Jane Austen in dreckig

27. Juli 2012 12:26; Akt: 27.07.2012 13:41 Print

Aufgegeilte Klassiker

Ein britisches Verlagshaus schreibt literarische Werke neu und spickt sie mit Liebesakten. Nun schimmert die Erotik nicht mehr zwischen den Zeilen, sondern trieft geradezu aus den Seiten.

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Das berühmteste Werk der britischen Schriftstellerin Jane Austen ist «Stolz und Vorurteil». Das 1813 erschienene Buch ist nicht nur als Liebesroman zu verstehen, sondern auch als Studie über Leben und Leute in jener fernen Zeit. Das Jahrhundertwerk erfreut sich auch heute noch grosser Beliebtheit. Dank unzähliger Auflagen, einiger Verfilmungen und sogar der Umsetzung als Broadway-Musical (1959) ist sein Inhalt einer der bekanntesten der englischsprachigen Literatur.

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Doch das ist, wenn es nach dem Gusto des britischen e-Book-Verlages «Clandestine Classics» geht, nicht genug. Was dem Werk, das der Liebesgeschichte zwischen Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy zum echten Happy End fehlt, sei Erotik. Explizite Erotik. Deshalb wurde das Buch laut «gawker.com» neu geschrieben: Zwischen den Zeilen trieft es vor Sex.

Austen hätts gern selber gemacht

Claire Siemaszkiewicz, die Verantwortliche bei Clandestine Classics, erklärt, dass es nicht die Absicht ihres Teams sei, die Originale zu entstellen, sondern einfach die fehlenden Sexszenen reinzuschreiben. Das hätte Austen sehr gerne selber gemacht, doch die damalige Moralvorstellung hätte ihr das nicht erlaubt. «Wenn ich solche Klassiker lese, denke ich oft an das Potenzial, das eine ‹unzensurierte Version› hätte, welche die Autoren damals nicht schreiben konnten - oder wollten», so Siemaszkiewicz.

Austens Liebesschinken ist natürlich nicht das einzige literarische Werk, welches aufgesext werden muss. Als nächstes sollen Dracula, Die Schatzinsel, Die drei Musketiere (ho! ho! ho!) und das Phantom der Oper gepimp(er)t werden.

Die einen finden diese Idee plump: Man könne doch die sexuelle Spannung zwischen den Zeilen lesen, die müsse dem Leser nicht extra aufs Auge gedrückt werden. Befürworter werden argumentieren, dass mit einer Latte von Sexszenen auch Lesemuffel ab und an mit einem Buch vor der Nase anzutreffen seien, was der Bildung bekömmlich wäre.

Wenn der Huckleberry mit dem Tom

Wie sehen Sie das? Fänden Sie es gut, wenn der Huckleberry mit dem Tom oder der Watson mit dem Holmes? Fehlen Ihnen in Winnetou die Fesselspielchen am Marterpfahl? Und was ist mit unserem Nationalhelden? Was trieb Wilhelm wirklich auf der Tell-Platte?

Die Bibel müsste ganz neu geschrieben werden. «Jungfrauengeburt»: Was geschah wirklich in Josefs Ehebett? Und warum vor den Kleinen stoppen? Endlich sollte Schluss gemacht werden mit der Mär, dass Bob de Boumaa lieber seine Maschinen als seine Rita besteigt.

Wissen wollen wir auch, wo Benjamin Blümchen in Tat und Wahrheit überall seinen Rüssel reinstreckt. Und wer im Ernst glaubt, dass Märchen-Hexen ausschliesslich auf Besen reiten, ist schlicht naiv. Wenn Sie weitere Beispiel haben, dann schreiben Sie diese doch bitte - jugendfrei - in die Kommentare.

