Verunglückte Reise-Blogger

19. Januar 2019 20:26; Akt: 19.01.2019 20:26 Print

Beim Sturz in die Tiefe war das Paar betrunken

Ein Blogger-Paar aus Indien ist im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien von einem Aussichtspunkt gestürzt. Nun liegt der Autopsiebericht vor.

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Von Amerika über Italien bis hin nach Holland – das Reisen war die grösste Leidenschaft von Meenakshi Moorthy und Vishnu Viswanath aus Indien. Das Blogger-Paar hielt seine über 13'000 Instagram-Follower stets über seine neuen Abenteuer auf dem Laufenden und postete regelmässig Beiträge auf seinem Blog «Holidays and Happily Ever After». Sein Ausflug in den Yosemite-Nationalpark Ende Oktober endete für das Paar nun tödlich. Bei dem Versuch, ein perfektes Foto am berühmten Taft Point (ein Felsvorsprung im Park) zu machen, stürzte ... ... das Paar rund 245 Meter in die Tiefe. Erst einen Tag später konnten ihre Leichen geborgen werden. Dass die beiden auf atemberaubende und gleichzeitig gefährliche Fotospots standen, zeigt ein Insta-Bild vom Frühling. Darauf zu sehen ist Moorthy, wie sie sitzend auf einem Felsen vor dem Abgrund im Grand-Canyon-Nationalpark posiert. Die beiden sind nicht die einzigen Fotojäger, die wegen Selfies ihr Leben verloren haben. Kurz nach diesem Selfie im Auto starb etwa Collette Moreno (links). Beim Selfie-Posing stürzten erst im Juni zwei Australier in den Tod. Das Paar liess im portugiesischen Badeort Ericeira das Smartphone fallen. Wohl beim Versuch, es festzuhalten, stürzte es eine fast 40 Meter hohe Mauer hinunter. Beim Fotografieren am Wasserfall Nevada Fall ist ein 18-jähriger Israeli ausgerutscht und abgestürzt. Er habe vermutlich ein Selfie machen wollen, hiess es. Alexander Chechik aus dem russischen Labinsk zog den Stift einer Handgranate – und bezahlte sein gefährliches Selfie, das er mehreren Freunden schickte, mit dem Leben. Er ist kein Einzelfall. Das letzte Foto von Colleen Burns am Grand Canyon: Nur Minuten später stürzte sie 122 Meter tief in die Schlucht, weil sie einem Mann Platz machte, der ein Selfie schiessen wollte. Wegen solcher Erinnerungsfotos kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Am 29. Juni 2016 kletterte ein deutscher Tourist über eine Sicherheitsabsperrung, um ein Selfie vor den Inka-Ruinen in Machu Picchu zu machen. Dann bat er andere, ein Foto von ihm zu schiessen, während er hochsprang. Dabei verlor der Mann das Gleichgewicht und stürzte einen hundert Meter tiefen Hang hinab. Ende Mai 2016 kletterte ein Chinese für ein Foto mit einem Walross ins Tiergehege des Yeshanko Wildlife Zoo in der südchinesischen Stadt Weihai. Kurz darauf war er tot. Im April 2016 wurde eine 19-jährige Chinesin in der Stadt Liantang von einem Güterzug erfasst, als sie sich gerade selbst fotografierte. Im August 2014 wollte ein polnisches Ehepaar in Cabo de Roca in Portugal, am westlichsten Punkt Europas, ein Selfie schiessen. Für ein besseres Bild stiegen sie über die Sicherheitsabsperrung – und stürzten in die Tiefe. Diese Aufnahme ging glimpflich aus, zumindest für das Mädchen im Bild. Weil die Bären-Selfies überhandnahmen, schloss der Waterton Canyon Park in Colorado im September 2015 seine Pforten. Bereits 2014 gab der WWF auch für die Schweiz die Warnung heraus, man solle keine Selfies mit Bären machen.

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Meenakshi Moorthy und Vishnu Viswanath aus Indien liebten das Reisen. Jahrelang führten die beiden einen Blog und teilten ihre Eindrücke auf Instagram. Damit erfreuten sie über 25'000 Follower.

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Im Oktober letzten Jahres wurde ihnen die Jagd nach dem perfekten Foto jedoch zum tödlichen Verhängnis. Das Paar stürzte vom Aussichtspunkt Taft Point im kalifornischen Yosemite-Park rund 245 Meter in die Tiefe.

Alkohol, doch keine Drogen

In dem nun vorliegenden Autopsiebericht heisst es laut dem«Mirror», das Paar sei zu dem Zeitpunkt als es ein Selfie auf der Plattform machen wollte, betrunken gewesen.

In einem E-Mail an die britische Boulevardzeitung schrieben die Ermittler, dass keine Promilleangabe gemacht werden könne. Man habe lediglich festgestellt, dass die beiden getrunken hatten. Drogen habe man allerdings keine nachweisen können. Erst einen Tag nach dem Unglück wurden die leblosen Körper der beiden am Fuss des Taft Point entdeckt.

Dass die Reise-Blogger Gefallen an atemberaubenden und gleichzeitig gefährlichen Motiven fanden, war ihrem Instagram-Account zu entnehmen. Im Frühling 2018 etwa posteten sie ein Bild, auf dem Moorthy auf einem Felsen vor dem Abgrund im Grand-Canyon-Nationalpark posiert hatte.

(kat)