNO sieht im Kampf gegen die Infektionskrankheit AIDS eine anhaltende Trendwende. Vor allem in den Ländern südlich der Sahara hätten sich in den letzten Jahren weniger Menschen mit dem tödlichen Virus infiziert, erklärte die UNO- Organisation UNAIDS.

Die Rückgänge der Neuinfektionen liessen sich jetzt schon in 33 Ländern feststellen, wo sie um rund ein Viertel gesunken seien. 22 dieser Länder befinden sich in Schwarzafrika. In Äthiopien, Nigeria, Südafrika, Sambia und Simbabwe gebe es Anzeichen von Stillstand oder Rückgängen bei den Neuinfektionen.

Seit 1999, als die Krankheit ihren Höhepunkt erreicht hatte, sei die Zahl der Neuinfektionen weltweit um 19 Prozent zurückgegangen, heisst es in dem am Dienstag in Genf vorgestellten Weltbericht zur Epidemie weiter.

Jährlich erkranken aber immer noch 2,6 Millionen Menschen an dem Virus. In sieben Ländern ist die Anzahl Neuinfektionen zudem um über 25 Prozent gestiegen. Fünf der sieben betroffenen Länder befinden sich in Osteuropa und Zentralasien.

Besseren Zugang zu Behandlungen

Die Anzahl der jährlichen Todesfälle ging innerhalb von fünf Jahren um 300 000 zurück. Im vergangenen Jahr seien 1,8 Millionen Menschen an dem Virus gestorben, 2004 waren es noch 2,1 Millionen.

Der Rückgang der Infektionen und der Todesfälle erklärt sich durch Behandlungs- und Präventionsmassnahmen. Von den etwa 15 Millionen HIV-Infizierten in einkommensschwachen Ländern, die eine AIDS-Behandlung benötigen, könne derzeit 5,2 Millionen geholfen werden. 2004 waren es erst 700 000.

2009 bekamen 1,2 Millionen Menschen eine Erstbehandlung gegen AIDS. Dies entspreche einem Anstieg um 30 Prozent in nur einem Jahr. Zehn Millionen Menschen brauchen derzeit aber noch dringend eine Behandlung, schreibt UNAIDS.

Bereits 60 Millionen Todesfälle

Der Rückgang an Todesfällen führt dazu, dass die Zahl der Menschen, die mit dem Virus leben, gestiegen ist: Von 26,2 Millionen im Jahr 1999 auf 33,3 Millionen im Jahr 2009.

Seit dem Ausbruch der Epidemie steckten sich mehr als 60 Millionen Menschen mit dem Virus an, fast 30 Millionen starben an Ursachen im Zusammenhang mit der Krankheit.

(sda)