(lue)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich finde das ganze extrem respektlos gegenüber den Schriftstellern und den Werken selbst. Ein Roman ist das Werk einer Person und es hat niemand das Recht, dieses zu verschandeln. Hätten die Autoren gewollt, dass solche Romante dabei heraus kommen, dann hätte sie sie so geschrieben. Ausserdem nimmt man den Geschichten ihren ganzen Reitz. Gerade bei Jane Austen ist es doch gerade so spannend, dass es eben nicht passiert. Die Sexualisierung kennt keine Grenzen mehr und macht nicht mal mehr vor den grossen Werken halt. Ich schäme micht wirklich! – Leseratte

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • irene adler am 27.07.2012 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    holmes? klar!

    die sache mit dem sherlock und dem watson ist nicht so weit hergeholt. holmes wird von doyle auch als homosexuell beschrieben, nur einer einzigen frau gegenüber zeigte er zuneigung.

  • roland am 27.07.2012 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schneewitchen

    heisst es nicht "schneewitchen mit den sieben zwergen"?

  • Leseratte am 27.07.2012 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Respektlos

    Ich finde das ganze extrem respektlos gegenüber den Schriftstellern und den Werken selbst. Ein Roman ist das Werk einer Person und es hat niemand das Recht, dieses zu verschandeln. Hätten die Autoren gewollt, dass solche Romante dabei heraus kommen, dann hätte sie sie so geschrieben. Ausserdem nimmt man den Geschichten ihren ganzen Reitz. Gerade bei Jane Austen ist es doch gerade so spannend, dass es eben nicht passiert. Die Sexualisierung kennt keine Grenzen mehr und macht nicht mal mehr vor den grossen Werken halt. Ich schäme micht wirklich!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lizzy am 30.07.2012 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sex sells.. 

    "Sex sells"...jedem das Seine. Ich bleib bei den stilvollen Klassikern, aber wer sich diese sexualisierte Neuinterpretation dieser Werke zuführen möchte..go for it! Entweder man hat Stil und Niveau oder eben nicht.

  • irene adler am 27.07.2012 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    holmes? klar!

    die sache mit dem sherlock und dem watson ist nicht so weit hergeholt. holmes wird von doyle auch als homosexuell beschrieben, nur einer einzigen frau gegenüber zeigte er zuneigung.

  • Robert L. Stevenson am 27.07.2012 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Legal oder Illegal?

    Meine Frage ist einfach die: Ist das legal? Ich habe meine Zweifel ! Falls es legal ist muss sowas unter allen Umständen unterbunden werden. Die Leute sollen endlich lernen eigene Geschichten zu schreiben und nicht altes zu versauen und zu zerstören. Die Gesellschaft braucht endlich wieder gehobenes Niveau und keinen neuen Schund! Davon haben wir weiss Gott genug!

  • roland am 27.07.2012 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schneewitchen

    heisst es nicht "schneewitchen mit den sieben zwergen"?

  • Leseratte am 27.07.2012 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Respektlos

    Ich finde das ganze extrem respektlos gegenüber den Schriftstellern und den Werken selbst. Ein Roman ist das Werk einer Person und es hat niemand das Recht, dieses zu verschandeln. Hätten die Autoren gewollt, dass solche Romante dabei heraus kommen, dann hätte sie sie so geschrieben. Ausserdem nimmt man den Geschichten ihren ganzen Reitz. Gerade bei Jane Austen ist es doch gerade so spannend, dass es eben nicht passiert. Die Sexualisierung kennt keine Grenzen mehr und macht nicht mal mehr vor den grossen Werken halt. Ich schäme micht wirklich!

    • _Tom_ am 27.07.2012 16:24 Report Diesen Beitrag melden

      Hommage

      Man kann es auch als Hommage bezeichnen. Eigentlich ist es eine literarische neu Interpretation. Von Filmen sind wir uns das schon lange gewohnt (suche mal in IMDB nach Robin Hood, da gibts sogar eine Variante mit Drachen). Bei Büchern ist es auch nichts Neues. Ich persönlich mag Seth Greens "Pride, Prejudice & Zombies". Bei der Sexualisierung sehe ich auch kein Problem, niemand muss es lesen (Und mehr Sex und Gewalt als die 20min Homepage welche Du offensichtlich liest, wirds wohl nicht haben, ausserdem ist es fiktiv).

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