«Nur kurz ausleihen»

29. Dezember 2011 14:38; Akt: 29.12.2011 15:00 Print

Beim ersten Mal war es noch ganz einfach

Das gute Gedächtnis eines Sportartikelverkäufers ist das Pech eines Touristen. Der Verkäufer erkannte in ihm den Mann wieder, der zwei Jahre zuvor ein Mountainbike aus seinem Geschäft gestohlen hatte.

Bildstrecke im Grossformat »
Ein 19-jähriger Franzose hat im September 2018 mit einem Trick eine Playstation 4 für 9,29 Euro gekauft. Er legte die Ware auf die Gemüsewaage und steuerte die Selbstbedienungskasse an. Dumm nur, dass er den Trick am Tag darauf erneut versuchte. Er wurde gefasst. Verbrecher sind oft dümmer als die Polizei erlaubt. Hier ein paar Highlights aus den Polizeiakten: Die Polizei von Huludao im Nordosten Chinas konnte im März 2014 einen Räuber nach nur wenigen Minuten und unweit des Tatorts fassen. Der Dieb hatte versucht zu flüchten, kam jedoch wegen der schweren Beute nicht weit. Na, haben Sie die Verbrechervisage erkannt? Ein brasilianischer Dieb bediente sich Jack Nicholsons Gesicht für die gefälschte ID. Die Suche nach Liebe wurde ihm zum Verhängnis: Der Chinese Liu Hao nahm an einer Dating-Show teil und wurde prompt verhaftet. Eine Zuschauerin hatte den Mörder erkannt, der seit 13 Jahren auf der Flucht war. Mitte Dezember 2010 zogen sich fünf junge Mitglieder einer Einbrecherbande die Totenasche eines Mannes und zweier Hunde in die Nase, in der Meinung es sei Kokain. Die Urnen hatten die Diebe bei einem Raubzug durch die Stadt Silver Springs Shores, im US-Bundesstaat Florida, erbeutet. Als sie ihren Irrtum bemerkten, versenkten sie die Behälter mitsamt der restlichen Asche in einem See. Am 27. November 2010 überfiel ein 19-Jähriger aus Baden-Württemberg eine Tank- und Raststätte. Mit einem Geschirrtuch maskiert, bedrohte er die 28 Jahre alte Kassiererin mit einer täuschend echt aussehenden Schreckschusswaffe, forderte Bargeld und fünf Päckchen Zigaretten. Mit der Beute radelte er schnurstracks durch den Schnee nach Hause. Die Beamten folgten der Fährte und stellten den verdutzten Täter. Im deutschen Augsburg hat im August 2010 ein per Haftbefehl gesuchter Mann bei der Polizei angerufen. Um ihr die Neuigkeit zu verklickern, dass sie ihn nicht finden werde, weil er sich ein neues Versteck gesucht habe. In einer Tiefgarage in London bricht ein 21-Jähriger ein Auto auf, das von der britischen Polizei als Attrappe hingestellt wurde und mit einer Videokamera ausgestattet war. Das Videomaterial zeigte ein grosses Tattoo auf dem Hals des Verbrechers: «Evans 19.9.87» - kurz darauf konnte die Polizei Aaron Evans mit Geburtsdatum 19. September 1987 an seinem Wohnort festnehmen. Er wurde von einem Gericht zu einer Gefängnisstrafe von sieben Monaten verurteilt. Mit 10 000 Franken flüchtete Mitte September 2009 ein Bankräuber in Baden nach Mallorca. Doch zuerst schrieb er noch zwei Abschiedsbriefe. Die Polizei musste nur noch eins und eins zusammenzählen, um dem 33-Jährigen auf die Spur zu kommen. Einen Tag nach der Tat wurde er verhaftet. Ende Januar 2009 war es zwei Männern gelungen, aus einem neuseeländischen Gefängnis auszubrechen. Doch ein Laternenpfahl setzte der Flucht der zwei Häftlingen ein jähes Ende. Die Männer waren mit Handschellen aneinander gefesselt und konnten sich nicht entscheiden, ob sie rechts oder links am Pfosten vorbeirennen wollten. Ihre ungeschickte Flucht dauerte nur Sekunden, dann wurden die beiden wieder von Gefängniswärtern festgenommen. Es war Montagmorgen um 3.30 Uhr in der Früh, als ein Sicherheitsbeamter bei seinem Rundgang durch ein Bürogebäude im Zürcher Kreis 1 einen sonderbaren Fund machte. Auf einem Sessel hatte es sich ein Einbrecher bequem gemacht und war friedlich entschlummert. Zu dumm nur, dass der 34-jährige Italiener erst aus dem tiefen Schlaf erwachte, als ihn die Polizei unsanft weckte. Hellwach, dafür aber nicht minder dämlich waren drei 15-jährige Schweizer, die Anfang Oktober 2007 am Zürcher Bürkliplatz zwei Jugendliche überfallen und ausgeraubt haben. Den jungen Räubern wurde nämlich kurz darauf die soeben gestohlene Ware wieder abgenommen - von weitaus rabiateren Räubern, die auch noch mit der Faust dreinschlugen. So eine Gemeinheit muss der Polizei gemeldet werden, haben sich die drei wohl gedacht. Nicht