Behörde weist Afghanen ab

15. August 2018 22:42; Akt: 15.08.2018 22:43 Print

Kleidung von Asylbwerber zu wenig schwul

In Österreich stellte ein 18-jähriger Afghane einen Asylantrag. Dass er in seiner Heimat wegen seiner Homosexualität verfolgt wurde, nahmen ihm die Beamten nicht ab.

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In Österreich wurde der Asylantrag eines schwulen Afghanen abgelehnt. Die Beamten kauften dem jungen Mann seine Homosexualität nicht ab. Österreich fährt einen harten Kurs in der Flüchtlingspolitik: Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz, der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban und der slowakische Ministerpräsident Peter Pellegrini am Visegrad-Treffen in Budapest. (21. Juni 2018) Die Visegrad-Staaten seien sich einig, «dass Europa in der Lage sein muss, seine Grenzen zu schützen und die Sicherheit seiner Bürger zu garantieren», sagte Viktor Orban. Orban erklärte zudem, die Visegrad-Staatengruppe werde nicht an dem informellen Treffen von zehn Staats- und Regierungschefs der EU an diesem Wochenende teilnehmen. Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (Bild) bezeichnete das Treffen als «inakzeptabel». Insbesondere wegen dieses Schiffes sind die EU-Staaten in Streit geraten: Das Flüchtlingsschiff Aquarius kreuzt regelmässig im südlichen Mittelmeer, um Migranten aus seeuntüchtigen Booten zu retten und nach Italien zu bringen. Die Aquarius nahm Hunderte Flüchtlinge auf, die am Wochenende gerettet worden waren. Erstmals verweigerte Italien einem Rettungsschiff mit Flüchtlingen die Einfahrt in einen Hafen. Italien wollte beweisen, dass in der Migrationskrise künftig eine harte Hand gezeigt wird. Die Aquarius von Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée harrte am Montag weiter im Mittelmeer zwischen Italien und Malta aus. Mindestens 80 Flüchtlinge mussten behandelt werden, weil sie seekrank wurden. Zuletzt teilte das Aussenministerium mit, Frankreich sei bereit, Passagiere des Schiffs aufzunehmen. «Italien kann keine heuchlerischen Lektionen von Ländern akzeptieren, die bei Einwanderungsfragen den Kopf wegdrehen», sagte Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega. Er fordert eine offizielle Entschuldigung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Spanien hat sich nun bereit erklärt, die 629 Flüchtlinge aufzunehmen. (11. Juni 2018)

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Österreichische Behörden haben einem Medienbericht zufolge den Asylantrag eines jungen Afghanen abgewiesen, weil sie ihm seine Angabe, er sei homosexuell, nicht glaubten. «Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten», zitierte das österreichische Wochenmagazin «Falter» am Mittwoch aus dem Ablehnungsbescheid.

Zudem stellte der zuständige Beamte in Niederösterreich demnach bei dem 18-Jährigen ein «Aggressionspotential» fest, «das bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre». Der junge Afghane habe darüber hinaus nicht viele Freunde gehabt, was den Beamten dem Bericht zufolge zu der Frage führte: «Sind Homosexuelle nicht eher gesellig?»


Dass der junge Mann auch bereits heterosexuelle Männer geküsst habe, glaubte der Beamte ebenfalls nicht, wie aus dem Bericht hervorging. «Hätten Sie das tatsächlich bei einem nicht homosexuellen Jungen gemacht, dann hätten Sie furchtbare Prügel bezogen», hiess es demnach.

Der Asylbewerber gab zudem an, dass er seine Homosexualität im Alter von zwölf Jahren festgestellt habe. Der Beamte hielt dies dem Bericht zufolge ebenfalls für unwahrscheinlich, weil dies sehr früh sei - besonders in einer konservativen Gesellschaft wie der afghanischen.

Afghane muss Fluchtgründe beweisen

Der Afghane war unbegleitet und minderjährig nach Österreich gekommen und will die Entscheidung dem Bericht zufolge anfechten. Das Innenministerium in Wien wollte den speziellen Fall nicht kommentieren. Es gab jedoch an, jeder Asylbewerber müsse seine Fluchtgründe beweisen und darlegen können. Homosexualität ist in Afghanistan verboten.

(chi/afp)