Nach Bombenentschärfung

04. Dezember 2011 17:30; Akt: 04.12.2011 18:53 Print

Aufatmen in Koblenz

Die beiden im Koblenzer Rhein gefundenen Weltkriegsbomben sind am Nachmittag unschädlich gemacht worden. 45 000 Menschen durften jetzt in ihre Häuser zurückkehren.

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Es war die grösste Evakuierungsaktion wegen eines Blindgängers seit dem 2. Weltkrieg: Experten des Kampfmittelräumdienstes haben am Sonntag um 15.45 Uhr die britische Fliegerbombe im Rhein in Koblenz entschärft. «Die amerikanische Bombe allerdings ist stark deformiert und war schwierig zu entschärfen», sagte ein Mitarbeiter zu «N-TV». Doch auch dies glückte. Zudem musste ein Fass mit giftigen Chemikalien unschädlich gemacht werden. Die 45 000 Evakuierten durften anschliessend wieder in die Stadt zurückkehren. Das Evakuierungsgebiet rund um die Bomben war erst freigegeben werden, nachdem bei Messungen keine Schadstoffe in der Luft gefunden wurden.

«Wir sind erleichtert», sagte Feuerwehrsprecher Manfred Morschhäuser am Sonntag nach der Arbeit der Experten vom Kampfmittelräumdienst. Die Entschärfung hatte knapp zweieinhalb Stunden gedauert. Neben der 1,8 Tonnen schweren Fliegerbombe und der kleiner US-Fliegerbombe von 125 Kilogramm mussten sich die Experten auch um ein Fass mit giftigen Chemikalien kümmern. Die Fundstücke waren im Rhein aufgetaucht, der nach dem ungewöhnlich trockenen November einen sehr niedrigen Wasserstand hat.

45 000 Menschen evakuiert

Wegen der Entschärfung der britischen Luftmine haben bis Sonntagmorgen 45 000 Koblenzer ihre Wohnungen geräumt. Ab 6.30 Uhr fuhr die Bundeswehr durch die Strassen und forderte die Anwohner über Lautsprecher auf, bis spätestens 9 Uhr ihre Häuser zu verlassen. Staus hatten sich keine gebildet. Rund 1000 Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Feuerwehr waren von Tür zu Tür gezogen und hatten die letzten Leute aus den Betten geklingelt. «Wir sind selbst überrascht, wie einsichtig die Koblenzer waren», sagte Feuerwehrsprecher Norbert Gras. Es mussten gerade einmal vier Türen vom Schlüsseldienst geöffnet werden. Drei Wohnungen waren leer, obwohl Licht brannte, in einer wohnte eine verwirrte Frau. «So wenig Aufbrüche hatten wir noch nie bei einer Evakuierung», sagte Gras.

Ab mittags durfte kein Schiff mehr den Rhein passieren, um 12.40 Uhr stand dann auch der Zugverkehr der 106.000-Einwohner-Stadt auf beiden Seiten des Rheins still. Zudem sperrte die Polizei drei Bundesstrassen und blockierte mit Einsatzfahrzeugen die Zufahrtsstrassen in das Gefährdungsgebiet.

Damm um die Bombe errichtet

Die 1,8 Tonnen schwere Mine mit drei Zündern wurde vor zwei Wochen wegen des Niedrigwassers im Rhein gefunden. Bevor die Luftmine unschädlich gemacht werden konnte, musste sie trockengelegt werden. Dazu errichteten in den vergangenen Tagen Helfer einen Damm aus 350 Sandsäcken.

Koblenz war schon öfter Schauplatz spektakulärer Entschärfungen, weil die Stadt im Zweiten Weltkrieg als Militärzentrum und Verkehrsknotenpunkt stark bombardiert worden war. Bei der zuvor umfangreichsten Evakuierung in der Nachkriegsgeschichte hatten am Pfingstmontag 1999 rund 15'000 Koblenzer ihre Häuser räumen müssen.


