Weihnachten

23. Dezember 2008 11:14; Akt: 23.12.2008 11:24 Print

Besucheransturm in Bethlehem

Nach acht recht trostlosen Jahren freut sich Bethlehem auf Feiern und Trubel zum Weihnachtsfest. Die Hotels sind ausgebucht, die Touristen strömen zum Geburtsort Jesu. «In diesem Jahr ist das Geschäft super», jubelt Elias al Aradsch, dessen 200-Zimmer-Hotel nichts mehr frei hat.

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«Es ist ein Unterschied wie Himmel und Erde», sagt der Unternehmer Mike Kanawati mit Blick auf die vergangenen Jahre. Voller Optimismus eröffnet er derzeit ein neues Restaurant nahe der Geburtskirche.

Das wirtschaftliche Schicksal Bethlehems ist eng an die Entwicklung im israelisch-palästinensischen Konflikt geknüpft. In den 90er Jahren, inmitten von Friedenshoffnungen, blühte der Tourismus. Mit Beginn der Intifada 2000 brach das Geschäft zusammen. Jahr für Jahr, Weihnachten um Weihnachten, blieben die Touristen aus Angst vor Gewalt und wegen israelischer Reiseeinschränkungen aus.

Nachdem im Westjordanland allmählich wieder Ruhe einkehrte und neue Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern aufgenommen wurden, ist Weihnachten in Bethlehem erneut zum Besuchermagneten geworden. Im Gazastreifen hingegen, wo die radikalislamische Hamas das Ruder hält, ist die Stimmung gedrückt. Wegen der israelischen Blockade herrscht auch Knappheit an Schafen und Rindern fürs Opferfest.

In Bethlehem sind die Hotels bis in den Januar hinein ausgebucht, wie Bürgermeister Victor Batarseh mitteilt. Allein zu Heiligabend werden 30.000 Gäste erwartet, rund 8.000 mehr als im vergangenen Jahr. 1,3 Millionen Urlauber haben das Westjordanland in diesem Jahr schon besucht, fast doppelt so viele wie 2007. Bis zum Jahresende könnte die Zahl 1,6 Millionen überschreiten. Der Boom habe 12.000 neue Stellen geschaffen, meldet der palästinensische Informationsminister Riad Malki.

«Ruhe und eine Zunahme des Tourismus werden weiter Job-Möglichkeiten bieten und Familien ermutigen, in der Stadt zu bleiben», ist sich Bürgermeister Batarseh sicher. In den vergangenen Jahren wanderten viele ab, vor allem christliche Familien hielt nichts mehr in Bethlehem. Inzwischen sind noch rund 40 Prozent der 32.000 Einwohner Christen, in den 50er Jahren waren es noch 90 Prozent.

Zusammenarbeit mit Israel

Zur Vorbereitung auf das Fest schmückt Bethlehem seine Strassen. Auf dem Krippenplatz erwartet ein grosser Weihnachtsbaum, eine Zypresse, die Pilger. Lichterketten sind über die Hauptstrasse gespannt. «Es ist faszinierend, endlich den Ort zu sehen, von dem ich mein Leben lang gehört habe», sagt der Software-Ingenieur Michael Creasy aus San Francisco. Dabei ist Bethlehem beileibe kein biblisches Idyll, wie mancher Besucher es vielleicht erwartet, sondern eine typische Westjordanland-Stadt, mit vollen Gassen und lauten Märkten.

Rund 1.500 palästinensische Sicherheitskräfte sollen an Weihnachten für Ruhe und Ordnung sorgen. Israelische Kollegen haben ihre Zusammenarbeit angekündigt, um den Besuchern den Zugang in die von drei Seiten abgeriegelte Stadt zu erleichtern. Die Palästinenser haben Israel nach eigenen Angaben gebeten, die Gäste an den Kontrollpunkten nicht allzu lange aufzuhalten und von Razzien während der Feiertage abzusehen. «Wir fürchten, das würde die Besucher erschrecken», sagt der Palästinenser Suleiman Emran. Er und seine Kollegen begrüssen die Touristen nun mit Rosen, Süssigkeiten und Weihnachtskarten mit Telefonnummern für Notfälle.

(ap)