Bundy-Fest neben Vieh

25. April 2014 11:27; Akt: 25.04.2014 23:02 Print

Anarcho-Dude gegen Rassisten-Rancher

Rancher Cliven Bundy legt sich mit der Regierung an, weil er keine Weidegebühren zahlen will. Das hat einen Organisator des legendären Burning-Man-Festivals auf den Plan gerufen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Gegen rechte Anarchie hilft nur linke Anarchie. Getreu diesem Motto hat der progressive Aktivist Sean Shealy angekündet, im südlichen Nevada ein so genanntes Bundy-Fest zu organisieren: Ab dem 5. September sollen 240 Bands einen Monat laute Musik spielen – 24 Stunden lang und vor allem direkt angrenzend an das Anwesen von Rancher Cliven Bundy (67). Dieser führt seit Jahrzehnten einen erbitterten Kampf gegen die «unterdrückerische US-Bundesregierung», weil er sich weigert, Weidegeld für sein auf öffentlichem Boden grasendes Vieh zu bezahlen. Dieser Argumentation folgend, kam Sean Shealy auf die bauernschlaue Idee des Bundy-Fests.

Doch beginnen wir von vorne. Der langhaarige Shealy organisiert das berühmte Festival Burning Man mit, bei dem jeden Sommer Tausende Fans in der Wüste von Nevada zusammenkommen: Sie errichten kunstvolle Bauten, feiern einen libertären Lebensstil und schauen am Schluss zu, wie die riesige hölzerne Skulptur eines Manns in Flammen aufgeht – «Burning Man» eben.

«Bundy Ranch zur regelfreien Zone – Woo-hoo!»

«Jedes Jahr zahlen wir Bewilligungsgebühren, um Burning Man auf der schönen Playa im nördlichen Nevada abzuhalten», schreibt Shealy auf der Facebook-Site von «Bundyfest». «Doch jetzt zeigt uns Cliven Bundy einen NEUEN WEG! ABSOLUTE FREIHEIT! Bundy hat die ganze Umgebung der Bundy Ranch zur TOTAL REGELFREIEN ZONE erklärt! ALLES IST MÖGLICH! WOO-HOO!»

In einem Video lockt Shealy Interessierte mit dem Versprechen auf Sex und Zügellosigkeit. «Campiert absolut überall. Volle Nacktheit kein Problem. Schwulenfreundliche Atmosphäre.» Geplant sei ein «Penis-Erektionswettbewerb: Stellt den höchsten Penis in der offenen Wüste auf, gewinnt wertvolle Preise!»

Regeln? Gibt es nicht

Shealy will für das Bundy-Fest keinerlei Regeln anerkennen – genau wie Cliven Bundy nebenan. Der Rancher weigert sich seit 1993, Washington Weidegebühren dafür abzuliefern, dass seine 500 Rinder auf Bundesland grasen. Bundys Begründung: Das Bureau of Land Management (BLM) habe unberechtigterweise die Weidezeiten eingeschränkt, um eine gefährdete Schildkrötenart zu schützen.

Bundy, der dem Staat inzwischen über eine Million Dollar schuldet, ist vor Gerichten schon dreimal abgeblitzt. Der vierzehnfache Vater behauptet, Washington habe kein Recht, ihm etwas vorzuschreiben, denn seine Familie nutze das Land seit 1870.

Konfrontation macht Bundy zum Helden

Anfang April versuchte das BLM, dem Gesetz Nachachtung zu verschaffen. Es liess die Bundy-Ranch umstellen und führte die Rinder ab. Doch der belagerte Rancher schaffte es, eine Protestbewegung anzustossen, die in der Folge von einzelnen Fox-News-Moderatoren angeheizt wurde. Bundy wurde ein Held der Ultrakonservativen und der Rechtsaussen-Milizen.

Inzwischen hat Bundy seine Tiere zurückerhalten und die Polizisten des BLM haben sich zurückgezogen. Dennoch hält der renitente Rancher tägliche Pressekonferenzen ab. Politiker in Nevada hofieren ihn – bis vor kurzem zumindest. Am Mittwoch nämlich berichtete die «New York Times» darüber, wie Bundy am Samstag über «den Neger» sprach. Der Rancher erzählte von arbeitslosen Schwarzen vor einem staatlichen Mietshaus. «Wisst Ihr, was sie tun?», fragte er seine Zuhörer. «Sie treiben die Kinder ab, sie stecken die jungen Männer ins Gefängnis, weil sie nie lernten, Baumwolle zu pflücken. Und ich fragte mich oft: Ging es ihnen besser als Sklaven?»

Als Bannerträger untragbar

Die offen rassistische Aussage schlug wie eine Bombe ein. Ein republikanischer Senator von Nevada ging bereits auf Distanz zu Bundy, und auf Fox News werden die Berichte über den Rechts-Anarchisten wohl rarer werden. Vielleicht haben die Links-Anarchisten des Bundy-Fests gar kein Gegenüber mehr, wenn sie Anfang September zusammenströmen.

Noch wird den mindestens 50’000 erwarteten Besuchern volle Freiheit versprochen. «Ich muss noch sagen, dass keine Toiletten eingerichtet werden», sagt Organisator Shealy im Video. «Ihr seid frei, lasst einfach alles raushängen – wie Bundys Kühe.»

Sean Shealys Videobotschaft:


(Quelle: YouTube/Sean Shealy)

(sut)