bedacht haben sie, dass sie dabei gleich selbst als Räuber überführt und hopsgenommen würden. Ganz gute Manieren bewies ein Einbrecher, der Ende August 2006 in ein Zürcher Fitnesscenter eingedrungen ist. Als kurz vor 3.00 Uhr morgens ein Alarm beim Geschäftsführer des Centers einging, wollte dieser sich per Telefon erkundigen, ob die Putzfrau versehentlich den Alarm ausgelöst hatte. Den Hörer nahm jedoch nicht die Putzfrau ab, sondern der Einbrecher selbst. Als dann kurz darauf eine Grosspatrouille mit Polizeihund «Harry du Boidamont» anrückte, waren Einbrecher und Komplizin noch immer wacker daran, den Laden zu räumen. Vom kurzen Telefongespräch mit dem Geschäftsführer hatten sie sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. Absolut keine Manieren hatte ein 41-jähriger Mainstation-Partygänger. Der Lümmel nutzte das allgemeine Gedränge im Zürcher Hauptbahnhof aus, um den tanzenden Damen ungeniert an den Hintern zu fassen. Dumm nur, dass eine der Frauen für die Polizei im Einsatz war. Die Hände in Unschuld zu waschen lag angesichts dieser erdrückenden Beweislast nicht mehr drin. Der Grabscher wurde festgenommen. Weniger glimpflich kam ein 16-jähriger Kubaner davon, der sich Ende Juni 2006 mit dem Portemonnaie einer Serviceangestellten aus dem Staub machen wollte. Auf der Flucht vor den wutentbrannten Mitarbeitern des Restaurants ist der Mann über einen Gartenzaun geflüchtet und dabei so unglücklich abgerutscht, dass sein Oberschenkel von einer Eisenspitze durchbohrt wurde. Schutz & Rettung mussten mit Spezialwerkzeug ausrücken und den Mann freilöten. Ein Teil des Zauns blieb im Bein stecken und musste per Notoperation entfernt werden. Fazit: Dieser Ganzkörpereinsatz hat sich mit Sicherheit nicht gelohnt für die 2000 Franken, die im Portemonnaie lagen. Böse erging es zwei Sprayern, die Anfang 2004 dabei ertappt wurden, wie sie den Schanzengraben verschönern wollten. Ruckzuck ergriffen sie die Flucht und sprangen katzenartig 3,5 Meter in die Tiefe - und mitten in einen Innenhof, aus dem es kein Entkommen mehr gab. Erst die Feuerwehr konnte die beiden Jugendlichen aus ihrer misslichen Lage befreien und lieferte sie sogleich der Polizei aus. Die zwei mehrfach vorbestraften Gangster «King Bird Road» und «Bird Road Ruby» aus Miami gehören defintiv nicht zu den cleversten Zeitgenossen. Schwer bewaffnet beschimpften die «harten Jungs» in einem YouTube-Video die Polizei und forderten die US-Cops in einem Anflug von Übermut auf: «Holt uns doch.» Eine Woche später schlugen die Beamten der Einwanderungsbehörden zu und verhafteten die zwei Verbrecher: «Wir haben ihren Wunsch erfüllt», kommentierte der zuständige Staatsanwalt den Vorfall nüchtern. «King Bird Road» und «Bird Road Ruby» droht nun wegen illegalen Waffenbesitzes eine mehrjährige Haftstrafe. Dämlicher geht es kaum: Ein bewaffneter Räuber hat in dem Laden, den er überfallen hat, offenbar seinen vollständigen Namen hinterlassen - auf einem Bewerbungsschreiben. Wie die Polizei in Athens im US-Staat Georgia mitteilte, wartete der 28-Jährige vor dem Überfall in der vergangenen Woche, bis der letzte Kunde das Geschäft verlassen hatte. Die Zeit schlug er mit dem Ausfüllen einer Bewerbung tot und trug darauf seinen Namen, Telefonnummer und Adresse ein. Am nächsten Tag wurde er festgenommen. Der dümmste Dieb Deutschlands wurde nach einem Überfall auf eine Sparkasse verhaftet, als er versuchte, per Anhalter zu flüchten - er war ausgerechnet zu Zivilfahndern der Polizei ins Auto gestiegen. Nach dem Überfall sei der 18-Jährige zunächst mit einem Fahrrad geflüchtet, habe dieses aber schon nach kurzer Zeit in einem Baggersee versenkt. Anschliessend postierte er sich als Tramper an einer Strasse. Das erste Auto, das anhielt, war ausgerechnet ein Zivilfahrzeug der Polizei. Müder als die Polizei erlaubt: Anstatt die Wohnung auszuräumen, macht es sich ein Einbrecher splitterfasernackt auf der Couch gemütlich - und wird dabei erst erwischt und dann auch noch gefilmt. Tony Neal war verständlicherweise geschockt, als er um halb vier in der Früh nach Hause kam und einen nackten Mann auf seiner Couch vorfand. Der Einbrecher schnarchte friedlich vor sich hin. Der Hausbesitzer hielt den Einbrecher in Schach, bis kurz darauf die Polizei eintraf.

