29. November 2006 14:05; Akt: 17.11.2008 15:28 Print

Amputieren, hängen, steinigen

Steinigung, Peitschenhiebe, Amputationen — diese Strafen finden sich im Arsenal der Scharia. Das islamische Rechtssystem sieht für viele Delikte wahrhaft drakonische Körperstrafen vor.

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«Scharia» - wenn dieses Wort fällt, denkt der durchschnittliche Europäer an Steinigungen und abgehackte Gliedmassen. Obwohl die Scharia in manchen Ländern (z.B. Marokko) auch liberal angewandt wird, steht sie in wichtigen Punkten im Widerspruch zur westlichen Rechtsauffassung.

Steinigung

Die Scharia bestraft ausserehelichen Geschlechtsverkehr bei volljährigen Muslimen, die verheiratet sind, mit der Steinigung. Dabei dürfen die Steine weder zu gross sein (was zum sofortigen Tod des Opfers führen würde), noch sollten sie so klein sein, dass sie nicht mehr als Stein gelten.

Das Opfer wird bei der Steinigung bis zur Brust (Frauen) oder bis zur Hüfte (Männer) eingegraben und dann bis zum Tod mit Steinen beworfen.

Die Todesstrafe kann auch auf andere Art vollzogen werden; so sind im Iran in der letzten Zeit manche Todesurteile durch den Strang statt durch Steinigung vollzogen worden.

Amputation

Die Scharia sieht für Diebstahl die Amputation der rechten Hand vor, im Wiederholungsfalle die Amputation des linken Fusses. Die Amputation kann - wenn das Opfer Glück hat - von einem Chirurgen vollzogen werden.

In letzter Zeit sind Amputationen vermehrt in Nigeria vorgekommen, wo einige mehrheitlich muslimische Bundesstaaten die Scharia eingeführt haben.

Auspeitschung

Sexuelle Vergehen wie Unzucht können mit einer unterschiedlichen Anzahl von Peitschenhieben bestraft werden. Auch Alkoholgenuss wird mit Auspeitschung bestraft. Wenn das Strafmass 100 Peitschenhiebe und mehr erreicht, kann durchaus der Tod die Folge sein.

Die Scharia ist aus westlicher Sicht auch problematisch, weil Männer bis zu vier Frauen gleichzeitig heiraten können (Polygamie), weil die Frau nicht als vollwertiges Rechtssubjekt gilt (islamische Ehen werden z.B. durch einen Ehevertrag zwischen dem Heiratsvormund der Braut und dem Bräutigam geschlossen) und weil sie den Abfall vom Islam bei Todesstrafe verbietet (Verstoss gegen die Glaubensfreiheit).