Fragliche Beweismittel

28. September 2011 12:09; Akt: 28.09.2011 12:49 Print

Anwälte fordern Freispruch für Knox

Die Verteidiger haben im Berufungsprozess der wegen Mordes verurteilten Amerikanerin Amanda Knox mit ihren Plädoyers begonnen: Der ganze Prozess basiere «auf falschen DNA-Proben».

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Am soll das Urteil im Berufungsprozess fallen. Knox' Verteidigung plädiert auf Freispruch, die Anklage will ihre bisherige Strafe von 26 Jahren auf lebenslang erhöhen lassen. Im Laufe der Verhandlungen wurden zwei Gutachten präsentiert, wonach die DNA-Spuren auf der mutmasslichen Tatwaffe Knox gehören. Zudem habe die Polizei bei den Ermittlungen «schlampig und ungenau» gearbeitet. Am waren Amanda Knox und Raffaele Sollecito in Berufung gegangen. Ihre Verteidiger hielten Vieles nach dem ersten Verfahren für ungeklärt. Die beiden Verurteilten verlangten verschiedene neue Untersuchungen, um zu verstehen, was sich im November 2007 in Perugia wirklich abgespielt hat. Am war Amanda Knox, der «Engel mit den Eisaugen», für den Mord an ihrer Mitbewohnerin, der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher, zu 26 Jahren Haft verurteilt worden. Knox' Ex-Freund, der Italiener Raffaele Sollecito, muss für 25 Jahre ins Gefängnis. Die Familie von Amanda Knox war von Anfang an nach Perugia gekommen, um Amanda zu unterstützen. Von links: Stiefvater Chris Mellas, Mutter Edda, Stiefmutter Cassandra, Vater Curt Knox, Tante Christina Hagge und Schwester Deanna. Auch die Eltern des Opfers waren nach Italien gereist: Vater John Kercher ... ... und Mutter Arline Kercher. Die Schwester des Opfers, Stephanie Kercher, reiste ebenfalls nach Perugia. Der Gerichtspräsident Giancarlo Massei verkündete das Urteil. Amanda Knox wurde des Mordes und der sexuellen Belästigung schuldig gesprochen. Die Angehörigen reagierten entsetzt: Mutter Edda ... ... Schwester Deanna ... ... und zuhause in den USA Tante Janet, Onkel Mick, Amandas Freundin Alexandra und Grossmutter Elisabeth. Raffaeles Vater Francesco Sollecito nahm das Urteil erschüttert zur Kenntnis. Knox brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. «Nein, Nein», murmelte sie und klammerte sich an einen ihrer Anwälte. Kurz nach dem Urteil wurden die 22-Jährige und ihr drei Jahre älterer Ex-Freund mit Blaulicht zurück ins Gefängnis gefahren. Ihre erste Nacht in der Gewissheit, dass sie erst im Alter von 48 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, verbrachte sie weinend in ihrer Zelle.

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Im Berufungsprozess um den Mord an Meredith Kercher hat die Verteidigerin des Mitangeklagten Raffaele Sollecito mit ihren Plädoyers begonnen. Für Giulia Bongiorno, die den mutmasslichem Mittäter und Knox' Ex-Freund Sollecito vertritt, bestanden keine Zweifel: «Amanda und Raffaele sind unschuldig», sagte sie am Dienstag vor dem Geschworenengericht in Perugia. Amanda sei keine «Femme fatale», wie sie fälschlicherweise beschrieben worden sei. Und was Sollecito anginge, gebe es nichts, das ihn mit der Tat verbinde.

Der ganze Prozess basiere «auf inzwischen für falsch befundenen DNA-Proben», argumentierte die Anwältin. Sie bezog sich dabei auf ein unabhängiges Gutachten, mit dem die Verteidiger in den vergangenen Monaten versucht hatten die DNA-Beweise anzufechten. Dem Gutachten zufolge sei bei der Spurensicherung schlampig gearbeitet und wissenschaftliche Verfahren seien nicht richtig angewendet worden.

Staatsanwalt fordert lebenslängliche Haft

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft eine Erhöhung der Strafe für Amanda Knox von derzeit 26 Jahren auf lebenslänglich gefordert. Der Anwalt der Zivilklage hatte in seinem Plädoyer Knox eine Teufelin genannt.

Die Verteidiger der 24-Jährigen werden nach einer eintägigen Verhandlungspause am Donnerstag sprechen. Laut italienischen Medien wird das Urteil am 3. Oktober erwartet.

Die heute 24 Jahre alte Knox und ihr drei Jahre älterer Ex-Freund sind 2009 für den Mord an der 21-jährigen britischen Studentin Meredith Kercher zu 26 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Kercher war am 2. November 2007 in ihrem Apartment, das sie gemeinsam mit Knox bewohnt hatte, tot aufgefunden worden: halbnackt, vergewaltigt und mit durchschnittener Kehle.

(hag)