Feierabend, Feiertag

15. August 2013 12:02; Akt: 15.08.2013 12:08 Print

Bayern schafft Mariä Himmelfahrt ab

Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen: Weil in einigen bayrischen Dörfern laut Zensus inzwischen mehr Protestanten als Katholiken leben, soll ein Feiertag gestrichen werden.

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Einige bayrische Gemeinden müssen ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Dieser katholischen Glaubensgemeinschaft und ihren Kühen im Landkreis Rosenheim geht es da besser. (Bild: Keystone/AP/Diether Endlicher)

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Es gab einmal im grossen Land der Teutonen einen Ort, der sich Bayern nannte. Hier lebten schon immer besonders brave Bürger, die gottesfürchtig und arbeitsam waren. Der Gott, den sie anbeteten, war katholisch: Er liess sich von einem Menschen auf Erden vertreten, weil er selbst unabkömmlich war.

Sicher, es gab in den Gemeinden auch andere Bürger. In Baiersdorf, in Memmingerberg und Speichersdorf wohnten noch andere Christen. Protestanten wurden sie geschimpft, weil die sie vom rechten Weg abgekommen waren und keine Bischöfe mehr verehren wollten. Sie sind in Bavarias Bergregionen auch als «Saupreuss» bekannt.

«Evangelen» als Lebensretter?

Heute müssen die Bewohner besagter drei Dörfer dafür büssen, dass sie den Andersgläubigen Tür und Tor geöffnet haben: Sie werden 2014 einen katholischen Feiertag verlieren, weil die Protestanten ihnen nun zahlenmässig überlegen sind. Schon im kommenden Jahr wird Mariä Himmelfahrt abgeschafft. Haben sich die braven Kirchgänger zu wenig vermehrt?

Die Schuld des Pfarrers sei es nicht, versichert Bürgervorsteher Manfred Porsch der Gazette «Süddeutsche Zeitung». «Wir sind eine sehr gläubige Gemeinde. Es gibt acht Kirchen für knapp 6000 Einwohner.» Der Katholikenschwund habe andere Gründe. Zuzügler wie beispielsweise Spätaussiedler hätten den Anteil der Protestanten erhöht, so dass diese jetzt 122 mehr Gläubige stellen als die Katholiken. «Und eigentlich ist es ja erfreulich, dass unser Dorf nicht ausstirbt.»

Herodes: Nächste Volkszählung erst in einem Vierteljahrhundert

Selbst wenn man evangelische Dorfbewohner vertreiben würde oder – die christlichere Alternative – mehr Katholiken zuzögen, wäre der katholische Feiertag kaum zu retten. Porsch geht davon aus, «dass die nächste Volkszählung in 25 Jahren stattfindet». Ein weiteres Problem: Die Lutheraner sind im Durchschnitt jünger als die Papst-Anhänger.

Und dann gibt es ja auch noch diesen Säkularismus. Porsch weiss: «Als Bürgermeister ist es sicher nicht meine Aufgabe, Menschen vom Katholizismus zu überzeugen.» Die Lösung kann also nur eine sein: Wenn in Speichersdorf in genau einem Jahr an Mariä Himmelfahrt weiterhin frei sein soll, können Bayern nur noch Missionare helfen.


Himmel Sakra Kruzitürken: Niemand schimpft so schön wie die Bayern, wie dieser Comedian beweist

(phi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Darwin am 15.08.2013 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative:

    Ein landesweiter Tag des Friedens oder ein Tag der Wissenschaft wäre viel sinnvoller. Dann würden sich vielleicht auch mehr Menschen damit befassen. Wieso noch alten Geschichten Glauben schenken, welche so oft Leid und Konflikte verursachen?

  • olga lieder am 15.08.2013 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ne nicht ganz

    Hier stimmen meines Erachtens die Aussagen nicht so ganz. Sowohl in Baiersdorf wie auch in Memmingerberg ist die usprüngliche Hauptkirche seit eh und je evangelisch. Die Baiersdorfer Kirche der Katholiken wurde erst 1925 errichtet. In Speichersdorf wundere ich mich nicht, da die umliegenden Gemeinden im Kreis Bayreuth ebenso evangelisch geprägt sind.

  • Boarisch am 15.08.2013 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Jo mei

    Dann gemma hoid den Feiadog ob. Na und? Gemma oabeitin, wia dia ondan a. Sakra.... .

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Festlicher am 16.08.2013 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feiertage einführen, nicht abschaffen !

    Ich wohne im Tessin. Dort wird sehr viel gefeiert. Man sollte sich in CH den Kanton Tessin als Beispiel nehmen.

  • chipsy am 16.08.2013 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kirchen

    steuern für die kirche, und wem helfen die, nicht dem, der die steuern bezahlt, nein, ins ausland gehen die spenden! ich habe schon lange meinen austritt gegeben, schafft alle glaubensrichtungen ab!

  • Johann am 16.08.2013 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuern sparen durch Kirchaustritt

    Der Kirche austreten und man geniesse die Freiheit und spart Steuern.

  • Bodo Bär am 16.08.2013 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freikirchler

    Ich gehöre einer Freikirche an. Aber ich gönne jedem seinen Feiertag. Schade dass wir solche Glaubens-Auseinandersetzungen haben.

  • Stefan König am 15.08.2013 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt schon lange viele Reformierte in Bayern

    Schon mal von Franken gehört? Städte wie Nürnberg Bayreuth usw. sind seit 500 Jahren traditionell protestantisch. Aber hauptsache flott geschrieben gell. Und immer feste Klischees bedienen...