In Rio gestrandet

27. Juli 2014 12:33; Akt: 27.07.2014 17:00 Print

Argentinien-Fans wollen nicht mehr nach Hause

Die WM ist längst vorbei, und dennoch wimmelt es in Brasilien von Argentiniern. Der Grund: Viele haben kein Geld, um zurückzukehren. Andere fühlen sich dort einfach pudelwohl.

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Die WM ist schon längst vorbei, doch in Rio wimmelt es immer noch von Argentiniern. (Bild: Keystone/AP/leo Correa)

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Durch die Strassen Rios schlendern knapp zwei Wochen nach dem WM-Final immer noch Zehntausende argentinische Fans. Ihre blauweissen Fussball-Shirts sind unverkennbar. Wieso gehen sie nicht nach Hause? Viele haben ihr ganzes Geld ausgegeben und können sich das Ticket für die Rückreise nicht mehr leisten.

Doch viele andere fühlen sich in Brasilien schlicht und einfach wohl. «Brasilien ist wunderschön. Ich bleibe hier», sagt der 23-jährige Lucas Pontoni gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Er sei für den Final am 13. Juli nach Rio gereist und sei nun pleite. Sorgen macht sich der junge Mann allerdings keine. Tagsüber jongliert er an den Kreuzungen und bekommt dafür hier und da ein paar Reais. Einmal am Tag holt er sich in den Armenküchen etwas zu essen.

Der milde brasilianische Winter hilft auch mit: Pontoni schläft im Park – zusammen mit anderen obdachlosen Landsleuten. «Vielleicht bleibe ich noch ein paar Wochen oder Monate», sagt er. Oder auch länger, je nachdem, «was das Schicksal mit mir vorhat».

Keine Kontrollen an der Grenze

Die romantische Vision des Argentiniers passt den brasilianischen Behörden gar nicht: Die gestrandeten Fussball-Fans belasten die Kassen des Sozialwesens schwer. «Wir wurden vom Massenansturm der Argentinier völlig überrascht», meint Rios Tourismus-Sekretär Antonio Pedro Figueira de Mello im Interview mit der Zeitung «O Globo».

Weil Argentinier zum Einreisen in Brasilien keinen Pass bräuchten, habe man nicht richtig kontrolliert, «wer alles über die Grenze kommt», sagt de Mello. «Überall auf der Welt müssen die Gäste angeben, wo und wie lange sie bleiben und ob sie eine Gesundheitsversicherung haben. Wir haben das nicht verlangt.»

Mobiles Konsularamt aus Argentinien eingetroffen

Das argentinische Aussenministerium schreitet in der Sache ein. «Personal aus Buenos Aires reiste bereits zu Beginn der WM nach Brasilien, um den Argentiniern in Not zu helfen. Ein mobiles Konsularamt begleitete sie von einem Spielort zum anderen», sagt ein Pressesprecher zu 20 Minuten. Den Gestrandeten werden provisorische Ausweise ausgestellt und viele, die nach Hause wollten, haben ihr Busticket bezahlt bekommen.

Fussballfan Lucas Pontoni denkt nicht daran zurückzukehren. Ihm gefällt es in Brasilien. Zusammen mit zehn anderen Argentiniern – seine neue Kollegen – stellt er jetzt Armbänder her, die sie über den Sommer an den Stränden zu verkaufen wollen. Vielleicht zieht er auch etwas weiter in den Norden. «Ich kam nach Brasilien für die WM, aber jetzt bleibe ich. Es lebt sich gut hier», sagt er.

(kle)