Zyklon Yasi

02. Februar 2011 06:33; Akt: 02.02.2011 09:46 Print

Australien erwartet «Killer-Sturm»

An der Ostküste Australiens herrscht Besorgnis: Ein riesiger Zyklon dürfte grosse Verwüstungen anrichten. Tausende haben ihre Häuser verlassen.

Bildstrecke im Grossformat »
3. Februar 2011: Der Monster-Sturm ist über Australien hinweg gefegt und hat zahlreiche Häuser zerstört. Zu den am heftigsten getroffenen Orten gehören der kleine Ort Mission Beach zwischen Cairns und Townsville ... ... sowie die Stadt Tully, rund dreissig Kilometer von der Küste entfernt. Tully bietet mit seinen abgedeckten Häusern ... ... und abgerissenen Stromleitungen ein Bild der Zerstörung. Mehr als 170'000 Menschen seien ohne Strom. Auch die Strandpromenade in Townsville war vom Sturm betroffen. Auf seinem Weg über das Festland verlor der Zyklon etwas an Kraft, da er dort auf kühlere Luftströme traf. Der Wirbelsturm der höchsten Kategorie fünf der international gebräuchlichen Saffir-Simpson-Skala wurde auf die Kategorie drei herunter gestuft. Die Wiederherstellung der Stromversorgung ist nun eine der vorrangigsten Aufgaben. Dies kann in einigen Regionen aber Tage, wenn nicht gar Wochen dauern. Cairns, eine Stadt mit 12'000 Einwohnern, rund 1700 Kilometer nördlich von Brisbane lag zwar in der «Schusslinie» des gewaltigen Wirbelsturms, wurde aber weitgehend verschont. 2. Februar, ca. 19.00 Uhr (Ortszeit): In Townsville haben sich die Einwohner in Kellern und anderen Schutzräumen verbarrikadiert. 18.30 Uhr: Auf den Strassen ist kaum noch jemand zu sehen. In Ayr gibt es schon die ersten Stromausfälle, und der Wind ist stark genug, um grosse Bäume zu entwurzeln. Leserreporter Marcel K., der gerade durch Australien reist, wäre am Mittwoch in Cairns angekommen. Als er die Warnungen in den australischen Medien sah, änderte er kurzerhand seine Pläne: «Wir sind nach Brisbane geflogen, 1300 Kilometer vom Sturm entfernt.» Der Zyklon Yasi hat mit 400 Kilometern Durchmesser riesige Ausmasse. Hunderte finden im Rathaus... ...oder in Supermärkten Unterschlupf, wie hier in Cairns. Die Familien haben nur gerade das Nötigste mitnehmen können. Wer es sich leisten konnte, hat noch einen der letzten Flüge Richtung Süden gebucht. Mittlerweile sind die Flughäfen geschlossen. In der Küstenstadt Cairns haben die Ladenbesitzer ihre Glasfassaden verbarrikadiert. Die Küstenwache fürchtet eine meterhohe Flut, die tausende Häuser überschwemmen könnte. Die Flutwelle dürfte bis zu sieben Meter hoch sein. Ob diese Plastikabdeckung ausreichend schützt?

Zum Thema
Fehler gesehen?

Zehntausende Bewohner an der Küste des australischen Bundeslandes Queensland haben sich am Mittwoch vor einem «Monster-Zyklon» in Sicherheit gebracht. Der Wirbelsturm «Yasi» sollte nach Berechnungen von Meteorologen am Abend (Ortszeit) die Küste mit Geschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde erreichen. Die Ministerpräsidentin von Queensland, Anna Bligh, sagte, ein derart starker Zyklon habe Queensland zuletzt 1918 heimgesucht.

«Es ist ein so ein gewaltiger Sturm, es ist ein Monster, ein Killer-Sturm», sagte sie. Der Zyklon mit einem Durchmesser von 500 Kilometern hatte am Mittwochmorgen die höchste Kategorie fünf erreicht. Yasi" habe eine Zerstörungskraft wie Hurrikan «Katrina», der 2005 die US-Südküste und New Orleans verwüstete.

«24 Stunden Terror»

«Die Auswirkungen des Zyklons sind wahrscheinlich lebensbedrohlicher als alles andere in den letzten Generationen Dagewesene.» Sie wisse, dass Queensland in jüngster Zeit viel ertragen habe, aber nun werde noch mehr verlangt. «Und ich bin zuversichtlich, dass wir dieser nächsten Herausforderung gewachsen sein werden.»

«Yasi» dürfte bis zu 24 Stunden wüten und einen Küstenstreifen von mehr als 700 Kilometern Länge in Mitleidenschaft ziehen, warnten die Meteorologen. An der Küste drohe eine «tsunamiähnliche» Sturmflut mit meterhohen Wellen. Die rund 300 000 Menschen, die in dem Gebiet leben, wurden eindringlich vor den Gefahren gewarnt.

Schon 2006 verwüstet

Küstenbewohner sollten ihre Wohnungen verlassen. Es wurden riesige Wellen und Hochwasser erwartet. Bewohner landeinwärts sollten sich «einbunkern». «Die nächsten 24 Stunden werden - offen gesagt - für viele Menschen sehr Schrecken erregende 24 Stunden sein», sagte Bligh. Sie erwarte, dass der Strom ausfallen wird. Auch Telefonverbindungen würden unterbrochen werden. Mehr als 340 Schulen seien vorsorglich bis mindestens Ende der Woche geschlossen.

«Yasi» sollte südlich von Cairns und den Ortschaften Innisfail und Cardwell zuerst auf Land treffen. Die Region wurde 2006 vom Zyklon «Larry» verwüstet. Für Queensland, das bereits seit Wochen mit Hochwasser zu kämpfen hat, wurde ergiebiger Regen vorhergesagt. Mehr als 9000 Einwohner in der Küstenregion von Cairns wurden angewiesen, ihre Häuser zu verlassen. Erwartet wurden mindestens zwei Meter hohe Wellen, die Teile der Stadt überspülen könnten.

Kranke und Alte ausgeflogen

Mit Militärflugzeugen wurden Kranke und ältere Menschen in sichere Gebiete im Süden gebracht. Fluggesellschaften organisierten Sonderflüge für Dienstagabend, da der Flughafen am Mittwochmorgen bis auf Weiteres geschlossen wurde. Touristen verliessen die Hotelanlagen entlang der Küste und brachen ihren Urlaub ab.

Laut Bligh suchten etwa 9500 Anwohner in einem Evakuierungszentrum Zuflucht. Bligh sagte, 250 Patienten aus Cairns sollten per Helikopter nach Brisbane gebracht werden. Auch Altersheime wurden geräumt.

So schnell und weit wie möglich nach Süden fliehen

Der Leiter des Katastrophenschutzes, Ian Stewart, erklärte, die Menschen in der betroffenen Region sollten so schnell und weit wie möglich nach Süden fahren.

Anfang der Woche war Zyklon «Anthony» auf Queensland getroffen, hatte über Land aber rasch an Kraft verloren. «Yasi» soll weiter nördlich vorbeiziehen und die Stadt Brisbane verschonen, die von den jüngsten Überschwemmungen besonders betroffen war.

Die Region hat seit November mit heftigen Regenfällen und Überschwemmungen zu kämpfen. 35 Menschen kamen bisher ums Leben, 30 000 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. Die Regierung hat die entstandenen Kosten auf 5,6 Milliarden australische Dollar (4,1 Milliarden Euro) geschätzt.

Dienstagabend in Townsville: «Yasi» ist noch 275 Kilometer entfernt - und es windet bereits stark

(kle/ap)