Paris

07. Juni 2017 10:12; Akt: 07.06.2017 10:13 Print

Angreifer von Notre-Dame bekennt sich zum IS

Im touristischen Zentrum von Paris hatte ein Mann einen Polizisten mit einem Hammer angegriffen. Die Tat hat einen islamistischen Hintergrund.

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Ein Hammerangriff auf Polizisten im Zentrum von Paris hat Hunderte Touristen und Einheimische in Terrorangst versetzt. Die Polizei schoss den Mann an, der gerufen hatte «Das ist für Syrien» und sich zum IS bekannte.

Der Mann habe vor der Kathedrale Notre Dame drei Polizisten bedroht und mit einem Hammer auf einen von ihnen eingeschlagen, teilte Innenminister Gerard Collomb mit. Die Kollegen des Angegriffenen hätten daraufhin Schüsse abgegeben.

Der Attentäter habe gerufen: «Das ist für Syrien». Er habe einen algerischen Studentenausweis bei sich getragen und wahrscheinlich allein gehandelt. Der Angreifer habe neben dem Hammer zudem noch Küchenmesser bei sich geführt. Die Verletzungen des angegriffenen Polizisten seien nicht sehr schlimm.

Polizei schiesst auf Angreifer vor Notre-Dame

«Soldat des Kalifats»

Der Angreifer habe sich später als «Soldat des Kalifats» der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnet, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Der Mann wurde in ein Spital eingeliefert. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm den Fall. Auf Twitter kursiert ein Bild, das den mutmasslichen Angreifer zeigen soll, nachdem er angeschossen worden ist. Auch Videos der Szene sind aufgetaucht.

Die Polizei sicherte das Gebiet um die Kathedrale ab. Rund 900 Menschen durften die Kirche zunächst nicht verlassen. Ein Urlauber schrieb auf Twitter: «Eingeschlossen in der Kathedrale Notre Dame, nachdem Polizei auf einen Mann schoss. Wir sind hier mit unseren zwei angsterfüllten Kindern.»

«In Panik geraten»

Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe laute Schreie gehört. Dann seien zwei Schüsse gefallen. Er habe den verletzten Angreifer auf dem Vorplatz der Kathedrale liegen sehen. «Überall war Blut», sagte der Zeuge. «Die Menschen sind in Panik geraten.»

Auf dem Vorplatz der Kirche halten sich üblicherweise viele Touristen auf. Die Behörde hatte zuvor auf Twitter dazu aufgerufen, den Bereich um die Kirche im Herzen der französischen Hauptstadt zu meiden. Das Areal wurde weiträumig abgesperrt.

Die nach dem Angriff zunächst in der Kathedrale festgehaltenen Besucher konnten das Gotteshaus nach und nach wieder verlassen. Jeder werde von der Polizei durchsucht, sagte die Sprecherin der Diözese Paris, Karine Dalle, am Dienstag dem Sender BFMTV. Alles laufe ruhig ab.

«Die Polizei bat alle, die Hände zu heben» berichtet die Amerikanerin und ehemalige Sicherheitsberaterin des Weissen Hauses Nancy Soderberg. Sie befand sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Kathedrale. Die Menschen hätten sich jedoch ruhig verhalten.

Auf der Seine-Insel Île de la Cité im Herzen von Paris gelegen, ist die Kathedrale Notre-Dame eines der Wahrzeichen der französischen Hauptstadt - und ein Touristenmagnet. Das Gotteshaus wird jedes Jahr von Millionen Touristen besucht.

Terrorserie

Frankreich wird seit rund zweieinhalb Jahren von einer beispiellosen Terrorserie erschüttert, knapp 240 Menschen wurden bei Anschlägen ermordet.

Sicherheitskräfte waren in Frankreich mehrfach Ziel von Anschlägen. Mitte April war ein Polizist auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées von einem Gewalttäter erschossen worden.

In Frankreich gilt weiter der Ausnahmezustand, der nach den Anschlägen vom 13. November 2015 verhängt worden war. Der Ausnahmezustand soll nach Plänen der Regierung bis Anfang November 2017 verlängert werden.

(nag/sep/chk)