UNESCO schlägt Alarm

17. Februar 2011 15:04; Akt: 17.02.2011 15:26 Print

Alle zwei Wochen stirbt eine Sprache

Von den weltweit 6000 gesprochenen Sprachen sind über 500 akut bedroht. Auch in der Schweiz sind Sprachen ernsthaft gefährdet.

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Weltweit ist von den 6000 heute gesprochenen Sprachen die Hälfte vom Verschwinden bedroht. Alle zwei Wochen geht gemäss der UNESCO eine Sprache verloren. Am Montag wird mit dem Internationalen Tag der Muttersprache an die sprachliche Vielfalt erinnert.

Die Gründe für die weltweite Gefährdung von Sprachen sind nach Angaben der UNO-Kulturorganisation vielfältig: Kriege, Vertreibungen und Stigmatisierungen gehören ebenso dazu wie Migration und Vermischung von Sprachen.

Die Informationsmedien begünstigten den weltweiten Einfluss insbesondere des Englischen. Verschwinde eine Sprache, gehe auch das damit verbundene kulturelle Erbe von Gedichten über Legenden bis zu Sprichwörtern und Scherzen verloren, betonte die UNESCO.

Atlas: 572 Sprachen «akut» bedroht

In der 2010 aktualisierten Ausgabe des «Atlas der Bedrohten Sprachen» listet die Organisation rund 2500 Sprachen nach Name, Bedrohungsgrad und Region auf - darunter sind auch 230 Sprachen, die seit 1950 verschwunden sind.

Der Atlas zeigt, dass 572 Sprachen vor allem in Nord- und Südamerika, Südostasien, Ozeanien und Afrika akut bedroht sind. Die UNESCO macht vor allem auf die Sprachen aufmerksam, die von nur noch weniger als 10 000 Menschen gesprochen werden.

Franc-Comtois «ernsthaft» gefährdet

Auf Schweizer Boden werden acht aussterbende Sprachen gesprochen, fünf davon sind laut dem «Atlas der bedrohten Sprachen» «definitiv» und eine sogar «ernsthaft» gefährdet. Am stärksten gefährdet ist das Franc-Comtois, das in Nordfrankreich und im Jura gesprochen wird; es hat schon die dritte von fünf Schwindstufen erreicht.

Auf der zweiten Gefahrenstufe befinden sich das Rätoromanische, das Frankoprovenzalische (Waadt), das Lombardische (Tessin und Südbünden), das Bairische, das laut Atlas auch in Samnaun gesprochen wird, sowie das Jiddische und Romani, die Sprache der Sinti und Roma. Das Alemannische gilt vorerst nur als «unsicher».

(sda)