(Impressionen aus Koblenz)

(aeg/am/jam/sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John W am 03.12.2011 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Theater

    Wegen dieser Mini-Bombe machen die so ein Theater? :O

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  • Pascal Buchwalder am 03.12.2011 23:50 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit geht vor

    Da ich viele Freunde in Koblenz habe bin ich froh das mehr vorgesorgt wird was dem einen übertriben vorkommt , schätzen die Leute bestimmt. Lieber mehr Sicherheit als Personenschaden , ich hoffe mal das wirklich alles ganz einfach geht denn Koblenz und vorallem das deutsche Eck in unmittelbarer Nähe sind echt einen Besuch wert.

  • giorgio am 04.12.2011 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    evakuieren ist in dem fall besser

    also jeder der meint das die leute in ihren häuser bleiben sollten das wäre billiger weiss nicht das wenn die bombe hoch gehen sollte im umkreis von 250 meter kein haus mehr stehen bleibt. also von daher ist es besser 45000 leute in sicher bringen. währe mir auch liber.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bombi am 05.12.2011 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine ganze Stadt evakuieren?

    Diese Aktion war doch total übertrieben. Über Deutschland wurden Millionen Bomben abgeworfen, wieso evakuiert man wegen einer einzigen eine ganze Stadt und micht bloss die nähere Umgebung? Wenn eine Bombe so gefährlich für eine ganze Stadt wäre, hätten die Amis damals wohl kaum soviele benötigt. Finde es lächerlich übertrieben.

  • Heliamphora am 04.12.2011 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso evakuieren (von Wikipedia)

    "Die im Vergleich zu konventionellen Sprengbomben um ein Vielfaches stärkere Druckwelle zerstörte im Umkreis von 100 Metern alle Gebäude gewöhnlicher Bauart, riss im freien Gelände bis zu 1000 Meter weit Türen und Fensterrahmen heraus und ließ Fensterscheiben noch in einer Entfernung von 2000 Metern zersplittern. Wenn solche Bomben gezielt über Wohngebieten explodierten, deckten sie die Dächer im Umkreis von mehreren 100 Metern ab.(...)Direkte Opfer von Luftminen starben an Lungenriss." Noch Fragen?

  • Tinu am 04.12.2011 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    An alle Skeptiker und Paranoia Schreier

    Seht euch mal auf youtube ein paar Videos von Bombenexplosionen oder Sprengungen an, dann wisst ihr, wieso die so ein Theater machen! Paranoia? Die wissen wohl besser, was sie machen. die kennen das nicht aus Videospielen oder so. Eine 60 Jahre alte Bombe entschärfen, die total verrostet ist! Da weiss man nie, wie intakt das ganze noch ist, ob der Zünder beschädigt ist oder nicht und ob das gleich hochgeht, wenn man daran was macht!

  • Flying Fortess am 04.12.2011 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Ja hoffentlich wird ein risiger Teil evakuiert. Stellt euch vor nur einer stirbt durch ein splitter und weitere werden schwer verletzt gäbe es von allen Seiten vorwürfe! Wenn man bedenkt das nur bei einer Handgranate 85 der Armee einen Sicherheitsabstand von 200 Meter eingehalten werden muss!

  • Heihecken am 04.12.2011 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung? Dann seid ruhig!

    Es wäre schön, wenn die, die wirklich überhaupt keine Ahnung haben und das Ganze abtun als übertrieben, einfach mal ruhig sein. Es gibt aus Rücksichtnahme auf das Team, das hier sein Leben riskiert, keine Livecams. Und wer meint, das zu brauchen, sollte sich doch selbst hinter die Kamera stellen und möglichst nah ran gehen. Ich bin aus Koblenz und weiß, worum es hier geht.

    • Raphael Hodel am 04.12.2011 16:28 Report Diesen Beitrag melden

      Kurz, treffend... Genial

      Hei Heihecken - Finde ich Gut, mag ich, geniale aussage von dir. Die neuen medien sind nebst segen auch fluch. Leute glauben alles zu wissen, dabei können sie die infos gar nicht mehr unterschieden... pffff so blöde die leute doch sind!

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