04. April 2005 15:12; Akt: 04.04.2005 17:42 Print

Alle wollen zum Papst

Rom bereitet sich auf einen der grössten Menschenströme in der jüngeren Geschichte vor: Mindestens zwei Millionen Gläubige und Pilger werden in der Ewigen Stadt erwartet. Kopfzerbrechen bereitet den Organisatoren auch die Gefahr eines eventuellen Terrorangriffs.

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Aus der ganzen Welt wollen Menschen anreisen, um dem toten Papst, den sie so verehrt haben, die letzte Ehre zu erweisen. Manche italienische Zeitungen sprachen am Montag gar von vier Millionen Pilgern.

Um Sicherheit, Schlafmöglichkeiten und Verkehrsmittel für die Massen zu gewährleisten, ist bereits ein riesiger Organisations- Apparat in Bewegung gesetzt worden.

«In diesen Tagen, die der Beisetzung von Johannes Paul II. vorangehen, bereitet sich Rom auf einen Besucherstrom ohnegleichen vor», schrieb der römische «Messaggero». Der Zivilschutz unter Leitung von Guido Bertolaso, der schon andere römische Grossereignisse wie die Unterzeichnung der Europäischen Verfassung im Mai 2004 geleitet hatte, arbeitet fieberhaft rund um die Uhr.

Rund 5000 Freiwillige, etwa 6500 Polizisten und 600 Ärzte wurden mobilisiert. Schon am Montagmorgen waren an jeder Ecke rund um den Petersplatz Ambulanz-Zelte aufgebaut.

Treffpunkt für Trauernde

Mit den ersten Sonnenstrahlen strömten erneut zahlreiche Pilger zum Petersdom. Sie alle hofften, nach der Aufbahrung am Nachmittag einen letzten Blick auf den toten Pontifex werfen zu können. Manche übernachten seit der Todesnachricht auf dem Platz und haben sich mit Rucksäcken, Kerzen und Schlafsäcken dort eingerichtet.

«Die Menschen wollen den Papst nicht gehen lassen», sagte ein Kommentator im Fernsehen. Für Nicht-Römer sind Zeltunterkünfte auf grossen Arealen und in Sportzentren am Rande der Ewigen Stadt geplant. Unzählige Imbissbuden sollen für das leibliche Wohl sorgen.

Zudem hat Bertolaso bereits veranlasst, über 160 Sonderzüge aus ganz Italien nach Rom einzusetzen, Busse werden ständig zwischen eigens eingerichteten Parkplätzen und dem Vatikan verkehren. Alle Zufahrtstrassen zum Petersplatz sind seit Tagen weiträumig gesperrt, die halbe Innenstadt wurde zur Fussgängerzone erklärt.

200 Busse aus Polen

Allein aus der polnischen Heimat des Papstes seien 200 Busse unterwegs nach Rom, hiess es. Italienische Behörden forderten, mehrere angekündigte Streiks im Transportwesen bis auf weiteres zu verschieben.

Kopfzerbrechen bereitet den Organisatoren unterdessen die Gefahr eines eventuellen Terrorangriffs: Schliesslich werden neben den Pilgern auch über 200 Staatsoberhäupter aus der ganzen Welt für die Trauerfeiern erwartet, darunter US-Präsident George W. Bush, der russische Präsident Wladimir Putin und das spanische Königspaar.

Der Luftraum über der Ewigen Stadt wird eine Woche lang ständig überwacht, Militärjets stehen jederzeit für einen Einsatz bereit - selbst Flugabwehrraketen wurden bereits in Stellung gebracht.

(sda)