Nach Infektion

18. Mai 2012 14:50; Akt: 18.05.2012 14:53 Print

Bakterien fressen Aimee von innen auf

Aimee Copeland hat sich vor zwei Wochen mit einem fleischfressenden Schädling infiziert. Bereits musste ihr ein Bein amputiert werden. Nun bangen die Ärzte um ihre Hände.

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Aimee Copeland gibt nach ihrem Unfall vor vier Monaten erstmals ein TV-Interview. In der Sendung «Katie» erzählte die 24-Jährige von ihrem Alltag. Ihr Psychologie-Studium hat sie trotz langer Abwesenheit nicht aufgegeben. Im Gegenteil: Copeland schreibt wieder an ihrer Abschlussarbeit. Mit Hilfe einer speziellen Software diktiert sie den Inhalt ihrer Arbeit. Korrekturen und Änderungen führt sie am Computer mit der Nase durch. Aimee Copeland darf endlich das Spital verlassen. Die 24-Jährige wird mit der Ambulanz in eine Reha-Klinik gebracht. Die junge Frau zeigt sich auch in dieser Phase tapfer. Sie hat die Unterstützung ihrer Familie. Während Aimee für ein paar Wochen in der Klinik ist und lernt, mit Prothesen zu gehen, baut ihr Vater das Haus um, damit sie sich auch dort selbstständig bewegen kann. Aimee Copeland am : Das ist das erste öffentliche Bild der 24-Jährigen nach ihrer Einlieferung im Spital anfangs Mai. Die junge Frau hatte sich bei einem Badeunfall mit einem seltenen Bakterium infiziert, das den Körper des Opfers von innen verfaulen lässt. Eigentlich hatte die Psychologie-Studentin aus Augusta, US-Bundesstaat Georgia, grosses Pech: Die Bakterien sind an sich für den Menschen ungefährlich. In den meisten Fällen verursacht es nicht mehr als Durchfall. Doch bei Copeland löste «Aeromonas hydrophila» eine «Nekrotisierende Fasziitis» aus, die sich durch ihren Körper frisst. musste Copelands linkes Bein amputiert werden. Anfang Juni wurden ihr zudem der rechte Fuss und beide Hände amputiert. Das Gewebe war komplett abgestorben. In den USA wurde der Fall rege verfolgt. Täglich gab Copelands Vater Andy Auskunft über ihren Zustand.

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Der Fall Aimee Copeland macht dieser Tage die Runde in den US-Medien und wird sehr interessiert von der Öffentlichkeit verfolgt. Täglich gibt der Vater der 24-jährigen Psychologie-Studentin aus Augusta im US-Bundesstaat Georgia Auskunft über ihren Zustand, täglich erkundigen sich Agenturen und Zeitungen über den Verlauf ihrer Krankheit. Denn Aimee Copeland kämpft um ihr Leben.

Die attraktive Blondine hatte sich am 1. Mai bei einem Ausflug an den Fluss Tallapoosa an der Wade verletzt. Die Schnittwunde war zwar tief, wurde aber wie in einem solchen Fall üblich im Spital genäht. Copeland wurde wenige Stunden nach dem Unfall wieder nach Hause entlassen. Doch ihr Zustand sollte sich bald verschlechtern.

Finger müssen amputiert werden

Erste Untersuchungen brachten eine schreckliche Diagnose ans Licht: In der Wunde hatten sich fleischfressende Bakterien eingenistet. Die «Aeromonas hydrophila» sind für den Menschen nicht besonders gefährlich. In den meisten Fällen verursachen sie nicht mehr als Durchfall. In den letzten Jahrzehnten waren die lebensgefährlichen Fälle rasant zurückgegangen. Doch bei Copeland waren die Konsequenzen des Infekts dramatisch.

Die Aeromonas lösten eine «Nekrotisierende Fasziitis» aus, die sich durch den Körper des Opfers frisst und ihn verfaulen lässt. Vor wenigen Tagen musste Copelands Bein amputiert werden. Derzeit kämpfen die Ärzte um ihre Hände. «Ihre Finger hat sie bereits verloren», sagt ihr Vater Andy gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Die Extremitäten seien «mummifiziert, das Gewebe ist abgestorben.»

Familie gibt Auskunft – mit allen Details

Das Mädchen wird in einem Sauerstoffzelt betreut. Der pure Sauerstoff soll bewirken, dass ihr Körper mehr weisse Blutkörperchen bildet, die gegen die Bakterien ankämpfen. Die Ärzte entfernten zudem Hautstreifen von Torso und Rücken, damit die Krankheit sich nicht ausbreiten kann.

Täglich wird Andy Copeland nach dem Zustand seiner Tochter gefragt. Er erklärt geduldig, wie die Familie im Moment mit dem Thema umgeht. «Ich weiss gar nicht, ob Aimee schon gemerkt hat, dass ihr das Bein amputiert wurde», sagt er. «Wir sagen ihr nichts und fragen auch nicht nach.» Er freue sich, dass seine Tochter wieder ansprechbar ist. «Sie hat schon nach ihrem Handy und ihrem Laptop gefragt», erzählt er. Die Geräte könne sie zwar nicht bedienen, doch für ihn sei das ein gutes Zeichen. Ihre Schwester Paige bleibe stundenlang an ihrem Bett und lese ihr vor, erzählt Vater Andy weiter. «Mit dem neuen Nahrungsschlauch werden wir sie auch bald besser verstehen, oder zumindest Lippen lesen können.» Dann verabschiedet er die Medien – bis zum nächsten Mal.

(kle)