Der diebische Holländer hat viele Kollegen: Klicken Sie sich durch die Bildergalerie der dümmsten Verbrecher.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Vor zwei Jahren war der Tourist aus Holland an seinem Ferienort im Zillertal erstmals negativ aufgefallen. In einem Sportgeschäft im kleinen Gerlos lieh er sich ein Mountainbike im Wert von über 2000 Franken aus. Von seiner «Probefahrt» kehrte er nie zurück.

Doch nur ein dummer Dieb kehrt an seinen Tatort zurück. Am Dienstag wollte der 33-Jährige erneut etwas «borgen». Im gleichen Sportgeschäft lieh er für sich, seine Lebensgefährtin und den Sohn drei Paar Skier – unter einem falschen Namen.

Pech für den Holländer, dass der Verkäufer misstrauisch wurde. Er alarmierte die Polizei, die den Dieb tags darauf anhalten konnte. Laut der «Tiroler Tageszeitung» sei er teilweise geständig. Möglicherweise könnte aber eine ganze Gruppe von Holländern in derartige Betrügereien involviert sein, erklärte ein Beamter auf Anfrage der APA.

(rme)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • trix schindler am 29.12.2011 15:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "nur kurz ausgeliehen"

    dumm gelaufen!

  • Kuno am 29.12.2011 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst schuld

    Man leiht auch nicht ein Fahrrad einem (offensichtlich ausländschen Touristen) ohne ein Depot (wie wärs mit Ausweis ?) zu verlangen.

    einklappen einklappen
  • Topan S. am 29.12.2011 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder lustig :=)

    Nette Aufheiterung an einem tristen Donnerstagnachmittag *lacht*

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kuno am 29.12.2011 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst schuld

    Man leiht auch nicht ein Fahrrad einem (offensichtlich ausländschen Touristen) ohne ein Depot (wie wärs mit Ausweis ?) zu verlangen.

    • karma1969 am 29.12.2011 20:10 Report Diesen Beitrag melden

      wie bitte?

      Richtig Kuno, denn du würdest auf Anhieb einen gefälschten Ausweis erkennen - und achja, an einem Touristenort wie das Zillertal leiht man nur den einheimischen Touristen die Mountainbikes aus, denn davon leben sie ja dort. Mir scheint, hier werden oft nur Kommentare der Kommentarwillen geschrieben ;-)

    einklappen einklappen
  • trix schindler am 29.12.2011 15:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "nur kurz ausgeliehen"

    dumm gelaufen!

  • Topan S. am 29.12.2011 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder lustig :=)

    Nette Aufheiterung an einem tristen Donnerstagnachmittag *lacht*