Übergriffe in Deutschland

06. Januar 2016 22:13; Akt: 07.01.2016 11:16 Print

Antanz-Banden gehen immer aggressiver vor

Möglichst enger Körperkontakt, ein Ablenkungsmanöver, und schon ist das Portemonnaie weg. Die Polizei versucht nun mit Videos, Menschen für den Antanz-Trick zu sensibilisieren.

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Mob von 1000 Menschen: In der Silvesternacht hatten am Kölner Hauptbahnhof überwiegend aus dem nordafrikanischen Raum stammende Täter massive Übergriffe auf Frauen und Diebstahlsdelikte verübt. (31. Dezember 2015). Auch in Hamburg kam es zu Übergriffen: Diese beiden Männer sollen in der Silvesternacht eine Frau sexuell genötigt haben. Die Männer sollen vom 18-jährigen Opfer erkannt worden sein. In Hamburg sind bislang über 200 Anzeigen eingegangen. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (l.) dementiert die Anschuldigungen, wonach versucht worden sei, die Vorfälle der Silversternacht in Köln herunterzuspielen. (Archivbild) Härtere Gangart: Innenminister Thomas de Maizière (links) informiert die Medien über den Entscheid einer Verschärfung des Sexualstrafrechts. (12. Januar 2016) Marokko und Algerien nehmen ihre kriminellen Landsleute nach Aussagen der Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens nicht zurück: Hannelore Kraft in der ARD-Sendung «Hart aber fair». (11. Januar 2016) Mehrere Hundert Pegida-Anhänger haben sich am Kölner Hauptbahnhof zu einem Demonstrationszug formiert. (9. Januar 2016) Die Polizei stoppt den Pegida-Zug nach einigen hundert Metern, drängt ihn zum Bahnhof zurück und löst die Demonstration schliesslich auf. (9. Januar 2016) Zur selben Zeit findet sich eine viel grössere Menschenmenge zu einer Gegendemonstration, ebenfalls am Kölner Hauptbahnhof, ein. (9. Januar 2016) «Bitte habt keine Angst»: In Köthen verteilen syrische Flüchtlinge ein Schreiben. (8. Januar 2016) Ein Mitglied der deutsch-tunesischen Gemeinschaft übergibt Passanten Blumen vor dem Kölner Bahnhof. (7. Januar 2016) Die Kölner Polizei hatte in der Silvesternacht Verstärkung von Kollegen aus Duisburg abgelehnt: Einsatzwagen vor dem Kölner Hauptbahnhof. (5.1.2015) Wurden heftig kritisiert: Bürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Wolfgang Albers an einer Pressekonferenz in Köln. Albers soll nun abgesetzt worden sein. (5.1.2015) Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker kündigte ein stärkeres Polizeiaufgebot und den Einsatz mobiler Videokameras an. (5. Januar 2016) Der deutsche Justizminister Heiko Maas spricht auf Twitter von «abscheulichen Übergriffen»: Alle Täter müssten konsequent zur Rechenschaft gezogen werden. «So kann die Polizei nicht arbeiten»: Innenminister Thomas de Maizière kritisierte das Vorgehen der Polizei. Frauen protestieren und kritisieren indirekt auch die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Merkel. (5. Januar 2016) «Wir schweigen nicht» und «Wir haben die Schnauze voll» – Frauen demonstrieren gegen die Gewalt auf offener Strasse. (5. Januar 2016) Kanzlerin Angela Merkel, hier während der Neujahrsansprache, drückte «ihre Empörung über diese widerwärtigen Übergriffe und sexuellen Attacken aus». Raubüberfälle und sexuelle Übergriffe: Mehrere Männergruppen haben in der Silvesternacht am Kölner Bahnhof Frauen attackiert. (31. Dezember 2015) Feuerwerk in die Masse: Zusätzlich zu den Attacken sind in der Menschenmenge auch Feuerwerkskörper gezündet worden. (31. Dezember 2015)

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Zuerst rempeln, dann stehlen – spätestens seit dem Silvesterabend am Kölner Bahnhof sind sie in aller Munde: die sogenannten Antänzer, die durch engen Körperkontakt Wertsachen erbeuten. Nun will die Polizei anhand von Videos aufklären, berichtet die «Welt».

Ein junger Partygänger ist auf dem Weg in einen Club, als er plötzlich von zwei Männern angesprochen und zu einem «Fussballspiel» überredet wird. «Podolski! Los, Podolski!», ruft einer der Täter. Der Passant steigt drauf ein, spielt mit – nichts ahnend.

Irgendwann kommt es zu einem engen Körperkontakt, beide dribbeln sich gegenseitig aus und spielen mit dem improvisierten Ball. Plötzlich zieht der Täter dem Opfer das Portemonnaie aus der Hosentasche – unbemerkt und flink. Bevor der Bestohlene überhaupt realisiert, was soeben passiert ist, verschwindet der Komplize mitsamt der Beute.

Neue Dimension erreicht

Egal, ob die Täter den Passanten mit einem Ballspiel oder mit einer Umarmung überraschen, die Vorgehensweise ist immer dieselbe: Die Diebe suchen den Körperkontakt, lenken das Opfer ab und erbeuten so Handy oder Portemonnaie. Es ist einer der ältesten Tricks überhaupt – der immer noch funktioniert.

Und seit dem Vorfall in Köln und Hamburg hat der Antanz-Trick eine neue dramatische Dimension erreicht: Um an Wertgegenstände zu kommen, machten die Täter an Silvester auch nicht Halt vor massiven sexuellen Belästigungen und Übergriffen.

Dutzende Frauen erstatteten Anzeige. Die Opfer wurden gemäss eigenen Angaben heftig bedrängt, an den Brüsten und im Intimbereich betatscht. Als das Horror-Szenario überstanden schien, merkten viele der Opfer, dass sie bestohlen worden waren. Die Täter sollen hauptsächlich aus Nordafrika und dem arabischen Raum stammen. Ob es Dutzende oder Hunderte waren, wird abgeklärt. Die Polizei fahndet nach den Verdächtigen.

(nab)